Der erste Anschlag mißglückte. Siggeirs spielender Knabe entdeckte die wilden Männer hinter einer Mettonne, und der König ließ die Beiden einmauern wie wilde Tiere, beider Gelaß durch einen Felsen voneinander getrennt. Noch einmal kam Signy, Sigmunds Schwester, bei der Nacht. Sie kam bis an die Grube ihres Sohnes Sinfiötli und ließ hastig einen Strohbund hinuntergleiten. Als der riesenstarke Knabe ihn öffnete, fand er darin Sigmunds Schwert Gram. Er packte es beim Knauf, setzte die Spitze gegen die trennende Felswand und drückte, daß ihm die Adern an den Schläfen zu platzen drohten. Da schnitt das Schwert durch den Felsen, und der Sohn drückte, bis der Vater es in seiner Grube an der Spitze zu fassen kriegte, und nun sägten Vater und Sohn mit des Schwertes Schärfe den Felsen durch, bis sie zueinander kriechen und Sigmund auf Sinfiötlis Schultern aus der Grube steigen konnte. Dann zog Sigmund den Sohn am Schwerte hinaus.
Durch die Nacht schritten sie zur Halle König Siggeirs und legten Feuer an. An der Tür des flammenumlohten Hauses hielten sie mit dem Schwerte Wacht, daß nichts Lebendiges heraus konnte. Nur Signy, die Königin, riefen sie. Aber die Königin wehrte der Rettung.
»Im Leben durfte ich Wolsungs Tochter sein und auf Blutrache für den Vater bedacht. Im Tode gehör ich an meines Mannes, des Königs, Seite, ob ich ihn liebe oder nicht.«
So entgegnete die königliche Frau und starb den Flammentod mit König Siggeir und seiner ganzen Sippe.
Heim segelte Sigmund an der Spitze eines Heeres und gewann mit Waffengewalt das Land der Wolsungen zurück. Mit der Königstochter Borghild von Bralund vermählte sich König Sigmund, und sie gebar ihm einen Sohn, Helgi, als Sigmund, wie immer, auf Heldenfahrten war. Und Wodan sandte seine Raben, dem Knaben der Wolsungen Kriegsglück zu weissagen. Fünfzehn Lenze zählte Helgi, als er mit seinem Stiefbruder Sinfiötli auszog gegen König Hunding, der Wolsungen Erbfeind und Länderräuber, und ihn mit eigener Hand in der Schlacht erlegte. Helgi Hundingstöter riefen ihn seitdem die Helden, und die Sänger sangen seinen Namen.
Die Hundingssöhne begehrten Buße von Helgi für den Vatermord. »Gewärtigt wilde Wetter, graue Gere und Wodans Gram!« ließ der junge Fürst ihnen vermelden und rückte mit einem Heere gegen die Stürmenden an. Unbekümmert um den Hagel der Gere und Pfeile rückte er vor. Über seinem Haupte war ein Rauschen wie von Schwanenflügeln. Neun Walküren schwebten schirmend über ihm, von der Schildmaid Sigrun geführt. Da schüttelte Helgi seine Locken und jauchzte Sigrun zu und brach wie ein Wolf in die Feinde, erschlug ihren Bannerträger und die meisten der Hundingssöhne.
»Als Sieger schritt Helgi Hundingstöter über die Walstatt.«
Als Sieger schritt Helgi Hundingstöter über die Walstatt. Sein Arm lag um Sigrun, die Schildmaid.