»Todtmoos.«
»Der Name macht traurig …«
Am nächsten Tage stiegen sie durch das wilde Wehratal zur Rheinebene hinab, und das Brausen der stürzenden Wasser, die durch Granit den Weg erkämpfen mußten, betäubte noch ihre Sinne, als sie sich dem Opterberghof näherten.
Da stand das weiße Haus auf dem Felsen, der auf blumenbunten, baumbeschatteten Gartenstufen zum jungen, hastenden Rheine führte, und auf der Schwelle stand Arnold Opterberg und schüttelte den jungen Männern die Hand und zog die Mädchen in seine Arme. Und Frau Christiane stand auf der Schwelle und tat aus den klaren Augen, die die Farbe des jungen Rheines hatten, einen Umblick über die Gesichter der Ankömmlinge, streckte die Hände aus zum Willkomm und verteilte die Schar der jungen Gäste auf Stuben und Kammern.
»Mutter,« sagte Christoph Attermann, als Frau Christiane zurückkehrte, »du hast einen unbestechlichen Blick. Welche gefällt dir am besten?«
»Das Mädchen mit der Laute, Christoph.«
Da lachte Christoph Attermann in sich hinein und war fröhlich die ganzen Ferien über.
6
Das junge Mannsvolk war über die Alpen, ins Land Italien. Herr Arnold Opterberg selber hatte den Plan entworfen und ihn durch Einschiebungen großer Fußreisen und Bevorzugung der einfachsten Schenken und Gasthäuser so billig zu gestalten gewußt, daß ihn auch die weniger bemittelten Studenten ohne geldliche Schwierigkeiten auszuführen vermochten. Es herrschte tosende Freude im Auslugzimmer des Giebelturms, als der Hausherr erklärte, die Leitung des Heereszuges selbst in die Hand nehmen, im übrigen aber Kamerad unter Kameraden sein zu wollen.
Fort waren sie wie die Zugvögel, obwohl es mitten in der Ernte war. Herr Arnold Opterberg hatte einen Grund gefunden, endlich aufs neue den Trieben seiner schweifenden Sehnsucht zu folgen, und da er als Lenker und Leiter der Jugend ging, der keine andere Zeit als die Ferienspanne zu Gebote stand, so fiel für ihn der Schein der Selbstsucht hinweg.