»Also war’s der Martin, der Sonne, Mond und Sterne begehrte. Ein Riß in der Haut, und sie dünken sich Helden und Abenteurer. Früher tat’s ein Loch in der Hose. Aber mich freut’s bei rechten Buben, und du kannst mir ruhig erzählen.«

Das Mädchen lächelte der Frau in die Augen.

»Er war gewiß nicht schlimm und keck. Nur so ganz mannbar hat er sich gefühlt durch seinen ersten Sieg auf der Mensur und darum auch so — so siegesgewiß. Das stand ihm gut, und sein Benehmen zeigte gleich, daß er eine gute und geliebte Mutter hatte.«

»Schmeichlerin. Weshalb sagst du mir das?«

»Weil es nicht von mir stammt, sondern vom Christoph Attermann. Und der brauchte noch ganz andere Ausdrück’ und schmeichelte doch auch nicht.«

»Nicht bös sein, Kind. Ich hör’s ja gern und wär’ keine Frau, wenn ich’s leugnen wollt’. Aber versteh mich auch darin recht: eine Schmeichelei kann eine Anerkennung sein, die den anderen schmücken soll, oder nur ein schönes Wort, mit dem sich der Redner selber aufputzen möcht’. Dafür muß die rechte Frau ein Ohr haben. Nun, und von euch wollt’ ich’s hören und hab’ es gehört. Also du warst bei Christoph Attermann.«

»Bei Christoph Attermann?« verwunderte sich das Mädchen. »Ja doch, ich nannte ihn, als ich von des Martins frischer Fröhlichkeit sprach, mit der er im Kolleg gleich zu mir redete. Er saß neben mir, und sein Verbändlein war gerutscht.«

»Sieh an. Medizinische Kollegs besucht der Bub, der ins Ingenieurfach will? Doch das müßt ihr ja wohl besser verstehen, und seinen Wissensdurst soll der Mensch stillen.«

Überrot saß Therese Baumgart und wußte nicht, wohin mit dem Blick.

»Der Christoph Attermann besuchte doch auch die medizinischen Kollegs,« stammelte sie.