Am folgenden Abend nach dem Essen stand auf Deck eine improvisierte Bühne. Straff gespannte Segeltücher, mit Fahnen behängt, bildeten den Hintergrund und die Seiten, zwei große Fahnen den Vorhang.
Das Publikum erschien vollzählig und pünktlich. Auch die Passagiere der zweiten Klasse waren eingeladen; die Versammlung bestand aus mehr als sechzig Personen.
Bereits über zehn Minuten wartete man; das Publikum wurde ungeduldig, begann zu scharren und zu stampfen.
Da sahen Carlos und Nicolás in der Dunkelheit zwei abenteuerlich gekleidete Gestalten die Treppe nach Deck hinaufsteigen und schnell hinter der Bühne verschwinden.
Der Vorhang bewegte sich, man hörte dahinter leise und aufgeregt sprechen. Die Knaben unterschieden Chiasapontes Stimme. Dann wurde es still, und bald nachher öffnete sich der Vorhang. Rechts im Vordergrund der Bühne stand das Klavier vom Salon. Daran saß ein Herr aus der ersten Klasse, der sich lächelnd gegen das Publikum verneigte. Links weiter hinten stand ein kleiner runder Tisch.
Hinter der Szene hörte man wieder Chiasapontes Stimme, eine Hand mit einem Glas Wasser kam zum Vorschein. Der Herr am Klavier stand auf, nahm das Glas und stellte es auf den Tisch.
Kurz darauf erschienen beide Künstler. Durch den Zuschauerraum ging eine Bewegung. Carlos und Nicolás reckten die Hälse.
Chiasaponte trug einen roten Samtrock mit einem Spitzenkragen, rote Pluderhosen und lange schwarze Strümpfe, die einige Löcher hatten, als Fußbekleidung die Stiefel, welche er immer trug, auf dem Kopf eine weiße Perücke, an der Seite einen Degen. Sein Gesicht war sehr stark geschminkt, die hageren Waden ausgestopft; den eingesunkenen Leib bedeckte ein gestreiftes Kissen, das unter seiner schlecht schließenden Weste sichtbar war.
Die Künstlerin hatte ein verblaßtes Atlaskleid an mit roten Papierblumen, trug eine hohe weiße Perücke und war sehr ausgeschnitten. Auf ihrem grotesk geschminkten Gesicht prangten Schönheitspflästerchen, die Augen leuchteten schwarz wie Kohlen. Weiße schmutzige Atlasschuhe mit abgetretenen Absätzen zierten ihre Füße.
Jetzt wandte sich die Künstlerin halb ihrem Partner zu, legte die Hand auf ihren Busen und begann in hohem Sopran zu singen.