„Kann man wohl die Stelle sehen, wo ihn der Storch gehalten hat?“ fragte er Carlos.
„Niemals!“ antwortete Carlos, „denn da müßte er ihm ja wehe getan haben! Außerdem ist es gar nicht gesagt, daß ihn der Storch gebracht hat. Zenobia hat ihr Baby in einem Eimer gefunden, als sie aus der Zisterne Wasser schöpfte.“
„Aber da hat doch alles gelacht in der Küche, wie sie das erzählte“, erwiderte Nicolás.
„Vielleicht hat sie gelogen“, meinte nachdenklich Carlos. „Aber das weiß ich, man findet ganz sicher die Kinder in den Lagunen, und die bringen dann gewöhnlich die Störche. Auch sind sie manchmal in Straußeneiern, und man muß die Eier dann zerschlagen.“
Die Knaben schwiegen, Nicolás kaute an einem Grashalm; schließlich fragte er: „Sag mal, Carlos, glaubst du, daß wir vielleicht auch ein Brüderchen finden könnten, wenn wir in der Lagune suchten, oder wir zerschlügen Straußeneier; denn weißt du, Carlos, ich habe vorhin nachgedacht, so ganz ist doch nicht Pepito unser Brüderchen, wie ich dein Bruder bin, und du mein Bruder bist, Miguelito hat ihn doch für den Blanco vertauscht.“
Carlos hatte darüber nicht nachgedacht, aber was ihm sein Bruder eben sagte, leuchtete ihm ein.
„Weißt du was“, sagte er, „reiten wir nach der Lagune und suchen wir — wenn wir nichts finden, suchen wir Straußeneier!“
Nicolás war einverstanden, sie stiegen auf ihre Ponnys und ließen den schlafenden Pepito so lange allein.
Die Lagune war nicht weit; als sie angesprengt kamen, entstand eine Bewegung. Die Kibitze schrieen, die Enten erhoben sich schnatternd, ein paar Störche schlugen mit den Flügeln und klapperten zu den Knaben hinüber. Ein einsamer Reiher nur suchte unbekümmert weiter nach Fröschen.
Carlos sagte zu seinem Bruder: „Höre mal, Nicolás, ich werde in der Lagune suchen und du wirst Straußeneier suchen, so stört keiner den andern!“