Frau Christiane nickte mit ruhigen Augen, stellte einen neuen Knecht ein und stand des Morgens um eine Stunde früher auf. Besser mehr Arbeit mit den Händen als mit dem Herzen, sagte sie sich in ihrer Lebenskunde. Und Unzufriedenheit in der Ehe ist Diebstahl am Maß unseres Lebens.
Und sie schuf den Ausgleich und legte von dem ihren zu, weil sie die reichere war.
Auch die Mädchen waren heimgeflattert in ihre Hausungen am Mittel- und Niederrhein. Ihrer drei nahmen ein Geheimnis mit sich, das den drei Freunden der Opterbergsbuben recht wohl bekannt schien. Nur Therese Baumgart war auf besonderen Wunsch Frau Christianes noch geblieben.
Wenn die Gutsherrin in frühester Morgenfrühe die Fensterläden ihres Schlafzimmers öffnete, stand das Mädchen schon im Hof und winkte ihr den Guten-Morgengruß.
»Du sollst ausschlafen, Kind. Die Ferien sollen Kräftesammler sein.«
»Das Sprichwort lehrt: ›Sieben Stunden sind der Ruh — die achte fällt dem Faulen zu.‹ Von Neun bis Vier lag ich in den Federn. Macht sieben Stunden. Ich bin frisch wie ein Fisch.«
»Lauf in den Stall und trink einen Liter Milch warm von der Kuh, ich komme.«
Den ganzen Tag blieb ihr das Mädchen zur Seite und griff zu, wo es zuzugreifen gab. Am Nachmittag saß es über seinen wissenschaftlichen Büchern, und nach Feierabend hockte es plaudernd neben Frau Christiane auf der Gartenbank, von der sich der Blick auf die strudelnden Wasser des jungen Rheins erschloß, oder spielte auch wohl auf eine Bitte der Hausherrin alte Liedweisen auf der Laute, zu der die beiden Frauen zweistimmig die verträumten Worte sangen.
»Erzähl mir ein weiteres von Daheim, Theresel. Ich lausch’ dir gern, und wenn der Rhein die Musik dazu macht, so ist das auch ein Lied.«
Sie hatte das Mädchen von dem Tage an »Du« genannt, an dem die drei Freundinnen die Heimfahrt angetreten hatten. Mit diesem Du schuf sie der Zurückbleibenden zart und still den Heimplatz.