„Du verfluchte Schwarze,“ schrie er, „warum hast du mich angelogen; er hat ja gar keinen langen Bart?!“
Worauf Zenobia mit höhnischem Lachen antwortete: „Paß auf, der Bart wird ihm schon noch wachsen!“
Eine halbe Stunde später wurde der Lehrer mit der Mama bekannt gemacht, und dann war es Zeit zum Abendessen.
Carlos und Nicolás saßen zu beiden Seiten von Herrn Dr. Bürstenfeger. Die Unterhaltung war sehr lebhaft, an der sich aber die Knaben nicht beteiligten. Sie ihrerseits sprachen laut von Sachen, die mehr Interesse für sie hatten: von Pferden und Schafen und Ziegen, von Gänsen, Hühnern und Hahnenkämpfen, und Herr Dr. Bürstenfeger schaute manchmal mit leisem Erstaunen auf sie, aufs höchste aber erstaunte er darüber, daß, wenn ihnen ein Gericht nicht schmeckte, sie es einfach weitergehen ließen, ohne daß Papa und Mama etwas sagten ...
Nach dem Essen nahm der Lehrer Carlos und Nicolás bei der Hand und ging mit ihnen in den Garten.
Er blieb plötzlich stehen und sagte sehr ernsthaft: „Karl und Nikolaus, ein neuer Abschnitt geht in eurem Leben an. Eure braven Eltern werden euch hinlänglich unterrichtet haben, was mein Eintritt hier in diesen Kreis für euch bedeutet. Karl und Nikolaus, euch wie mir sind Pflichten auferlegt ... Ich bitte euch mit ganzer Seele, seid mir stets gehorsam, lügt niemals ... ja, lügt niemals, denn seht, nichts auf der ganzen Welt ist häßlicher, verabscheuungswürdiger. Bei den alten Germanen machte kein Laster den Mann verächtlicher, und Deutsche sind Germanen, merkt euch, Karl und Nikolaus. Euer Vater ist ein Deutscher, ihr seid Deutsche ... Sagt, wollt ihr euch bestreben, gute Deutsche zu sein?“
Hier machte Herr Dr. Bürstenfeger eine Pause.
Carlos und Nicolás, verwirrt über diese ungewohnte Rede, schwiegen.
Wenn auch manchmal der Papa mit ihnen deutsch sprach, waren sie doch Argentinier, dachten sie.
Carlos erwiderte endlich: „Aber Deutschland verliert doch immer gegen Argentinien?!“