Da sprang Jobab, der zu Moses Füßen lagerte, empor, richtete sich an ihm auf, zitternd und schmal, griff seine Hand und sprach: „Bleib bei uns, Führer. Stirb nicht. Kehren wir in die Wüste zurück, damit du leben kannst.“

Mose schüttelte ein Sturm. Wie fiebernd warf er seinen Körper herum, streckte die zitternden Arme, nunmehr ein Greis, den Kindern zu, die weißen Locken ihnen windig entgegen. Dann faßte er Jobabs Hände, sah ihm suchend ins Auge, legte ihm schließlich die Rechte aufs braune Haar.

Ganz leise waren seine Worte, so daß nur Jobab sie hören konnte, so sehr das Volk sich auch um beide drängte.

„Knabe, wozu hat Gott dich ausersehn, daß du um das Geheimnis meines Todes weißt? Woher kennst du und nur du den Sinn unsrer Wandrung? — Dies Volk betritt Kanaan, wie es Mizrajim verließ: eitel nach äußerem Gut; gierig nach Besitz und Genuß; fremd Jahve und seinem Wort.

Israel sollte herrlich vor allen sein. Geist und Dienen waren Sinn von Entbehrungen und Sterben, von langem Wandern durch Sinais Sand. Kanaan sollte Ziel sein, nicht als Paradies, Glück, Weide, Reichtum, sondern als Einkehr und Heimat.

Gott hat mein Gebet nicht erhört. Sie wurden nicht frei und gütig. Gottes Hoffnung ist zerstört, und ich ward ausgehöhlt und schal. Drum führte mich Gott auf den Berg Nebo, zeigte mir die Länder Gilead, Ephraim, Manasse und Juda und sprach: Dies ist das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe, und gesagt: Ich will es deinem Samen geben. Du hast es mit deinen Augen gesehen; aber du sollst nicht hinübergehen.

So laß mir meinen Tod, da mein Leben verloren ist. Bleibe Gott treu und deinem Volk. Sinai kehret zurück.“

Jobab sank klein zusammen. Tränen traten ihm in die Augen. Schmerzen gingen auf ihn zu, sinnlos, unfaßbar, alles Schwere des Lebens in einen Augenblick voranstellend. Sein Körper ward ihm so müd, daß er sich niederlegen mußte, nackt auf nackten Boden. Erinnerungen, Hoffnungen, Weinen und Weh trieben durch seine Seele. Als Brausen aus weiter Ferne umschlangen ihn Stimmen der Männer und Frauen, die ihn bekümmert betrachteten. Wie ein Erwachender trübe seufzend, reckte er seine Glieder, hob den Blick, stieß seine Finger in den Sand, den Staub leise zerreibend. Dann sprang er bestürzt empor, wandte sein Gesicht wieder dem Führer zu.

„Ich will nicht nach Kanaan. Ich hasse das Land. Ich will in der Wüste sterben ...“

Böse Blicke drangen auf ihn ein. Wut und Entsetzen sprachen heftige Worte über den Gotteslästrer. Doch es gelang keinem, die geballte Faust fallen zu lassen oder Jahves Fluch herabzurufen.