»Ei,« schmunzelte der Glutriese, »ich wüßte schon einen Handel, der dir die Freiheit schenken könnte. Wenn an deiner Statt der Donnerer, dieser verhaßteste aller Asen, zu mir kommen würde, ohne seinen Hammer, ohne seinen Stärkegürtel, so brauchtest du nicht zurückzukehren.«

Loki nahm Urlaub von dem Riesen und kehrte nach Asgard heim. Schweigend hörte der Donnerer den Geängstigten an. Und er rüstete sich zum Aufbruch.

»Du gehörst zu uns,« sagte er nur. »Trotz deiner sündhaften Fehler. Ich will dir noch einmal zeigen, was wahre Kameradschaft ist.«

Am Abend kehrte der Ase waffenlos mit Loki bei der Erdriesin Grid ein. Die hatte vor Zeiten dem Wodan einen Sohn geboren, den schweigsamen aber bärenstarken Widar, »den Asen mit dem Schuh«, wie ihn die Götter nannten. Denn er trug einen Schuh aus aller Länder Leder, der undurchdringlich war.

»Sei auf der Hut, du Starker,« warnte die Asenfreundin den furchtlosen Gott. »Geirröd ist der Bösartigsten einer und sucht dich zu verderben. Er wird keinen Zauber und keine Hinterlist scheuen, um dich, den Schrecken des Riesenreiches, auf immer zu vernichten.«

»Wenn ich Loki frei bekommen soll von seinem Wort,« entgegnete der Donnerer, »so muß ich ohne meinen Hammer, ohne meinen Stärkegürtel bei Geirröd erscheinen. Es wird ein schwer Stück Arbeit werden.«

»So lautet der Vertrag,« sprach die Asenfreundin nachdenklich. »Aber höre! Auch ich besitze einen Stärkegürtel, auch ich besitze feuerfeste Handschuhe. Davon verlautet nichts im Vertrag. Einen Hammer kann ich dir nicht schaffen, aber meinen Stab sollst du zu Gürtel und Handschuhen nehmen. Das wird dir dienen.«

Der kluge Vorschlag leuchtete dem Donnerer ein, und er schloß die weise Frau lachend in die Arme.

In der Frühe des Tages zog er mit Loki weiter und kam an den Grenzfluß von Geirröds Reich. Auf Grids Stab gestützt, stieg er unbekümmert in die tiefen Wasser, und Loki klammerte sich fest an seinen Gürtel. Aber als sie die Mitte des Stromes erreicht hatten, stürzte plötzlich eine wilde Wogenflut über sie her und suchte sie zu ersäufen. Der Donnerer blickte nach oben. Und er gewahrte, wie stromauf eine der Riesentöchter Geirröds breitbeinig über dem Flusse hockte und die Wasser anschwellen ließ. »Pfui, du Freche!« schrie der Donnerer, warf und traf sie mit einem Felsstück gegen die Schenkel, daß sie in die eigenen Wasser purzelte. Ein Vogelbeerbaum reckte dem Donnergott hilfreich vom Ufer seine Äste entgegen. Sie ergriff er und zog sich mit Loki ans Land. Von jener Stunde an ist der Vogelbeerbaum dem Donnergott heilig.

In Geirröds Gehöft angelangt, wurde dem starken Asen zuerst ein Gemach angewiesen und ein Stuhl zum Ausruhen. Kaum aber hatte er sich gesetzt, so hob sich der Stuhl schnell in die Höhe, und des Gottes Schädel wäre an der eisernen Decke des Gemachs zerquetscht worden, hätte der Donnerer nicht Grids Stab gehabt. Den hob er hoch und stemmte ihn gegen die Decke und drückte den Stuhl mit Gewalt auf den Boden zurück. Ein Knacken und Krachen erfolgte wie von zermalmenden Knochen. Todesgeheul. Und dann tiefe Stille.