»Hab' beides meiner Hausehre zum Aufbügeln dagelassen. Dieweil, juchhei – dieweil – juchhei – der Herr Pastor zu Nutz und Frumm der Dorfgemeinde eine kleine Aufbügelung in Marburg vor sich gehen läßt.«

»Ich komme dir einen Halben, Pirat. Nichts zu flicken für einen hilfsbedürftigen Landarzt?«

Kreuzer blickte in das starke, gerötete Gesicht. »Der Stimme nach – der Melodik der Stimme nach – ist mir, als hörte ich Deutschlands Eiche im Wipfelrauschen. Baum?«

»Zu dienen, Herr Geheimrat. Ich bin der Baum. Aber gestatte, daß ich die Umarmung mit dir bildlich vollziehe. Ich stehe nicht gern auf, wenn ich sitze.«

»Hast du endlich das Zipperlein?«

»Bitte – bitte – diese herrlichen Gliedmaßen gehören dem Wohl des Volkes. Deshalb schone ich sie. Und wenn du die Farbe meines Antlitzes zu einem ärgerlichen Vergleich mißbrauchen möchtest, so sage ich dir: Wind und Wetter haben sie mir angeschmeichelt, und sie ist ehrenvoll auf der Landstraße verdient.«

Und eine zarte Stimme sprach: »Er opfert sich auf, unser lieber Baum. Da ist ein Mann in seinem Klientel, den er von der Schädlichlichkeit geistiger Getränke überzeugen muß, und es ist der Dorfwirt und nicht unter die Erde zu bringen. Ganz erschöpft von den endlosen Debatten sehe ich oft zur Nachtzeit unseren braven Baum in den Wagen steigen.«

»Du aber, mein braver Lindner, steigst jetzt in die Kanne. So ist's recht, mein guter Junge. Ich will dich lehren, neidverzerrt im Pastorat auf der Lauer zu liegen, während ich mich bemühe, dir die faulen Begräbnissporteln abzuknöpfen. Ah, du meldest dich reumütig mit der neuen Blume? Prosit, da trinke ich mit.«

»Lindner, der reine Tor? Und Pfarrherr wie der lange Ritter? Fühlst du dich wohl auf dem Land?«

Der Pfarrherr mit dem bärtigen Knabengesicht reichte dem Professor die Hand.