Das mondscheinhelle Wasser sprühte auf. Ohne eine Sekunde zu zögern, hatten sich Martin Opterberg und Christoph Attermann in die raschfließende Flut geworfen. Ein paar Worte riefen sie sich im Wasser zu. Kurz. Hart. Ihre Körper tauchten nieder. Wer im jungen Brauserhein das Schwimmen erlernt hatte, fürchtete die Strudel nicht. Unter Wasser schwammen sie und tauchten hoch, sicherten und tauchten nieder. Wieder lagen sie auf den Wellen und ruderten schwerfällig weitab an Land, eine Last zwischen sich.

Herr Arnold Opterberg hatte gefunden, was er sich erwünscht hatte: den seligen Abschluß, bevor der Herbst ihn verjagte. — —

Die Leiche lag geborgen. In triefenden Kleidern stand Martin Opterberg im Zimmer seines Gasthofes, mit stieren Augen und kreisenden Gedanken, die um Hilfe riefen. Da öffnete sich die Tür, und ein Mädchen schlüpfte herein und warf sich ihm an die Brust.

»Martin! Martin! Ich mußt’ zu dir hin!«

»Du! du!« sagte er mit schlagenden Zähnen und preßte seine kälteschauernden Glieder in die wärmenden Arme. »Das vergesse ich dir nicht. Daß du in der Stund’ meiner Not gekommen bist.«

Schweren Schrittes trat Christoph Attermann ein. Sabine Barthelmeß huschte an ihm vorbei und durch die Tür. Ein Schluchzen schüttelte Christoph Attermanns Körper.

»Martin — Martin — nun hat der Rhein beide zu sich geholt — deinen Vater und den meinen.« Und als er Martin Opterbergs qualvoll sich vordrängende Tränen sah, trat er auf ihn zu und wischte ihm so weich wie eine Mutter mit der Hand über die Augen.

7

Die Leiche Arnold Opterbergs war aus dem Rheingau heimgebracht worden an den jungen Rhein. Sohn und Pflegesohn hatten sie heimgeleitet. Und als sie angelangt waren an dem kleinen Dorfbahnhof, an dem ein vierrädriger, mit schwarzem Tuch behängter Gutswagen auf den Sarg harrte, gedachten sie beide wie in einem Atemzug der letzten Worte Arnold Opterbergs auf ihre Frage: wie geht es der Mutter?

»Königlich wie immer,« hatte Herr Arnold gerufen, und königlich wie immer stand Frau Christiane, kraftvoll und ruhevoll in ihrem schwarzen Trauerkleid anzuschaun, das strohgelbe Haar im Flechtenkranz unter den Florhut gelegt, in der Bahnhofhalle und begrüßte durch eine kurze und herzliche Umarmung ihre Buben.