»Trotz aller Nöte und Bedrängnisse, in die er dich hineingebracht hat?«
»Das hat doch mit der Liebe nichts zu tun.«
»Ich meine – es bedarf doch immer eines hohen Maßes von Achtung, um jemanden durch dick und dünn immer noch lieb zu behalten. Ich meine so, daß man die Augen schließen kann und nichts verspürt – als Wohlsein –«
»Ach, Klaus, red doch keine Dummheiten. Das steht ja nur in deinen dicken Büchern, und wenn sie noch viel dicker wären, wüßten sie darum doch nichts vom Selbstverständlichen.«
»Was nennst du das Selbstverständliche, Traud?«
»Jemanden lieb haben, ohne nach Dingen zu fragen, auf die es keine Antwort gibt. Das nenn' ich so, du hochgelehrter Professor. Achtung? Was heißt Achtung? Heiratest du nur die Tugenden oder auch die Fehler? Aussondern ist nicht, und Achtung habe ich nur vor der grenzenlosen Liebe, die sich immer wieder erschöpft, um sagen zu können: Da, nimm. Besseres habe ich nicht zu vergeben. Und wenn der Mensch ein armer Schlucker ist oder ein Himmelsstürmer.«
»Du – Traud – und so hast du immer – gelebt?«
Sie drückte schweigend seinen Arm. »Leb' ich? Nun, wenn ich also nicht dabei gestorben bin, so weißt du die Antwort.«
»Traud, ich habe Respekt vor dir. Wer hätte das vor einigen zwanzig Jahren in dem kleinen Mädel gesucht.«
»Ja, Klaus, damals war ich fünfzehn und trug lange Zöpfe, bis in die Kniekehlen. Das war meine Schwärmerei. Und noch eine andere Schwärmerei kam hinzu, und du brauchst dich nachträglich nicht in die Brust zu werfen, wenn ich dir heute sage, daß diese Mädchenschwärmerei Studiosus Klaus Kreuzer hieß, denn das war ein ganz anderer, als der nachmalige Professor und Geheime Rat gleichen Namens, und hatte den rechten sonnigen leichten Sinn, der es verstand, zur rechten Zeit alle Erdenschwere zu Boden fallen zu lassen und zu seiner und der Menschheit Freude ein echtes Sonnenkind zu sein. Und schon damals hatte ich den Glauben an die Wunderkraft der Sonne.«