1855.


Inhalt des ersten Theils.

Seite
Vorwort [VII]
Erstes Buch. Jugendbilder. 1773–1792.   [1]
 1. Das Vaterhaus   [3]
 2. Schule und Straße [14]
 3. Die Breter, die die Welt bedeuten [28]
 4. Der Genius [37]
 5. Ein hoffnungsvoller junger Mensch [46]
 6. Jugendgefährten [63]
 7. Kunstleben [75]
 8. Ein Weltereigniß [90]
 9. Verlust und Versuchung [95]
10. Dichter und Schriftsteller [109]
11. Der Abschied [124]
Zweites Buch. Dichterleben. 1792–1800. [127]
 1. Halle. Katheder und Offenbarung [129]
 2. Göttingen. Studien [145]
 3. Erlangen. Abenteuer [154]
 4. Lebensaufgaben und Pläne [172]
 5. Die Vaterstadt [187]
 6. Der Altmeister und der junge Dichter [198]
 7. Alte und neue Freunde [218]
 8. Romantische Dichtungen [236]
 9. Jena und Weimar [245]
Drittes Buch. Kampf und Leiden. 1800–1819. [269]
 1. Bewunderer und Gegner [271]
 2. Zweifel und Verlust [286]
 3. Ein alter Freund [299]
 4. Ein Naturdichter [309]
 5. Schmerz und Krankheit [311]
 6. Der italienische Himmel [317]
 7. Die Heimat [327]
 8. Wanderleben [337]
 9. Phantasus [346]
10. Auswanderung [351]
11. Visionen in Berlin [358]
12. Neue Freunde [363]
13. London und Paris [371]
14. Uebersiedelung [382]

Vorwort.

Jedes Jahr bringt neue Schriften, die es unternehmen, die reichste Zeit unserer dichterischen Literatur kritisch aufzuklären oder übersichtlich darzustellen, und jedes Jahr lichtet stärker die Reihen ihrer Theilnehmer und Zeugen. Der Bücher, welche über die neuere deutsche Poesie und ihre großen Charaktere reden wollen, sind immer mehr, der Menschen, welche aus eigener Anschauung davon reden können, immer weniger geworden. In den kritischen Gesammtausgaben, Varianten und Nachlesen, in den Erklärungen und Denkwürdigkeiten der Dichter hat sich bereits ein gelehrter Niederschlag jener vollen Bewegung angesammelt. Das lebendige Heute ist zum stillen Gestern geworden, von dem wir erzählen, damit der kommende Morgen, über dem eine andere Sonne scheint, sich seiner erinnern möge. Das sind die Zeichen der Zeit.

Die letzten Jahre haben wiederum zwei Männer mit sich genommen, welche Führer der romantischen Periode gewesen sind. Im Jahre 1853 starb Tieck, 1854 Schelling. Ihr Leben liegt abgeschlossen vor uns, und für den Dichter wie für den Philosophen der Natur beginnt die Geschichte. Dieses Buch ist dem Andenken Tieck’s gewidmet.

Ludwig Tieck gehört zu den hervorragendsten Erscheinungen unserer neuern Literatur, der eigenthümliche und selbständige Dichter neben und nach Goethe und Schiller, der Zeitgenosse und Freund großer und bedeutender Männer, der Mitstreiter merkwürdiger Kämpfe, der Zeuge aller folgereichen Wandlungen, welche der deutsche Geist seit dem Ausgange des vorigen Jahrhunderts erfahren hat. Als er starb, blickte er auf sechzig Jahre literarischer Thätigkeit zurück. Wie Klopstock und Wieland von Bodmer bis auf Tieck und Heinrich von Kleist, wie Goethe von Gottsched und Klopstock bis auf Heine und Börne, so reichte sein Leben von dem Jahre, wo der „Götz von Berlichingen“ erschien bis auf Hebbel und Redwitz herab. Er war ein seltener und eigen gearteter Mensch, dessen Wesen man nicht besser bezeichnen kann, als mit dem Worte, welches er selbst oft anwandte: er hatte nicht nur gesehen, gehört, geschrieben und gedichtet, er hatte gelebt, in sich erlebt. Das Leben eines solchen Mannes erscheint merkwürdig genug, um auch die Erinnerungen zu sammeln, welche nicht unmittelbar in seinen Werken liegen.