Noch drei Tage und drei Nächte mußte das Volk durch die Wüste ziehen, ehe es den Fuß des Gebirges erreichte. Dort angelangt, lebte man ganz in den Vorstellungen dessen, was jenseits der Berge auf Israel wartete. Alle Herrlichkeiten Mizrajims steigerte man zu einer phantastischen Fülle von Gaben, Freude und Schönheit und preßte die Seelen so voll von ihnen, daß sie müde wie überladene Weinstöcke sich neigten. Begehren glänzte von den Gesichtern und machte sie feindlich und verschlagen. Die Blicke suchten, dem Bruder die Pläne zu rauben, um alle Vorteile des gesegneten Landes auf sich vereinigen zu können. So wurden sie habgierig, zänkisch und klein. Sie riefen sich Schimpfworte und Prahlereien zu.

„Ich werde die größten Weiden am Flusse Jordan haben; Herden von Rindern, Schafen und Ziegen, unzählig wie die Herden des Stammvaters Abraham. Du aber wirst in der Stadt hausen, in einer engen, schmutzigen Kammer und dich kümmerlich nähren von deinem armseligen Handwerk.“

„An meiner Tür wirst du betteln, und ich werde dich fortpeitschen lassen wie einen räudigen Hund.“

„Ich werde ein Handelshaus haben, das seine Karawanen nach Babylon, Damaskus und Kairo schickt.“

„Ich werde Gold aufhäufen, gleißendes, gelbes Gold, zu Bergen, höher als der Libanon, und wenn ich sterben werde, so nehm’ ich das Gold und streu’ es zuvor in den Jordan, damit niemand nach mir es haben wird.“

Die Entbehrungen ihres bisherigen Lebens strömten sich in solchen Wünschen aus. Ihre Herzen waren hart und verschlossen geworden, und wo sonst Hilfe und Güte waren, herrschte Neid und Mißtrauen. So standen sie schon in dem Schatten kommenden Besitzes und waren eitel und schlecht. Sie klagten nicht mehr, aber sie beteten auch nicht mehr; sie träumten und planten, wie Räuber und Eroberer es tun.

Der letzte Abend in der Wüste war gekommen. Die Israeliten ruhten vor ihren Lagerfeuern und sprachen, zankten und ereiferten sich. Plötzlich erschien mitten in ihrem Kreis, steinern und groß, den breiten Körper wie eine Brücke zwischen Himmel und Erde gespannt, den Blick in jede Seele gewandt, Mose, ihr Führer.

Schnell waren die Gespräche verstummt. Man versuchte, die schlechten Worte und Blicke zu verbergen, wie ein Dieb unter seinen Gewändern die gestohlenen Gegenstände verbirgt. Ein großes und ängstliches Schweigen lagerte unter dem nächtlichen Himmel.

„Führer, sprich!“