Eben wollte er, auf einer Anhöhe des Gebirges angekommen, seinen Mund zu einem kräftigen „Rübezahl, Rübezahl!“ öffnen, als eine Stimme hinter ihm rief: „Nun, mein Peterchen, willst wohl verreisen? Oder hat dir die Muhme den Laufpaß gegeben; willst du den alten kranken Vater verlassen?“

„Nein,“ antwortete der Knabe dem freundlichen Jäger — denn dieser war es —, „denkt Euch, ich soll Rübezahl aufsuchen und von ihm ein Wurzelmännchen holen, davon wird der Vater gesund werden, sagt die Muhme.“

„Aber fürchtest du dich nicht vor dem mächtigen Berggeist?“

„Bewahre, wie wird er wohl! Der straft Leute, die ihn verhöhnen, ich aber komme, daß er meinem kranken Vater helfen soll. Und wenn dabei ein paar Püffe und Schläge abfallen, so sind sie mir nichts Neues, denn sie sitzen in der Hand der Muhme immer gewaltig locker.“

Belustigt entgegnete der fremde Jägersmann. „Du bist ein Prachtkerl, kleiner Peter, aber vielleicht wird dir dein Rufen nichts helfen, der Berggeist ist zuweilen verreist. Wir Forstleute bringen unsere Zeit meist im Walde zu und kennen alle Kräuter und Wurzeln und sind wohlvertraut mit ihren heilenden Wirkungen. Hier hast du ein Wurzelmännchen, hänge es deinem Vater um den Hals, so wird er gesund werden.“

Der Fremde verschwand vor Peters Augen. Dieser aber eilte, das Wurzelmännchen fest in der Hand haltend, in seine väterliche Behausung.

Die Muhme kam ihm schon in der Tür entgegen mit einem gar grimmigen Gesicht und murmelte: „Unkraut vergeht nicht.“ Da hielt ihr Peter den Wurzelmann grade vor die Nase. Es war ein wunderliches Geschöpf mit dickem, boshaft grinsendem Kopf und einem daran hängenden langen Zopf, dessen Länge diejenige des ganzen Männchens bei weitem übertraf. In demselben Augenblick, als der Knabe der Alten den Wurzelmann zeigt, ging mit dieser eine wunderbare Wandlung vor, sie lachte und sprang hoch in die Luft vor ausgelassener Freude den ganzen Tag über, so daß sie am Abend müde und zerschlagen war von allem Toben und Tanzen. Aus Angst, daß sich diese Vorgänge wiederholen würden, schnürte sie ihr Bündel und verschwand aus dem Dorfe.

Da fiel es dem kleinen Peter wieder ein, wie er gegen den Jägersmann, als er ihm das erstemal begegnete, geäußert hatte, er wünsche, daß die Muhme einen ganzen Tag lachen und springen müsse, und nun kam ihm die Erkenntnis, daß Rübezahl selbst ihm unter jener Gestalt erschienen sei und dieser ihm die Ähren, die Fische und das Wurzelmännchen geschenkt habe.

Peter hatte nun gute Tage, denn der Vater wurde wieder gesund. Er ging mit ihm fleißig auf die Arbeit und half ihm mit Rat und Tat, so daß sie bald rüstig vorwärts kamen und der Vater viel Freude an seinem Sohn erlebte. Die Muhme aber soll vor Neid und Mißgunst gestorben sein.

7.
Glaser Steffen und sein Weib Ilse.