Als er geendet hatte, wurde laut bravo gerufen und geklatscht. Viele schrien begeistert: „Da capo, da capo!“
Der Alte dankte lächelnd herablassend und setzte sich neben die Frau auf einen Holzkoffer. Mit nachlässiger Gebärde holte er eine Zigarre aus seiner Tasche und steckte sie an.
Carlos und Nicolás fragten sich; wer wohl diese beiden alten Leute sein möchten.
Der Alte aber, der neulich Zeuge ihres Wiedersehens mit dem blinden Passagier gewesen war, hatte sie schon längst bemerkt.
„Meine jungen Herren,“ sagte er und verneigte sich leicht, „ich weiß nicht, ob Sie meine Darbietung angehört haben; aber immerhin, wollen Sie uns nicht die Ehre erweisen, näher zu treten?“
Er stand auf und machte eine großartige Verbeugung: „Mein Name ist Vittorio Chiasaponte!“
Etwas verwirrt über eine so ungewöhnliche Ansprache, traten die Knaben heran.
„Hier stelle ich Ihnen meine Gattin vor!“ Der Alte zeigte nach der Dame auf dem Feldstuhl, die sich mit einem huldreichen Lächeln verneigte. „Santa Madonna, ohne mich brüsten zu wollen, aus dem Nichts zog ich sie einst empor, in Lumpen gehüllt; ich brachte sie zur Erkenntnis ihres schlichten Talentes, machte sie zur Sängerin, die sie wurde, machte sie zu meiner Gattin!“
„Ja, das tat er“, nickte sie mit Überzeugung. Und emphatisch die Hand in die Höhe bewegend: „Er, der große Vittorio! Ich habe ihm zu danken bis zu meinem letzten Atemzuge!“
„Schon gut, schon gut, Elvira“, winkte der Künstler gutmütig ab. Mit schmerzlichem Pathos fuhr er fort: „Freilich, Signorini, die Zeit meines großen Wirkens liegt hinter mir, die Zeit, da mein Name in der Welt jenen Klang hatte, den heute noch die Annalen eines Teatro San Carlo und einer Scala verzeichnen, und der erlöschen muß, wenn es der Ratschluß der grausamen Nachwelt bestimmt, die Schauspielern, Sängern und Virtuosen niemals dankbar war!“