Jubelnd stürmten die kampffrohen Walküren von dannen und suchten die Walstatt auf. Hart rang der jugendblonde Agnar gegen den wütigen Greis. Schlachtrufe schreiend, warfen sich die Walküren auf des jungen Königs Heer und jagten es in Verwirrung. Nun hatte Brynhild ihr Opfer erreicht. Einsam kämpfte der Jüngling mit dem Mute der Verzweiflung, von den Menschen verlassen, von den Göttern aufgegeben und von nicht einer der Schildjungfrauen beschirmt. Schon hob Brynhild den todbringenden Speer. Da gewahrte der junge König sie mit hellseherischem Blick, mit dem man den nahenden Tod erschaut, und des Jünglings Augen brannten mit der heißen Liebe am Leben in den staunenden Augen der Jungfrau Wodans. Ein Ruck ging durch den Mädchenkörper der Reiterin. Sie richtete die Lanze hoch auf und jagte an ihm vorbei.
»Was tust du?« wirbelte es ihr durch das Hirn. »Du handelst wider Wodans Gebot!«
Sie riß den Hengst herum und fällte den Speer zum zweiten Male. Aber Agnar blickte sie an in heller Bewunderung und dachte nicht mehr an sein bedrohtes Leben. Da jagte sie zum zweiten Male an ihm vorüber und vergaß Wodans Gebot über den begeisterten Jünglingsaugen.
Zum dritten und letzten Male hetzte sie den Hengst zum Ansprung.
»Er ist so jung, so schön,« murmelten ihre Lippen, »und Hialmgunnar ist alt und greis und hat das Leben gelebt. O Agnar, wie ich dein junges Leben liebe.« –
Und plötzlich tat sie einen Schrei, der wild über die Walstatt gellte, stürmte zwischen die kämpfenden Könige und stieß dem alten König Hialmgunnar den Todesspeer mitten durch die Halsbrünne.
Die Königsleiche lag auf dem Feld. Als Sieger jagte Agnar die Feinde von dannen. –
Staunend fuhr Wodan von seinem Hochsitz. Mit einem Blicke sah er, was geschehen war. Er rief nach seinem Rosse Sleipnir und jagte wie der Sturm zur Erde nieder. Dort fand er Brynhild traurig an den Speer gelehnt.
»Leg dein Walkürenkleid ab, unbotmäßig Mädchen,« rief er ihr zornig zu und sprang vom Rosse. »Was will dein töricht Mädchenherz dreinreden, wenn es sich um Allvaters unerforschliche Wege handelt? Walküre bist du gewesen für Zeit und Ewigkeit. Den Rausch des Schlachtenglücks, die seligen Wonnen Walhalls nehme ich von dir und gebe dir dafür, was du gewollt: das bißchen Menschenglück und das bißchen Liebeswonne. Vermählen soll sich dein jungfräulicher Leib einem irdischen Mann! Ich stoße dich aus!«