»Du bist die Ruh’, der Friede mild,

Die Sehnsucht du und was sie stillt …«

sang der Mädchenmund in die schweigende Bergnacht. Und Martin Opterberg spürte es wie einen Nachtschauer über seine Glieder gehen, daß er hätte aufschreien mögen, ohne zu wissen, warum?

Die Mädchen traten allein in die Schutzhütte und begaben sich in ihre Kammer. Die Freunde saßen rauchend am Feuer. Therese Baumgart wandte sich in der dunklen Tür der Hütte um.

»Therese …« hatte eine heiße und scheue Stimme geflüstert.

»Gute Nacht, Martin,« sagte sie.

Und er küßte sie. —

Weiter, weiter. Im jubilierenden Morgenerwachen, in sengender Sommersonne. Durch endlose Wälder, die dennoch viel zu klein, hinauf auf die steilen Höhen, die dennoch viel zu nieder. Jetzt führte Christoph Attermann, denn Martin Opterberg bildete mit der Freundin den Schluß. Nur an den Fingerspitzen hielten sie sich beim Wandern, und doch war ihm, als fühlte er die Freundin an der Brust. Der steile Blößling, der hohe Zinken, der Hochkopf — Christoph Attermann rief die Berge aus, die sie im Auf und Ab erstiegen — für Martin Opterberg waren sie nichts als Namen. Er sah nichts anderes als das eine Bild: das weiße Kleid in der blauen Sommernacht und die Mädchenwange kosend am Lautenhals. Und er hörte nichts als das eine, das letzte Lied.

»Theresel,« sagte er tiefaufatmend, als im leuchtenden Abendrot die erste Menschensiedlung zu ihren Füßen lag.

»Wie heißt der Ort?«