ist, so viel er auch geschrieben hat, doch nur ein gemachter Dichter, wie es auch seine französischen Vorbilder sind, nach denen er gearbeitet hat. Er ist finster, starr und gewaltsam, und hat darin eine gewisse Aehnlichkeit mit Klinger. Er thut sich auf seinen Lakonismus viel zu Gute, und wird dadurch zuletzt wirklich unerträglich.
7. Goldoni
hat in seinen Familiengemälden und der Neigung, häusliche Zustände darzustellen, einen deutschen Zug. Das italienische Leben schildert er aber in der That vortrefflich, und als Charakterzeichner ist er nicht genug anzuerkennen, z. B. in seinen „Inamorati“. Unübertrefflich ist sein gutmüthiger Polterer, und diesem ließe sich noch mancher andere Charakter an die Seite stellen. Auf jeden Fall steht er darin, wie überhaupt in der Schilderung häuslicher Zustände, weit über Iffland. Ich habe seine Komödien immer mit dem größten Vergnügen gelesen. Auch von den Italienern wird er in hohem Grade anerkannt, während Gozzi, der doch auch ein bedeutendes Talent ist, trotz der Fülle seiner Phantasie heutiges Tages kaum noch gelesen wird.
8. Rousseau
lernte ich als junger Mensch zufällig auf einer Harzreise im Jahre 1792 kennen. In einem Wirthshause fand ich die „Neue Heloise“. Ich war von der Darstellung, von der Glut der Leidenschaft in der ersten Hälfte entzückt. Aber bald kam die Abkühlung. Die zweite Hälfte und den Ausgang fand ich höchst matt, und warf endlich das Buch unwillig fort. Seitdem war ich mit Rousseau abgefunden.
9. Byron
Eine höchst merkwürdige Natur ist Byron. Man hat Recht, seine große dichterische Kraft anzuerkennen, aber sie ist durchaus einseitig, und es ist viel Falsches und Verkehrtes dabei. Er ist eigentlich der Urvater unsers ganzen eiteln, modernen Poetenthums. Er ist in seinem Unglücke so voller Absicht und Selbstbewußtsein; sein Weltschmerz, mit dem er sich so viel zu thun macht, wird affectirt und verzerrt; überall drängt er sich eitel in den Vordergrund. Ich halte „Child Harold“ für die gelungenste seiner Dichtungen; besonders ist der Anfang vortrefflich. Sonst sind alle seine Erzählungen viel zu lang, dunkel, schwierig und eintönig. Höchst schwach sind seine Dramen; er hat von der Natur des Dramatischen gar keinen Begriff. Und wie urtheilt er dabei über Shakspeare! Ebenso sonderbar ist seine Ansicht von dem nüchternen Pope, den er auf eine übertriebene Weise hervorhebt.
10. Walter Scott
besitzt eine große Fähigkeit der Schilderung und Darstellung, er weiß die Dinge im Einzelnen anschaulich zu machen, und darin liegt seine große Wirkung. Es fehlt ihm nur wenig um ein wahrer Dichter zu sein; aber dieses Wenige reicht gerade hin, um ihn von der höchsten Stufe auszuschließen. Unter seinen Romanen stelle ich den frühesten „Waverley“ am höchsten. Seine epischen Sachen sind schwach.