»Sie sind ein Mensch, dem man sich blindlings anvertrauen kann,« sagte das Mädchen und reichte ihm die Hand.
»Tun Sie das nur zu jeder Stund’. Sie mag hell oder dunkel sein, Fräulein Therese.« —
Es war im März, und Neuschnee auf den Bergen. Wenige Tage noch, und das Wintersemester schloß ab, und der Abschied war da von Freiburg, der lieben, alten Stadt. Wie auf Sturmflügeln kam Martin Opterberg auf Schneeschuhen vom Feldberg daher, und Therese Baumgart war mit ihm, weil es den Abschiedstag galt, den er sich auserbeten hatte. Durch die schneeverhängten Tanneneinsamkeiten fuhren sie dahin wie die wilde Jagd, und die Zottelbartriesen der Wälder schraken aus dem Schlummer, und es war, als flögen sie im Sprunge zurück, wo die jungen Menschenkinder mit einem Lustschrei vorüberbrausten.
»So dahinfliegen in alle Unendlichkeit!« schrie Martin Opterberg. »Das ist Leben!«
»Ja! Ja! Ja!« scholl es ihm nach.
Die Wälder des ›Notschrei‹ nahmen sie auf. Sekundenlang gedachte das Mädchen des bedrückenden Namens. Aber das Jauchzen des Jünglings riß sie darüber hinweg, und da breitete sich die Halde, und das Haldenwirtshaus winkte.
Auf der Kaminbank hockten sie dicht bei einander und ließen sich durchwärmen von der Glut der harzigen Kloben und dem roten Glühwein, den ihnen der Wirt mit Späßen kredenzte. Und als sie wiederum die Schneeschuhe angeriemt hatten und mit erfrischten Kräften die Tafel des Schauinsland erreicht war, fiel jäh die Nacht herein.
»Was tun wir jetzt?« fragte das Mädchen.
»Wir machen Licht!« rief der Begleiter. »Fackelträger vor für die Königin!«
Zwei handliche Pechfackeln wählte er aus seinem Rückenbündel, entzündete ein paar Kienspäne und stieß die Fackeln in die Glut. Da flammten sie lichterloh auf und warfen ihren wilden Schein über das schweigende, weiße Schneegefilde und die erhitzten Gesichter der beiden Menschenkinder. In jeder Hand schwang Martin Opterberg eine Fackel, daß das Schneeland wie ein königlicher Purpurmantel flammte.