„Habe ich dich denn, du nichtsnutziger Bursche, wieder einmal bei einem Schabernack abgefaßt; nun warte nur, du Taugenichts, bis der Vater nach Hause kommt, der soll dir den verlorenen Hecht mit dem Stocke wieder suchen helfen.“ Da gab’s am Abend wieder hageldicke Hiebe und mit Weinen und Schluchzen mußte Peter sein Lager aufsuchen.

Als der Knabe am andern Morgen hinaus zum Spiel in den Wald gehen wollte, rief ihm die Muhme kreischend nach: „Du Faulenzer, brauchst draußen nicht umherzugaffen und dir die Sonne in den Mund scheinen zu lassen. Flugs nimm den Sack hier, gehe hinaus auf die Getreidefelder und lies Ähren. Wage dich aber nicht eher nach Hause, als bis du den Sack damit gefüllt hast.“ —

Niedergeschlagen ging der Knabe auf das erste Kornfeld und suchte fleißig Ähren auf, aber der Boden des Sackes war nach zwei Stunden kaum bedeckt. Die fleißigen Ortsbewohner hatten auf dem Feld bereits Nachlese gehalten und nur wenige Halme liegen gelassen. Auch auf den andern Feldern hatte er denselben Erfolg und am Abend war der Sack noch nicht bis zur Hälfte gefüllt.

Die Sonne ging unter. Da traten dem kleinen Peter die Tränen in die Augen und er wußte keinen Ausweg in seiner Not.

„Warum weinst du, mein Sohn,“ ließ sich plötzlich eine Stimme vernehmen und ein alter Jägersmann stand an seiner Seite.

Peter erzählte unter Tränen treuherzig sein Leid, wie die böse Muhme ihn tagtäglich peinige und ihm das Leben sauer mache.

„Dann müßte sie eine tüchtige Strafe erhalten, denn es ist grausam, dir solche Aufträge zu erteilen, deren Ausführung unmöglich ist.“

„Nein,“ entgegnete der Knabe, „ich möchte nur, daß die Muhme einmal fröhlich würde, den ganzen Tag lachte und vor Freude in die Luft spränge.“

„Dann soll dir und ihr geholfen werden, mein Sohn,“ war die Antwort des Jägers. Er zog darauf ein kleines Pfeifchen hervor und pfiff so laut, daß es in den Ohren gellte. Im Nu rauschte ein großer Schwarm Sperlinge hernieder. Sie lasen die Halme mit ihren Schnäbeln auf, trugen sie auf ein Häufchen zusammen und der Jäger wies darauf hin und sagte: „Hier, mein Sohn, fülle den Sack damit an.“

Peter gehorchte voller Freude und der Jäger legte hierauf den vollen Sack auf seine Schulter, doch er war so leicht, als wenn gar nichts darin wäre. Als er sich umwandte, seinem Wohltäter zu danken, war dieser verschwunden; die Sperlinge aber begleiteten ihn bis ins Dorf und an ihrem Zwitschern erkannte er, daß es seine Freunde vom Winter her waren.