Der Fremde aber, welcher wußte, daß er zwei Ellen zu viel beim Tuchhändler gekauft hatte, antwortete nicht, sondern ging aus dem Hause. Als ihm Meckerling das Geleit gab, verabschiedete er sich mit den kurzen Worten: „In drei Tagen also wird mein Diener den fertigen Rock von Euch abholen.“

So geschah es. Ein reichbetreßter Diener erschien, nahm den Rock in Empfang und bezahlte die Rechnung.

Meckerling lachte sich ins Fäustchen, als er die blanken Taler einstrich.

„Das war ein feines Geschäft,“ murmelte er vor sich hin, „einen honetten Kunden mehr, eine reichliche Bezahlung und obendrein noch zwei Ellen des kostbaren Stoffes für die ‚Hölle‘.“

Es war Sommer geworden und Meister Meckerling beschloß, drüben im Böhmerlande seinen Bruder zu besuchen. Für die Schneiderei ist der Sommer die stillste Zeit, darum war es ihm möglich, einen Ausflug zu unternehmen.

Frisch und fröhlich ging er seinen Weg über das Gebirge. Da stand plötzlich an einer engen Stelle der Straße ein Reiter vor ihm, der ihn am Weitergehen hinderte. Von Kopf bis zu den Füßen war er feuerrot gekleidet und auf seinem Hute prangte eine lange rote Feder. Sein Reittier bestand in einem riesigen schwarzen Ziegenbock mit zwei gewaltigen Hörnern.

„Nun, ehrsamer Meister Meckerling, das trifft sich ja herrlich,“ schrie der Rote, in welchem jener mit Schrecken seinen Kunden, den Edelmann, erkannte. „Liegen denn noch die zwei Ellen gestohlenen Stoffes von meinem Rock in Eurer Hölle? Ihr werdet mir gewiß davon mancherlei zu erzählen haben. Also kommt, schwingt Euch auf meinen Ziegenbock, ich habe wenig Zeit.“

Da fiel der Schneider in die Knie und hob flehentlich seine Hände auf. „Ach Herr,“ jammerte er, „macht keinen Ernst mit Euren Worten. Ich will Euch alles gern wieder ersetzen, was ich veruntreut habe.“

„Aufsitzen!“ befahl wütend der Reiter, der kein anderer als Rübezahl war, „oder ich schleudere dich den Abgrund hinunter, daß du kein Glied mehr fühlst.“

Da faßte Meckerling in seiner Angst in das zottige Fell des Bockes, um sich auf seinen Rücken zu schwingen. Aber in demselben Augenblick erhob sich das Tier und nun schwebte der dürre Schneider angsterfüllt zwischen Himmel und Erde und flog sausend durch die Luft. Mit einem steinerweichenden Schrei bat er flehentlich den lachenden Reiter, ihn wieder zur Erde zu befördern.