»Ich glaube wahrhaftig, Klaus, du hast meinen Namen vergessen. Aber ich nehme dir das nicht übel. Du bist auf deiner Höhe, die mich von Herzen freut, an ganz andere Namen gewöhnt. Ich heiße also immer noch Traud, weißt du, die Abkürzung von Gertrud, und – ja, jetzt muß ich wohl um Verzeihung bitten, denn du machst so ein sonderbares Gesicht? Wenn ich gegen die Formen verstoßen haben sollte, Herr Professor – pardon, Herr Geheimrat – Gott, wir sind gegen Berlin Hinterwäldler und hier in Marburg noch so ganz in der alten Zeit steckengeblieben.«

Da schob der Professor die Mütze in den Nacken und ging, beide Hände ausgestreckt, auf die lachende Frau zu. »Guten Tag, Traud. Ich freue mich, daß du wenigstens in der alten Zeit steckengeblieben bist.«

Sie ergriff die Hände und drückte sie. »Guten Tag, Klaus. Also doch mal wieder heimgefunden nach Marburg?«

»Heimgefunden. Das weiß Gott. Hier war die Heimat meiner Jugend.«

»Und bringst jetzt den Jungen daher? In die alte Couleur?«

»Wenn ich dich ansehe, das alte, liebe Marburger Mädchengesicht, möcht' ich fast, ich könnt' den Jungen nicht nur in meine alte Couleur, ich könnt' ihn in meine alte Jugend hineinbringen.«

»Sie war doch schön, Klaus. Was? Trotz deines hohen Fluges.«

»Herrgott nochmal.«

»So, und nun könntest du wohl meine Hände loslassen. Nein, nein, verwandtschaftliche Beziehungen reden in solchen Sachen durchaus nicht mit. Kopf zurück. Und der Junge ist auch da.«