»Mutter,« sagte Martin Opterberg, nahm ihre Hand von seiner Schulter und legte sie sich an die Augen, »ich spür’, daß du da bist.«
»Spür du auch ruhig den Vater. Nur zur rechten Zeit muß es sein.«
»Sag noch ein Wort dazu, Mutter.«
Da ging ein heimliches Lächeln über Frau Christianes Züge, das der Sohn nicht sah und das sie ganz aus ihrem Alltag und Werktag entrückte.
»Ich will es dir gewiß sagen, Martin, obschon du es selber weißt, wenn du im Frühjahr und Sommer über die Wiesen hinblickst. Da siehst du die Bienen unermüdlich hin und wider surren und Honig in die Zellen tragen, und da siehst du die farbenfrohen Schmetterlinge wie geflügelte Blumen durch die Sonne schweifen und von den Blüten nur den Honig trinken, ohne ihn zu sammeln, und sie entzücken dich doch. Was uns aber in den stillen Stunden entzückt, das sollen wir in den lauten nicht schmähen.«
Martin Opterberg stand auf. Jetzt erst seit dem Wiedersehen kam es Frau Christiane zum Bewußtsein, wie groß und männlich er geworden war.
»Ich danke dir, Mutter. Und ich habe dich ganz genau verstanden. Jetzt, da wir uns das Beste gesagt haben, wollen wir’s auch kurz mit dem Abschied machen. Das Semester hat schon begonnen. Morgen fahre ich nach Berlin.«
»Und der Christoph?«
»Der Christoph will auf die Hochschul’ nach Aachen. Für ihn ist der technische Hochbetrieb im Rheinland das Beste. Wir haben’s besprochen, Mutter, und es muß jeder einmal allein sein.«
»Wirst du deiner alten Freundin Therese Baumgart vorher noch ein Lebewohl bieten?« fragte Frau Christiane, als frage sie leichthin.