»Mutter,« sagte dann Christoph Attermann beim Abschied, »ob ich komme oder geh’, ich spür’ immerdar die Kraft deines Gleichnisses von der Rheinquelle und den ins Weite strömenden Wassern. Und ich spür’ die Kraft des Nimmer-Zugrundegehenkönnens, solang die Quelle fließt.«

»Ich weiß schon von der Therese Baumgart, was für gewählte Reden du über mich führst.«

Auch die Therese Baumgart suchte Christoph Attermann in festen Abständen auf. Sie stand jetzt in Staatsexamen und Doktorprüfung und freute sich wie ein Kind, wenn das vertraute Gesicht des Jugendkameraden in ihren Nöten vor ihr erschien.

Und es gab keine Angst und keinen Zwiespalt des Prüflings, den der gesunde Sinn des Freundes nicht ausgeräumt und ausgeglichen hätte.

»Wenn ich die Augen schließ’, mein’ ich, ich hör’ Frau Christiane reden, und sie hat doch diesen ihren zweiten Sohn gar nicht geboren.«

»Doch, doch. Die Seele.« — —

Therese Baumgart hatte für die letzten Semester die Universität in Bonn gewählt. Das war für den Freund, der noch in Aachen verblieben war, bequem zu erreichen. Und wenn er kam und das Wetter günstig war, holte er sie zu einem Marsch in das stille Siebengebirge oder auf die Höhe des Rolandsbogens, und unter ihnen rauschte der Strom um die Inseln Nonnenwert und Grafenwert und ergoß sich durch das letzte Bergtor, all seinen Zauber noch einmal zum berauschendsten Schönheitsbild zusammenfassend, beruhigt und kraftvoll in das Land der Arbeit.

»Abschied von der Jugend,« sagte Therese Baumgart sinnend.

»Begrüßung des Manneslebens, Therese. Oder auch des Frauenlebens. Das ist eins. Wer sagt dir, daß sich der Rhein nicht dafür so ganz besonders bräutlich schmückt.«

»Du magst Recht haben, Christoph, aber er tut es gewiß auch, um uns zu mahnen: Vergeßt die genossene Jugend nicht.«