Auf runden Hölzern ruhte das Schiff, um schnell in das Meer gerollt zu werden. Aber von allen Opfergaben war es so schwer, daß es sich nicht von der Stelle bewegte, denn auch Baldurs Sonnenroß, aufgezäumt in seinem blitzenden Geschirr, war auf den Scheiterhaufen geführt worden und Schätze über Schätze aus allen Landen. So sehr ward Baldur geliebt.
Die Riesen rieten in der Not der Götter, die Stärkste der Starken, das Riesenweib Hyrockin, holen zu lassen. Das Weib kam angesprengt auf einem gewaltigen Wolf, dem sie statt eines Zaumes eine Natter durch das Maul gezogen hatte, um den Göttern furchtbarer zu erscheinen. Und um die Götter mit ihrer Kraft zu schrecken, stieß sie, während vier Berserker ihren Wolf kaum auf dem Boden halten konnten, das Schiff mit einem so unbändigen Ruck ins Wasser, daß die Holzrollen Feuer spien und fast das ganze Schiff mit seiner heiligen Ladung vom unheiligen Feuer verzehrt worden wäre.
Blut trat dem Donnerer in die Augen. Er hob den Hammer, um die Unverschämte zu zerschmettern. Aber die Götter fielen ihm in den Arm, und die Riesen baten für ihr Leben, da ihr freies Geleit zugesichert sei. Da ließ er sie laufen.
Im Wasser schwamm das Schiff mit der teueren Last. Noch einmal nahm Wodan Abschied von dem schönen Leib des Sohnes und legte ihm als letzte Gabe den kostbaren Ring Draupnir auf den Holzstoß, den Tröpfler, das Geschenk der Zwerge, dem jede neunte Nacht acht neue Ringe enttropften. Dann trat der Donnerer an den Holzstoß und weihte die Götterleichen mit dem Zeichen des Hammers.
Alsbald entzündeten die Asen die Scheiter mit dem heiligen Feuer aus Asgard, und das Schiff fuhr wie eine Fackel hinaus auf das dunkle Meer, immer weiter und weiter, bis es in Flammen verging.
Fröstelnd kehrten die Asen, fröstelnd kehrten die Riesen und Albe heim. Wie in Todesfrost erschauerten die Menschen.
Immer aber und immer noch kreiste Nannas Schrei um Baldur durch die Welt und wollte nimmer vergehen. –
Neun Tage und neun Nächte ritt Hermod zur Hel. Er stob dahin, daß aus den acht Hufen Sleipnirs Funkengarben sprangen wie wirres Wetterleuchten. Das war das einzige Licht, das ihm den Weg erleuchtete durch die gräßliche Finsternis der Unterwelt.
Am Abend des neunten Tages gelangte er an den Totenstrom Gioll, der das Reich der Hel von allen anderen Reichen trennt, und die goldene Giollbrücke krachte in allen Fugen, als Sleipnirs Hufe über die Planken donnerten. Eine Jungfrau erschien, Modgud mit Namen, das ist »Seelenkampf«, die warf sich dem Reiter entgegen. »Wer bist du, und was suchst du Lebender im Reich der Toten?«