Sie war hinaus, und er stand, hob seine Hand und ließ sie denselben Weg über die Augen gehen, den ihre Hand genommen hatte. Und blickte sich um und horchte zugleich nach innen und nach außen. Ein leises Singen war's. Sein Blut? Ihre Stimme, deren Klang noch durchs Zimmer flatterte? Oder doch – sein Blut? Und es konnte noch strömen und der Freude entgegenwallen wie Jünglingsblut? Und er horchte nach innen und nach außen und fand keine Begründung und nur – dies Gefühl. Da wußte er, daß es für dies Gefühl keine Begründung gab vor lauter warmer Menschenfreude. –

»Deinen Arm, Traud.«

Sie legte ihn hinein und ging schlank und schmiegsam an seiner Seite. Die Bürgersleute grüßten aus den Haustüren hinaus, und sie grüßten beide wieder und verfolgten schweigend ihren Weg, der sie aus der Enge der Gassen hinausführte ins weite Lahntal und den waldigen Höhen zu, die im Gold des Ginsters standen.

»Weshalb sprichst du nicht, Klaus?«

»Wir haben ja nichts anderes getan, als miteinander gesprochen.«

»Gut,« sagte sie mit einem wohligen Ton, »schweige weiter.«

Er faßte die Hand, die in seinem Arme lag, führte sie an die Lippen und legte sie wieder in seinen Arm zurück. »Nein – jetzt, wo die Stimmen einmal laut geworden sind, können wir auch bei dieser Sprache bleiben. Denn nun werden wir uns auch in ihr nichts mehr verheimlichen.«

»Ich verheimliche nie etwas, Klaus. Das war ja schon immer der Kummer der Familie.«

»Du hast deinen Mann sehr lieb gehabt, Traud?«

»Ja, Klaus, das habe ich.«