Ein großes Gelage gaben die fröhlichen Dänen dem siegreichen Kämpen und füllten ihm und seinen Gefährten die Schilde mit Gold. Die Nacht über blieben alle und dachten nicht mehr an die Furcht, als sie sich auf die Polster streckten. Aber da tappte im Nebel Grendels Mutter einher, ein wölfisches Ungeheuer. Mit stickigem Atem kam sie, den Tod des Sohnes zu rächen, und ergriff und zermalmte einen der dänischen Edelinge. Vom wilden Waffenlärm erschreckt, entfloh die Mörderin in ihren Unterschlupf.

Beowulf verfolgte ihre Spur. Immer unheimlicher wurde der Weg, immer schauriger der Wald, immer sumpfiger der schwankende Boden, den das Meer unterhöhlte. Feuerflammen tanzten auf den Fluten, ekelhaft Gewürm spreizte sich auf den Klippen, Riesenkrebse und boshafte Nixe. Hier war der Eingang zu Grendels Behausung, und Beowulf tauchte ohne Zögern in die Schrecken der See. Sofort fiel ihn mit Scheeren und Zangen das Wassergetier an, aber seine gute Brünne widerstand, und er tauchte tiefer zu Grund. Jetzt packte ihn die Wölfin, Grendels Mutter, bei den Beinen und schleifte ihn in eine wasserleere Grotte. Aufsprang der Held und warf sich mit Macht auf das geifernde Wolfsweib. Aber seine Kräfte ließen nach, und schon schien es, als müsse er der rasenden Unholdin erliegen. Ein Riesenschwert erblickte er an der Wand. Er riß es herunter und stach nach der Wölfin. Die scharfe Spitze ritzte nicht ihre Haut. Da überkam ihn der Berserkerzorn, und er packte das Schwert bei der Klinge und holte aus und zerschmetterte mit dem Knauf der wölfischen Riesin das Rückgrat, daß sie winselnd verendete. Und nun gewahrte er auch den Körper des toten Grendel und schnitt ihm den Kopf ab und stieg nach mühseligem Suchen und Wandern vom Meeresgrund auf zu den stürmisch jubelnden Gefährten.

Heimgekehrt nach Schweden, verübte er als hochsinniger König viele Heldentaten bis in sein Alter, und die letzte war, daß er, der Greis, einen menschenmordenden Drachen erlegte, den die Jünglinge und Männer flohen. Den überreichen Hort schenkte er den Schweden als letzte Königsgabe. Er selbst aber verschied an den Wunden des Kampfes und wurde zu Hronesnäß auf dem Holzstoß verbrannt, während aller Augen weinten. Über seiner Asche ward ein gewaltiger Hügel getürmt, und als Beowulfs Burg blickte das Heldenmal über die See, allen Wikingen ein ehrfürchtig Zeichen. –

Hochgefeiert saß der Schwedenkönig Beowulf unter den Einheriern an der Tafel Wodans, den die Nordmänner Odin nannten. –


Da saßen auch die Norwegerkönige Harald Harfagar, das ist Harald Schönhaar, und Erik Blutaxt und Hakon der Gute, die Haraldssöhne. In einem Meer von Blut hatte Harald Harfagar den Übermut der norwegischen Großen erstickt und mit fester Faust ein norwegisches Reich unter seinem Zepter errichtet. In einem Meer von Blut hatte des Schönhaars Sohn, Erik Blutaxt, gewatet, bis er aus dem Lande weichen mußte und auf wilder Wikingsfahrt in England ein neues Reich gewann. In neuem Kampf gegen Englands König fiel er und nahm fünf Könige mit in den Tod und tausende von Mannen. Wodan selbst befahl, ihn festlich zu empfangen, Bragi, der Dichtergott, griff begeistert in die Saiten, und König Sigmund vom Rhein erhob sich mit Sinfiötli, seinem Sohn, Erik Blutaxt entgegenzugehen.

»Nur eins sage mir, Wodan,« bat König Sigmund, »weshalb nahmst du dem blutigen Erik den Sieg, da er dich doch der kühnste der Könige dünkt?«

Da sprach Wodan und sah ihm fest in die Augen: »Weil es ungewiß ist, wann der graue Wolf zum Sitze der Götter kommt.«

Und Sigmund wußte, daß Allvater vom heulenden Fenriswolf und vom letzten Kampfe gesprochen hatte und schritt mit Sinfiötli zum Tor und bewillkommnete jubelnd Erik Blutaxt und die fünf Könige, die ihm folgen mußten, und den Heerbann der Helden.

Und wieder stand Wodan aufhorchend in Walhall und wies Bragi an, den Dichtergott, und Hermod, den Götterboten, vors Tor zu schreiten und den Haraldssohn Hakon festlich zu empfangen. Abgeirrt von den alten Göttern war Hakon, als er an seines Bruders Erik Statt das Zepter von Norwegen ergriff, aber heimgefunden hatte er vor der letzten Schlacht zu dem Glauben an Wodan. Darum wollte ihn Allvater besonders ehren. Seine Walküren sandte er auf die rauchende Walstatt, auf der König Hakon mit den Erikssöhnen rang, die aus England heimgekehrt waren, und alles Volk kämpfte für seinen König, den es um seiner Guttaten willen liebte.