Der Vater sah ihn noch immer an. Er horchte, als hörte er den Sohn weitersprechen. Nein, nicht den Sohn. Das war die Stimme der Mutter, Mariannens Stimme. »Die Couleur darf den Jungen nicht stören. Er geht zur Couleur, weil sie ihm in seiner späteren Laufbahn einmal nützlich sein wird.« Weshalb – weshalb war er selber denn einmal Couleurstudent geworden? Aus Nützlichkeitsgründen? Ach nein, weil das alles einmal für ihn untrennbar von Jugend – Jugend, Jugend gewesen war.
Gewesen war! …
Das war heute anders geworden. Wirklich? War es das wirklich? Oder nur bei Mariannens Sohn und – bei Mariannens Gatten? Und er spürte den erstaunten Blick des Sohnes, daß er keine weiteren Lehren mehr zu geben habe. Da besann er sich.
»Recht so, Walter. Die Zeiten, von denen die Renommistenlieder melden, das Saufen und Raufen, Liebe und Trompetenblasen, existieren nur noch im Kommersbuch. Das Leben ist fortgeschritten und stellt immer höhere Anforderungen, und ihr seid um so vieles weiter, als wir es waren.«
»Du sagst das nicht besonders fröhlich, Papa.«
»Wie –?«
»Du mußt mal ein mordsfideler Student gewesen sein. Die steile Terz da und der wilde Durchzieher querüber –«
»Fuchs, krasser, was faselst du –? Erstens ist das keine steile Terz, sondern ein Spicker, den mir ein verfluchter Linkser hinaufgehauen hat, und zweitens bitte ich, eine regelrechte Quart von einem windhündigen Durchzieher zu unterscheiden, und drittens – und viertens – ist das überhaupt nicht der Zweck unserer Unterredung. Was wollt' ich dir doch noch sagen? Nun, du wirst es ja auch so wissen. Was ist das für eine wundersame Frühlingsstimmung … – Mütze auf. Wir wollen gehen.«
»Willst du nicht erst Tante Werder begrüßen?«