»Danke, Tante. Aber ich sammle mir doch gern meine eigenen Erfahrungen.« Und fort war er.
»So hab' ich's gemeint,« lachte sie vor sich hin, streckte die gesunden Glieder und ging an ihr Tagewerk. – –
9
Das kurze Sommersemester neigte sich dem Ende zu. Und während die Früchte zu schwellen begannen, waren die Rosen aufgesprungen, hüllten sich die Akazien in blütenweiße Brautgewänder, prangten die Bauerngärten im schweren Duft der Sommerblumen, blühte unablässig die Heide. Nie war es Klaus Kreuzer, wenn er durch die Landschaft schritt, so aufgefallen wie in diesem Jahr, dies Früchtereifen inmitten unaufhörlichen Blühens.
›Jahr für Jahr gibt uns die Natur dies Zeichen,‹ dachte er und ließ den Blick auf der wechselreichen Landschaft ruhen, ›und nur wir Menschen haben verlernt, es zu sehen und zu begreifen.‹
Und er las sein letztes Kolleg vor den Ferien, und es klang wie ein Hymnus auf den Menschheitsfrühling, und die Hörer gingen still hinaus und sammelten sich erst draußen auf dem langen, grauen Korridor und brachten ihrem Lehrer und Glücksweiser, als er durch ihre Reihen schritt, in stürmischen Zurufen das Echo seiner Rede wieder.
So kam er zu Marianne und fand sie mit den strengen Zügen der Frau, der die Jugend verronnen war unter dem einen Wunsche, über sie hinauszugelangen.
»Lieber Freund, ich habe heute morgen auf der Ausfahrt die Frau des Ministers getroffen. Ich will gestehen, es geschah nicht unabsichtlich, und wir machten unsere Spazierfahrt miteinander. Es ist eine Frau, die Ziele hat.«