»Ich liebe dich,« sagte er, und sie antwortete ihm: »Auch ich liebe nur dich. Doch bin ich dem König Hödbrod angelobt, der mich jenseit der See erwartet. Hilf mir von ihm.«

Da sammelte Helgi Hundingstöter sein Heer zum anderen Male und stieß die Drachenschiffe ins Meer und fuhr aus um sein Liebesglück. Das sah des Seebeherrschers Ägir wildes Weib Ran, und sie sandte ihre Wogentöchter aus, die die Schiffe auf den Rücken nahmen und das Fürstenschiff hoch zu den Wolken werfen sollten, um es als Wrack hinabzuziehen. Schon hatte die leichengierige Ran ihre Klauen in den Schiffsrand geschlagen, um die Helden zu schlingen, da war ein Rauschen über den Masten wie von Schwanenflügeln, und Helgi Hundingstöter blickte empor und gewahrte die neun Walküren, von Sigrun stürmisch geführt. Und die Schildmaid schlug der rasenden Ran das Schiff aus der Hand und brachte den Helden mit seinem ganzen Heere glücklich an Land. Eine furchtbare Schlacht entbrannte. Mit König Hödbrod und seinen Brüdern ritt und stritt auch König Högni, der Vater der Schildmaid. Aber Helgi Hundingstöter, von Sinfiötli geleitet, durchbrach den Keil des feindlichen Heeres, erschlug König Hödbrod und seine Brüder, erschlug auch König Högni und schonte nur Högnis Sohn Dag. Sinfiötli aber würgte die anderen Häuptlinge, daß sie nimmer die Sonne sahen.

Auf der blutigen Walstatt traf Helgi Hundingstöter Sigrun. Ob ihr auch über den Tod ihres Vaters die Tränen aus den Augen stürzten, sie kränzte den Sieger und gab sich ihm, auf ihr Walkürenkleid für immer verzichtend, als Weib. Nie war ein glücklicheres Paar in nordischen Landen.

Dag aber, Sigruns Bruder, flehte Wodan an um Vaterrache. Und Wodan gedachte der Wolsungen und gedachte seiner Einherier. Da lieh er Dag seinen Todesspeer Gungnir, und Dag lauerte Helgi im Walde auf und rannte ihm den Todesspeer durch den Rücken.

Unstillbar war Sigruns Schmerz um den Heißgeliebten. Sie richtete ein Lager in der Grabkammer, breit genug für sich und ihren abgeschiedenen Helden, und saß am Hügel und weinte blutige Tränen. Um Mitternacht klirrte es von Waffen in der Luft. Aufgeweckt, sah sie Helgi Hundingstöter mit großem Geleite durch die Lüfte niederreiten und sah den Geliebten die Grabkammer betreten. Da warf sich Wodans einstige Schildmaid dem Heimgekehrten ans Herz und küßte ihm Augen, Mund und Hände. Und Helgi sprach: »Deine Tränen haben mich aus Wodans seligem Saal zurückgerufen. Sie brennen mir wie Feuertropfen auf der Brust, daß ich mit den Helden Walhalls nicht fröhlich werden kann. Warum weinst du so sehr, da dein Geliebter der Ewigkeit Ruhm gewann?« Und Sigrun schmiegte sich an sein Herz und sprach: »Nun will ich nie mehr klagen und still bei dir liegen.«

Als fahl der erste Frühschein über den Himmel glitt, schied Helgi Hundingstöter für immer und jagte frohgemut mit seinen Begleitern gen Walhall zurück, von Wodan freudig empfangen. Sigrun aber legte sich zum Sterben und lag in der Kammer angeschmiegt an den irdischen Leib ihres toten Gemahls. –

Sinfiötli hatte inzwischen nicht gefeiert. Während Vater Sigmund zu Ehren Wodans auf Wikingsfahrten war, hatte auch er Kämpfe auf Kämpfe bestanden und, um Hand und Kronland einer Königin zu gewinnen, seiner Stiefmutter Borghild von Barlunds Bruder im Zweikampf erschlagen. Rache schwur ihm Sigmunds Weib, Buße an Leib und Leben. Doch Sigmund kehrte heim und wehrte ihr und erklärte sich bereit, selber Buße zu zahlen, auf daß Sinfiötli, den er brennend liebte, frei sei. Da mußte sich die Königin zufrieden geben, aber beim Leichenmahl für den erstochenen Bruder reichte sie Sinfiötli im Trinkhorn vergifteten Met. Dreimal weigerte sich Sinfiötli zu trinken, und Sigmund, dem keinerlei Gift Schaden tat, trank ihm zu. Da trank auch Sinfiötli und stürzte tot zu Boden.

Aufheulte Sigmund vor Weh. Sein Weib verstieß er, und den Sohn, den Gefährten aus wilden Wolfstagen, nahm er in die Arme und irrte durch das Land, bis er zur Nachtzeit an einen breiten Strom kam. Dort fand er einen Fergen warten, einen einäugigen Alten in blauem Mantel und breitrandigem Hut. Der nahm die Heldenleiche in sein Schiff, aber dem klagenden Vater wehrte er den Zutritt und führte das Schiff schnell über den dunklen Strom.

Lange starrte Sigmund in die Dunkelheit. Er wußte, daß es Wodan war, der Wolsungen Ahn, der den Helden Sinfiötli der grausamen Hel entführte und ihn nach Walhall an die Tafel der Einherier brachte. Da wurde sein Gemüt fröhlich. Und so alt er war, er ritt aufs neue und ritt in des Königs Eylimi Land, dessen Tochter Hiördis die schönste aller Frauen war, und warb um ihre Hand. Mit ihm aber warb auch der König Lyngi, ein Hundingssohn. Die schöne Hiördis wählte nicht lange, sie wählte den Ruhmgekrönten trotz seines Alters und wurde König Sigmunds Eheweib.

Wutbebend sammelte Lyngi, der Hundingssohn, ein Heer und überfiel Sigmund in seinen Landen. Der ließ schleunigst Weib und kostbarste Habe in den Wald schaffen und drang an der Spitze seiner Mannen der Übermacht entgegen. Silberweiß flog ihm das Haar im Wind. Aber sein Arm schwang das Wodansschwert Gram, und wo der König Sigmund den Seinen voranschritt, da bahnte er eine blutige Gasse, und immer weiter watete der Wolsung, alles niederschmetternd, durch das Blut. Schon war der Sieg sein, da trat ihm ein alter Kämpe entgegen, einäugig, in breitrandigem Hut und blauem Mantel. Der fällte den Speer gegen ihn, und König Sigmunds Schwert zersprang an dem Speer in Stücke. Mit allen seinen Helden wurde Sigmund im Kampfe erschlagen. Wodan selbst hatte ihn nach Walhall entboten.