Nur der Donnerer hatte sein Gleichgewicht wiedergefunden.

»Meine Lehre besagt,« sprach er grimmig, »wenn du zu Spitzbuben gehst, schlag' zu, bevor sie dich prellen. Das gedenke ich auch diesmal zu tun, und ich werde selber gehen.«

Da berieten die Götter heftig über die Ausführung der Reise, und Heimdall, der treue Wächter, sprach: »Sie werden dir wieder ein Blendwerk vorgaukeln, wenn du offen als Asathor zu ihnen kommst. Drum rate ich dir, lege Freyas Brautkleid an und umhülle dein Gesicht mit Freyas bräutlichem Schleier, daß dich niemand erkennt und dich der liebesblinde Thrym mit offenen Armen in seinen Saal aufnimmt. Das andere bleibe dann leicht dir überlassen.«

Wohl wehrte sich der stolze Donnergott gewaltig gegen die weibische Verkleidung, aber zuletzt mußte er sich dem Bitten und Drängen der Asen fügen, da auch er keinen besseren Rat wußte, und er ließ sich in die Weiberröcke zwängen, hing den klirrenden Schlüsselbund an, schmückte Hals und Nacken mit dem leuchtenden Schmuck Brisingamen und wickelte den Schleier dicht um Haupt und Feuerbart. Dann winkte er Loki.

»Du begleitest mich als meine Magd. Du sollst auch deine Freude haben.«

Und Loki mußte, obwohl er lieber beiseite geblieben wäre, in die Magdkleider hinein und mit auf die Fahrt. Funkenstiebend flog des Donnerers Bockgespann mit den Beiden durch die Lüfte.

»Sie kommt, sie kommt,« jubelte Thrym. »Freya, die liebliche, kommt, mein Lager zu wärmen! Auf, schmückt mir den Hochzeitssaal, rüstet das Mahl, schleppt Met herbei! Diese Nacht noch ruh ich am Herzen der lieblichsten Göttin!«

Sie saßen beim Hochzeitsmahle, und neben dem Freudetrunkenen saß Asathor im Brautgewand, das Antlitz dicht vom Schleier umhüllt. Wortlos saß er im Saal, den wohl hundert Riesen und Riesinnen füllten, um sich durch seine rauhe Sprache nicht zu verraten, aber er klimperte zuweilen mit dem Schlüsselbund und zupfte die Steine seines Geschmeides hervor, daß sie berauschend schimmerten und blitzten. Als aber das leckere Mahl mitsamt dem Met aufgetragen wurde, vergaß er die Vorsicht, aß einen ganzen Ochsen und acht Lachse auf einem Sitz und vertilgte dazu drei mächtige Fässer Met.

Der Riesenfürst riß vor Staunen Mund und Nüstern auf. »Wie gefräßig das Täubchen ist!«

Da sprang Loki dem Donnerer bei, Loki in der Magdkleidung, und er flüsterte dem Riesen zu: