Die Knaben sprangen auf, packten die Tante an beiden Armen und drehten sie im Kreise herum.

„Carlos und Nicolás“, sagte sie, die Hand an der Stirne, denn es war ihr schwindlig, „wir reisen in einigen Tagen alle miteinander nach der Kolonie Trinidad. Mama hält es nicht mehr aus!“

Die Knaben stürzten ins Zimmer ihrer Mutter: es war wahr, in einer Woche reiste man. —

Es goß in Strömen an dem Tage der Abfahrt.

Carlos und Nicolás knieten auf dem Sofa im Salon des Dampfers und schauten zum Fenster hinaus. Die Wolken hingen zerfetzt und niedrig. Aus dem Schornstein stieg schwarz der Rauch auf. Die Knaben folgten ihm mit den Blicken, und als er ganz hoch war, glaubten sie, er sei jetzt auch eine Wolke.

Man hatte vor drei Stunden Campana verlassen; große beladene Barken strichen vorüber, langsam, mit eingezogenen Segeln, die dunkel vom Regen waren. Carlos und Nicolás schauten auf die trübe Fläche des Stromes, auf der fortwährend Blasen entstanden und platzten. Leise pochte die Maschine.

Darauf setzten sie sich zu Tia Lolita, die melancholisch in einem großen roten Album blätterte, und verlangten, daß sie ihnen eine Geschichte erzählte.

„Das Märchen von Amlet!“ bat Carlos.

Herr Dr. Bürstenfeger, der in der Nähe saß und eine Idylle von Voß las, sah auf.

„Meinst du Hamlet? ... Aber das ist doch kein Märchen, sondern ein Trauerspiel!“