»Mutter, der Schinken, der rote Veltliner Wein!«

»Hängt die Flasche ins Bergwasser. Wen das Rheinwasser kühlt, dem gibt’s erst das rechte innere Feuer. Ach, Christoffel, lang mir den Brotlaib. Bis zum Heiraten ist’s noch lange hin, wenn du nicht besser schneiden lernst. Martin, behandle die Flasche recht. Des Weines Feuer soll zu Herzen gehen, nicht in den Kopf. Und nun zugelangt, ihr Wandervögel, damit’s Marschieren wieder schmeckt.«

Ein weißes Mundtuch war über den moosigen Stein gespreizt. Die Brotschnitten lagen darauf und die Scheiben des Schinkens. In den Metallbechern funkelte purpurn der Veltliner. Und die Schneehäupter der Berge und die glatten Gletscherzinken lugten über den Felsenkessel auf die seltenen Gäste aus dem Menschenreich, und die Quellwasser des Rheins im Tomasee spiegelten alles wider: die Bergwelt, die Menschen und den Maientag.

»Daß der Vater nicht mitgewandert ist, Mutter. Er hat doch einmal das Malen betrieben.«

»Ei,« antwortete Frau Christiane, »weil dem Vater kein Weg zu weit und beschwerlich ist, wenn er ihn im Wagen fahren kann.«

»Ob ihn der meine noch hätt’ schaffen können?« fragte der Christoph. »Er hat’s mit der Atemnot wie nie. Drum ist er ja auch nach Freiburg zum Professor.«

Frau Christiane sah den sinnenden Knaben lange an. Gleichaltrig war er ihrem Martin und unzertrennlich von ihm seit der Geburt. Eine schlimme Geburt war’s gewesen und von der Mutter mit dem Leben bezahlt. Und des Vaters Leben ein Siechtum ohne Ende, seit ihn beim Beschlagen des störrischen Gauls der Huf vor die Brust getroffen hatte.

»Ob ihm die Reise nach Freiburg hilft?« fragte der junge Christoph.

Frau Christiane bezwang ihren Blick.

»Jetzt wird sie schon geholfen haben. Packt ein, ihr Buben! Der Maientag ist nur einmal, und wir wollen ihn nutzen!«