»Ja, ja, ich glaub's. Was ihr so darunter versteht. Von Zeit zu Zeit mal über die Stränge schlagen und sich heimlich freuen, daß es keiner gemerkt hat. Lieber Klaus, das ist ein billiger Leichtsinn für kleine Leute und würde gar nicht zu dir passen. Schlag's dir aus dem Kopf.«

»Kennst du zwei Arten von Leichtsinn? Eine passende und eine unpassende?«

»Ja,« sagte sie und hob die Stirn. »Wenn du schon bei dem Wort bleiben willst, so kenne ich zwei Arten.«

Er sah ruhig auf zu ihr, die neben ihm stand. »Nenn sie, Traud.«

»Nein, ich fürchte mich nicht. Es wär' ja eine Lüge, wenn ich anders sprechen wollte. Es gibt einen leichten Sinn, der sich heimlich aufmacht und durch die Niederungen schleicht, einerlei, ob es durch Sumpf- und Brackwasser geht, wenn nur die Spur nicht gefunden wird, und es gibt einen leichten Sinn, der sich über alle Miseren in lichte, frohe Höhen zu schwingen versteht, bis die Augen der Nachstaunenden ihn nicht mehr zu fassen vermögen, bis er selber die Sonne verspürt und er Gott anders begreift und seine Welt und erkennen lernt, daß es über jede Misere hinaus einen lachenden, blauen Himmel gibt für den, der zu fliegen versteht.«

»Weiter,« sagte Klaus Kreuzer nach einer Weile, »ich höre dir zu.«

»Weiter?« wiederholte sie. »Lern fliegen, und du brauchst meine Weisheit nicht.«

Und wieder sagte Klaus Kreuzer nach einer Weile: »Ich habe es einmal gekonnt – oder wohl nur zu können geglaubt, denn ich schlage nur noch zur Schau mit den Flügeln.«

»Weshalb?«

»Gott, liebe Traud, es gibt eben Menschen, die sich lieber einen Pfauhahn halten, der der allgemeinen Bewunderung zugängig gemacht werden kann, als einen Adler, der sich den Blicken der Leute entzieht.«