Die Bossanga- oder, wie sie hier allgemein genannt wurde, Bossassangapflanze, sah ich auch in der Umgebung der Station, besonders am Rande der Wälder, sehr häufig. Wie ich vermutet hatte, waren es [Costusarten], von denen ich zwei verschiedene Spezies unter diesem Namen feststellen konnte. Die bis acht Fuß hohen Stengel werden entblättert und dann in etwa fußlange Stücke geschnitten; durch Drehung und Auswringen dieser Stücke erhält man den Saft in reichlicher Menge, und kann ihn in diesem Zustande sofort bei der Koagulation der Kautschukmilch verwenden. Dieselben Costus-Arten hatte ich bereits in Kamerun viel gesehen und schon damals die Plantagenleiter darauf aufmerksam gemacht, daß ich in ihnen die Bossangapflanze des Congo vermute. Zur Untersuchung in Europa ließ ich zwei Flaschen mit Bossassangasaft füllen; da derselbe sehr reichlich fließt, war das eine Arbeit von einer halben Stunde.

Ich machte nun im Laufe der folgenden Tage einige Exkursionen in die Umgebung der Station, soweit dieses auf dem sumpfigen Terrain möglich war. Die Kautschuk liefernden Landolphien sind alle ausgeschlagen, so daß man zu neuen Anpflanzungen nicht einmal genügend Samen erhalten kann. Einige Ficusarten und einen großen Stamm der Kickxia latifolia zapfte ich an, konnte aber trotz aller Versuche und Anwendung der verschiedensten Säuren keinen brauchbaren Kautschuk gewinnen. Es gelang mir auch, einige Früchte der Kickxia latifolia zu finden, die bis dahin noch nicht bekannt waren. Auch die Stämme der Manihot Glaziovii ließ ich anzapfen und erhielt kleine Quantitäten guten Kautschuks, welche aber zu gering waren, um ein plantagenmäßiges Anbauen hier zu rechtfertigen. Mit den mir häufig gerühmten Kautschuk-Anpflanzungen in Coquilhatville stand es also zur Zeit meines Aufenthalts keineswegs besser als in Kamerun, im Gegenteil sind wir den Belgiern durch unsere Kickxiaplantagen weit vorausgeeilt. Die Landolphia-Anpflanzungen in Soppo sind auch bedeutend weiter entwickelt, als die im Congo angelegten.

Costus Lukanusianus K. Sch.

A Oberes Stengelstück, B Blüte, C Staubblatt, D Griffelkopf, E derselbe von der Seite, F Längsschnitt durch den Fruchtknoten.

Man begann auch im Equateur-Distrikte Kakaopflanzungen in größerem Maßstabe anzulegen; inwieweit sich diese rentieren werden, muß die Zukunft beweisen, es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Niederschläge zu unbedeutend sind, um eine gute Frucht erzielen zu können. Wie ich später von den katholischen Missionaren am Ruki hörte, sollen Proben von Kakaobohnen, welche sie zur Begutachtung nach Europa geschickt hatten, als sehr minderwertig („13. oder 14. Qualität“) bezeichnet worden sein. Sei es nun, daß die Fermentation oder das Dörren nicht richtig vor sich gegangen ist, sei es, daß der Boden nicht fruchtbar genug oder die Spielart an und für sich minderwertig gewesen ist, dort hat man jedenfalls aufgehört, neue Pflanzungen anzulegen. Hier in Equateur versprach sich der Chef des Cultures ein gutes Resultat. Viel wird natürlich auch davon abhängen, welchen Frachtsatz die Eisenbahngesellschaft für den Transport vom Stanley-Pool bis Matadi ansetzen wird, denn für derartige Qualitäten würden die Transportunkosten sehr leicht zu hoch werden.

Von Coquilhatville aus wollte ich gern eine kleine Expedition ins Innere nach der Gegend des Tumba-Sees machen, von wo eine nicht geringe Menge von Kautschuk des Equateur-Distriktes kommt.

Da der Kommissar des Distriktes zur Zeit sich auf einem Zuge gegen die Eingeborenen jener Gegend befand, welche einen Aufstand begonnen hatten, glaubte sein Stellvertreter, mir nicht die nötigen Träger geben zu können. So war ich denn gezwungen, bis zur Rückkehr des Kommissars zu warten.

Um meine Zeit möglichst auszufüllen, unternahm ich am 8. Juli eine Fahrt in einem Canoe den Ruki hinauf nach der Missionsstation der Trappisten. Die Missionare hatten hier verschiedene Kulturen begonnen und waren eben dabei, die Station zu vergrößern. Der Kaffee stand recht gut, Kakao war mit dem Kakao von Kamerun nicht zu vergleichen, doch waren die Pflanzungen recht schön sauber gehalten, wie überhaupt die Station einen recht netten Eindruck machte. Diese Leute leben dort äußerst einfach und bleiben bis zu ihrem Tode in Afrika, wenn sie nicht etwa beständiger Krankheiten halber nach Europa zurückkehren müssen; doch das kommt selten vor. In dem mit der Missionsstation verbundenen Kloster lebten drei Nonnen, welchen die Erziehung der Mädchen oblag.

Am 9. Juli traf der Kommissar des Distrikts ein. Als ich ihn von meinem Wunsche in Kenntnis setzte, sprach er mir sein Bedauern aus, daß er mir nicht erlauben dürfe, meine geplante Expedition ins Innere auszuführen, da die Gegend zu unsicher sei, und er mir augenblicklich die zu meiner Expedition nötigen Soldaten nicht geben könne. Ich versuchte ihn umzustimmen, sah aber bald ein, daß es nichts half. Die Gründe zu dieser Weigerung sind mir unklar geblieben, genug, ich sah ein, daß man mich nicht nach dem Tumba-See hineinlassen wollte, denn der Eingeborenen-Aufstand war damals schon erledigt.