Wodan saß auf seinem Hochsitz, und seine Raben hatten ihm alles zugetragen. Er nickte nur vor sich hin. –
Und wieder flogen Walküren aus, stürmten auf schnaubenden Hengsten zur Erde hinab, in den Männerkampf, brausten im Schwanengefieder zu Häupten ihrer Helden. Schwerter sangen und Gere klangen allüberall. Denn Helgi, der Haddingenheld, focht in vielen Schlachten wider König Hromund.
Kara, die hellschimmernde Wunschmaid, führte die Schwestern. Aber als sie den Haddingenheld zum ersten Male fechten gesehen hatte in seiner Kühnheit und Wildheit, verlor sie ihr Herz an den stürmischen Mann und schenkte sich ihm als Geliebte.
Anderen Tages tobte die Entscheidungsschlacht.
Glückseligen Gesichtes schwang Helgi, der Haddingenheld, sein Schwert, und wo es in die Brünnen biß, da biß der Tod. Heißen Herzens schlug Helgi in den Feind, denn er dachte an Kara, die ihn umhalsen würde nach des Tages Blutarbeit. Wie sie ihn in der Nacht umhalst hatte.
Über seinem Haupte vernahm er ein Rauschen und ein wunderbares Singen und Klingen. Über seinem Haupte flog die Walküre Kara und hielt vor Helgi den Schild, daß kein Schwert ihn schneiden, kein Speer ihn ritzen, keine Axt ihn zerspalten konnte. Und aus Karas Munde drang ein Lied, ein wildes, seliges Zauberlied, daß den Feinden die Arme sanken, und sie wie in Fesseln lauschen mußten. Über das feindliche Heer hin brausten die Zauberweisen, und hinter ihnen drein stürmte Helgi, der glückselige Mann, und schwang das Schwert und mähte die Gebannten nieder.
Wodan saß auf seinem Hochsitz und lächelte. Jetzt streckte er die Hand. Da hob Helgi das Schwert, um einem riesenhaften Feind das Haupt vor die Füße zu werfen, und schwang das Schwert zu hoch. Ein Schwanenschrei gellte durch die Luft. Das Zauberlied war verstummt.
Vor Helgis Füße sank im zerfetzten Fluggewand die Walküre. Im Jauchzen des Kampfes hatte der Held der Schildmaid nicht acht gehabt und die Geliebte ins Herz getroffen.
Tot war sein Liebesglück, zu Ende sein Schlachtenglück.