»Danke. Sieht er gut aus?«

»Äußerlich oder innerlich?«

»Ach, laß uns doch lieber morgen miteinander reden, wenn deine Marburger Stimmung verflogen ist.« –

Dann hatte ihn das tägliche Leben wieder, aber die Stimmung hielt an und wuchs insgeheim wie ein Garten voll blühender Bäume, die der Reife entgegenharren. Und seine Studenten merkten es am hinreißenden Ton, der Quellen erschloß und sie hinströmen ließ über lauter sonniges Land, als er sein neues Kolleg begann: »Über die Lebensbejahung in der deutschen Literatur.« Donnerndes Getrampel begrüßte ihn beim Aufstieg zum Katheder, und donnerndes Getrampel gab ihm beim Abstieg das Geleit. Da wußte er, daß er den rechten Weg beschritten hatte, und fuhr kraftvoll fort, seinen Studenten die fremde Schminke quälerischer Lebensbetrachtungen aus dem Gesicht zu wischen und ihnen die Frische und Kraft zur Lebensfreude in die aufhorchenden Seelen zu tragen. »Nur eins ist not. Nur dies eine. Und Tod ist Wahn, wenn wir für die Nachfolgenden goldene Spuren hinterlassen. Auf, ins Leben!«

Und eines Abends, als Marianne ohne ihn zu einer ihr wichtig scheinenden Gesellschaft gefahren war und er sich mit dringenden Kollegarbeiten entschuldigt hatte, saß er vor seinen Kollegheften und schrieb. Und als er fertig geschrieben hatte, sah er, daß es ein Gedicht geworden war. Und er nahm es und schickte es ihr, der es gehörte.

Die Sonne.

Es lief das Herz dir über schier
Und war voll Sonne nur.
Da stieg sie bis ins Auge dir
Und ließ die goldne Spur.

Ein Weilchen standst du wie gebannt,
Als ob's dich blenden wollt' …
Und wie du senktest scheu die Hand,
Da lag die Welt in Gold.

Da lag die Welt in Sonnenschein,
Die gestern alt und kalt,
In Flammen stand der Blumenrain,
In Flammen stand der Wald.

Ich kam des Wegs, du sahst mich an,
Dein Blick rief mich zurück.
War nur ein friedeloser Mann
Und ward ein Mann im Glück.