»Ich glaub’s, Martin. Die Hilde hat der Medizin entsagt und ist heim in den großen Gasthof ihres Vaters bei Koblenz, wo sie das Kochen und Wirtschaften übt.«

»Und die Klarenbachsmädchen machen’s ihr wohl nach?«

»Sie studieren und studieren nicht, just so, wie es ihre guten Freunde, die Herren Tillmann und Grüters tun. Der Tillmann verliert dabei ein wenig seinen Weg und denkt mehr an seine Elfriede als an seine Kunstgeschichte. Um ihn ist mir leid. Aber der Grüters weiß, was er will, und was er an Zeit mit der Gerda verliert, das holt er sicherlich des Nachts wieder bei, denn er wünscht dem reichen Industrieherrn Klarenbach als ernsthafter Bewerber unter die Augen zu treten.«

»Wie das alles nach dem Versorgungshafen drängt,« spottete Martin Opterberg und schüttelte sich. »Gerad, als ob die einzige Jugendzeit nicht das Beste bedeutete im Leben. Und nun sag noch eins zum Schluß: was macht denn das Theresel?«

Das Mädchen sah ihn mit Erstaunen an. Dann wurde ihr Blick ruhig.

»Das Theresel dankt für gütige Nachfrag’ und hofft, bald größere Verbänd’ anlegen zu dürfen als den ersten kleinen Wickel in Freiburg.«

»Das Theresel ist wohl arg stolz geworden als wohlbestallter Kandidat der Medizin?«

»Nicht gerad stolz, aber stetig in seinem Weg, weil’s keine Sterntaler mehr schneit, wenn der Mensch träumt, und nur, wenn er wacht.«

»Bist auch du mit auf der Jagd nach dem Mammon? Das scheint heut die Losung zu sein im lieben Vaterland.«

»Narr du. Hast du schon einmal für Geld gearbeitet und arbeiten müssen? Oder haben dir Vater und Mutter das Tischlein des Lebens gedeckt? Bevor du nicht den ersten selbstverdienten Taler auf den Tisch legst, würd’ ich an deiner Stell’ kein Wörtlein über den Gelderwerb sagen. Denn er kann auch heilig sein, Martin, und ein Durchgangstor zum rechten Glücklichwerden und Glücklichmachen bilden. Denk mir zuliebe nur einmal an die kleine Linde, mein Schwesterchen, und wie ich dem Lindele wohl mit meinen Rieseneinnahmen zu einem Königtum verhelfen werd’.«