Man hatte bereits San Nicolas, Rosario und Santa Fé hinter sich.

Die warme Luft des Nordens begann sich schon bemerkbar zu machen. Heute war ein schöner, windstiller Tag.

Nach dem Mittagessen lag man auf Deck unter dem aufgespannten Toldo auf langen Strohstühlen und trank schwarzen Kaffee und rauchte Zigaretten.

Auch Herr Dr. Bürstenfeger war oben, lag aber nicht, sondern saß, auch rauchte er nicht Zigaretten, sondern eine leichte Bremer Zigarre, von denen er einen großen Vorrat aus Deutschland mitgebracht hatte, ohne sie dem Zoll vorzuenthalten.

Zwei Stunden später hielt plötzlich das Schiff mit starkem Erbeben an, die Schaufelräder bohrten sich in den Grund, ein Dutzend Gläser und sechs Flaschen zerbrachen, ein Buch fiel in Herrn Dr. Bürstenfegers Kabine vom Netz. Es war Wassertiefstand, und man war auf eine Sandbank aufgefahren. Es war aber weiter kein Unglück geschehen.

Gegen Dämmerung kam ein großes Dampfschiff den Strom herab; mit Tauen versuchte es das andere frei zu machen, aber es war umsonst.

Am Morgen jedoch, als Carlos und Nicolás erwachten, war man bereits wieder in voller Fahrt begriffen. Ein Sturm hatte in der Nacht das Schiff flott gemacht.

Vor Ablauf einer Woche langte man in Formosa an. Man ging ans Land. Auf einem Balkon saß ein schönes kleines Mädchen, fächelte sich mit einem Papierfächer und kokettierte zu Carlos und Nicolás herab. Carlos und Nicolás blieben stehen und lächelten hinauf, Herr Dr. Bürstenfeger drängte vorwärts; das schöne kleine Mädchen klappte den Papierfächer zu und lachte.

Sieben Stunden war man bereits wieder unterwegs; ein Dampfer mit Militärbesatzung fuhr stromabwärts. Es galt, Formosa zu Hilfe zu kommen, das soeben von Horden von Tobasindianern angegriffen worden war.

Carlos und Nicolás hörten die Nachricht und waren trostlos, daß ihr Schiff so früh abgefahren war, so daß sie sich nicht am Kampfe beteiligen konnten. Es fiel ihnen plötzlich ein, daß das kleine schöne Mädchen, das in Formosa auf dem Balkon gestanden hatte, in großer Lebensgefahr sein müsse. Niemals würden Carlos und Nicolás erfahren, ob sie tot sei, denn sie hatten die Straße, wo sie wohnte, vollständig vergessen, auch konnten sie sich ihres Gesichtes gar nicht mehr erinnern, so starken Eindruck es auch auf sie gemacht hatte. Und sie waren erfüllt von Traurigkeit.