Der Friese Ubbi jedoch, Harald Hildetands treuster und tapferster Held, wollte nichts vom geruhigen Sterben wissen. Wie ein Berserker warf er sich mit seiner mächtigen Streitaxt in den schwedischen Keil und zerspaltete die Schädel und Rückenwirbel, als spalte er Eichenklötze. Dreimal schlug er hin und zurück eine dampfende Bahn aus Blut, Gehirn und Knochen und jauchzte Harald Hildetand »Heil!«, wenn er zurückkam. Zu Dutzenden ließen die Schwedenhäuptlinge ihr Leben, schon wandten sich Heeresteile zur Flucht. Da befahl Sigurd Ring seinen sämtlichen Bogenschützen, nur auf den Friesen zu zielen, und von den Pfeilen gefiedert wie ein Aar stürzte Ubbi, der getreueste Mann, zusammen und hauchte seine Seele aus.
Harald Hildetand vernahm die Botschaft. Hochaufgerichtet gab er seinen Wagenrossen die Zügel frei, daß sie ihn mitten in die Feinde führten. Blinden Auges mähte er, wie als Jüngling in jeder Hand ein Schwert, nach links und nach rechts in die Feindeshaufen. Da sprang Wodan in Brugis Gestalt auf den Wagen und zerschmetterte mit einem Streitkolben Harald Hildetands Haupt. Keine fremde Hand sollte die Silberlocken seines Schützlings berühren. »Dank dir, Wodan,« lächelte sterbend der König.
Hochgefeiert saß König Harald Hildetand, der Däne, unter den Einheriern an der Tafel Wodans, den die Nordmänner Odin nannten.
Da saß auch ein anderer Dänenkönig, Hrolf Kraki. Der hatte, als er erst zwölf Jahre zählte, die Größe und Kraft eines erwachsenen Mannes und wurde darum Kraki, die »Stange«, zubenannt. In heißer Jugendlust schwur er mit zwölf seiner tapfersten Recken zu Wodan, daß sie jeden Kampf gemeinsam bestehen und nur zusammen sterben wollten. Das hörte Walvater gern, denn er gedachte seiner Einherier.
Da wurde Hrolf Krakis Name berühmt in allen Meeren, die er auf Wikingsfahrten durchzog, und in allen Landen, die er eroberte und sich zinspflichtig machte. Er war ein Held nach Wodans Sinn.
Einmal aber war's, daß er nach Upsala in Schweden zog, eine alte Buße einzufordern für den Vater, den die Schweden dort einst erschlagen hatten. Sein Heer litt Hunger und Durst, und nirgend war Herberge. Plötzlich stand ein Gehöft vor ihnen, und ein Bauer, Hrani geheißen, lud sie zu sich ein. Aber als die Hungernden und Durstenden sich gelagert hatten, entzog ihnen der Bauer Speise, Trank und Herdfeuer und beriet den König, nur die mit sich zu führen, die diese Probe ohne Murren bestanden hätten. Da waren es nur die zwölf Eidgesellen, und Hrolf Kraki ritt mit seinen Zwölfen weiter an des Schwedenkönigs Hof, der sie in ihrer Herberge ohne Brot und Wasser einmauern ließ und nach qualvollen Tagen Feuer an das Gebäude legen ließ. Hrolf Kraki und seine zwölf Gesellen besannen sich nicht lang. Sie warfen sich mit der Wucht ihrer Körper, als wäre es nur ein einziger Körper, gegen die Wand, daß die Mauer zusammenbrach und sie ins Feuer, aber auch ins Freie stürzten. Ein furchtbares Blutbad richteten die Wilden unter den Schweden an und kehrten, mit Schätzen beladen, zum Gehöft des Bauern Hrani zurück.
Hrani blickte sie strahlend an. Und er holte ein altes Gewaffe hervor, ein Schwert, einen Schild und eine Brünne, und bot alles dem König Hrolf Kraki als Gastgeschenk. Aber der Übermütige wies das uralte Gewaffe lachend zurück.
»Unweise bist du,« zürnte der Bauer, »du wirst es zu spät erkennen,« und er kündigte ihnen die Herberge auf.