Bevor ich nächsten Morgen weiterfuhr, machte ich einen kleinen Rundgang auf der Station. Alles war vorzüglich in Ordnung gehalten, besonders die verschiedenen Anpflanzungen. Hier sah ich auch seit längerer Zeit einmal wieder ein Batatenfeld. Die Negerjungen, welche hier erzogen werden, werden sehr streng gehalten und sollen vor allen Dingen zu guten Arbeitern herangebildet werden. Nach allem, was ich hier sah, schien es, als ob man den Knaben auch schon etwas Tüchtiges beigebracht habe. Bei Frühstück erzählten mir die Herren einige ihrer Jagderlebnisse mit Elefanten, von denen diese Gegend noch voll ist. Da die Tiere die Anpflanzungen nicht selten zerstören sollen, ist es natürlich eine große Freude für die Station, wenn eins derselben erlegt wird, ganz abgesehen davon, daß dadurch riesige Mengen von Fleisch gewonnen werden, welches dann unter die Eingeborenen verteilt wird, denn dasselbe wird sehr geschätzt. Als ich gegen 7 Uhr aufbrach, war das Wasser des Stromes derartig bewegt, daß mir die Missionare rieten, noch länger zu bleiben, ich mußte es aber ausschlagen, denn ich wollte nicht zu viel Zeit verlieren.
Die Fahrt über den Congo an jenem Tage werde ich nicht vergessen. Anfangs ging alles gut, das Canoe wurde zwar immer hin und her geschleudert, doch schlugen die Wellen selten über den Rand; je mehr wir aber nach der Mitte des Stromes kamen, desto furchtbarer wurde die Fahrt. Die Leute wußten vor Furcht kaum mehr meinen Befehlen zu gehorchen, denn das Getöse war betäubend, ebenso schlugen die Wellen beständig in das Canoe hinein, so daß zwei Leute nur immer das eindringende Wasser ausschöpfen mußten; ich selbst glaubte nicht mehr daran, daß wir das andere Ufer erreichen würden, denn mehr als einmal sah ich Wellen kommen, von denen ich sicher glaubte, umgeworfen zu werden, und nur durch plötzliche Wendungen des Canoes wurde dieses vermieden. Ich selbst ruderte mit allen Kräften und arbeitete mich dabei trotz des starken, kalten Windes, welcher wehte, tüchtig in Schweiß, dabei hatte ich noch auf alles aufzupassen, denn die Leute selbst waren ganz kopflos geworden. Es waren einige aufregende Stunden. Endlich gegen 10 Uhr gelang es uns, eine Sandbank zu erreichen, wo ich anlaufen ließ, um mich nicht noch einmal der Gefahr auszusetzen, mit Mann und Maus zu ertrinken oder den Krokodilen zum Opfer zu fallen. Kaum hatten wir das Canoe auf den Sand gezogen, als sich ein furchtbarer Tornado mit einem echten Tropenregen erhob, der uns in Kürze alle bis auf die Haut durchnäßte. Wären wir noch eine halbe Stunde länger auf dem Wasser gewesen, so wäre das Canoe sicher untergegangen. Wie ich richtig vermutet hatte, legte sich nach dem Regen der Sturm auch bald, und das Wasser wurde allmählich ruhiger, so daß wir um 12 Uhr unsere Fahrt wieder aufnehmen konnten. Die Leute fanden denn auch bald ihre Courage wieder, besonders da ich auf der Sandbank drei Enten geschossen hatte, welche ich ihnen schenkte, denn wenn der Neger seinen Magen gefüllt hat, so ist er noch einmal so gut zu gebrauchen. Als kurz darauf die Sonne wieder erschien, zeigten sich bald die verschiedensten Wasservögel und Affen wieder. Es gelang mir auch noch, einige derselben zu erlegen, worüber meine Leute derartig in Freude gerieten, daß sie sogleich einen Gesang auf den „Mundele na niama mingi“ (weißen Herrn, der viel Fleisch giebt) anstimmten. Da die Leute wußten, daß sie am Abend das Fleisch der erlegten Tiere bekommen würden, ruderten sie mit doppeltem Eifer, so daß wir im Laufe des Nachmittags eine große Strecke zurücklegen konnten. Die Vegetation am Flußrande blieb dieselbe, wie ich sie bereits früher beobachtet hatte. Nilpferde wurden immer häufiger, hin und wieder zeigte sich auch ein Krokodil auf den Sandbänken oder träge im Wasser schwimmend. Eine Kugel, welche ich immer für diese Tiere in Bereitschaft hielt, trieb dieselben bald aus ihrer Ruhe. Als ich am Abend einen geeigneten Lagerplatz gefunden und mein Zelt aufgestellt war, ging ich sogleich, ohne erst ein Abendesssen einzunehmen, zur Ruhe und verfiel sofort in einen tiefen Schlaf, so war ich von der Aufregung des heutigen Tages erschöpft; selbst die vielen Moskitos, welche mich umschwärmten, konnten mich nicht aufwecken. Wieder vollständig erfrischt, ließ ich am folgenden Tage, nachdem das Zelt schnell eingepackt war, gegen 6 Uhr weiterfahren. Wir trafen heute mehr Nilpferde, als ich je vorher gesehen; häufig schien es fast, als ob sie uns entgegenkommen wollten, um uns anzugreifen. In solchem Falle wurde unter großem Lärm tüchtig fortgerudert, ich stellte mich bereit, um etwa zu nahe herankommende Tiere mit einer Kugel zu empfangen. Es ist mir merkwürdigerweise nie passiert, daß mein Canoe von Nilpferden umgeworfen wurde, obgleich das auf Reisen im Congo nicht selten vorkommt, und einige Herren daselbst nur zu häufig das Unglück zu haben scheinen. — In den Gegenden, wo die Europäer noch nicht häufig vorgedrungen sind und den Nilpferden daher noch nicht derartig nachgestellt worden ist, sind dieselben natürlich lange nicht so bösartig als im viel befahrenen Congo. Es ist sicher, daß der Jahre des Vorhandenseins von Nilpferden in den afrikanischen Flüssen nicht mehr sehr viele kommen werden, wenn man fortfährt, diese Tiere in derselben Weise zu vernichten, wie es jetzt geschieht. Die Jagd auf Nilpferde ist leicht und kaum sehr gefahrvoll, denn die Tiere sind sehr dumm, es gehört also gar kein besonderer Heldenmut dazu, eins zu töten. Am Vormittage fuhren wir zum großen Teile am Rande großer, häufig sumpfiger Savannen entlang, in denen offenbar viele Büffel vorhanden waren, wie die zahlreichen Spuren am Flußrande bewiesen.
Als wir uns gegen 12 Uhr eben an Land begeben wollten, ging eine Büffelherde trabend davon, die ganze Gegend war offenbar äußerst wildreich. Ich schoß mir noch zum Frühstück eine prachtvolle große Ente. Wir lagerten in einem herrlichen Wäldchen, dessen Bäume von den Blüten einer wundervollen rosenroten Milletia bedeckt waren. Einige in der Nähe unseres Lagerplatzes stehende Ficusarten untersuchte ich, doch, wie ich erwartet, ohne ein günstiges Resultat zu erzielen. Als wir uns eben wieder auf der Fahrt befanden, brach plötzlich ein Tornado aus, der von einem starken Regen begleitet wurde und mich also zwang, wieder an Land anlaufen zu lassen und das Canoe mit dem ausgebreiteten Zelte zu überdecken. Wir wurden alle arg durchnäßt, doch das hielt uns nicht ab, sogleich nachdem sich der Tornado gelegt hatte, weiter zu fahren. Am Abend fanden wir einen wundervollen Lagerplatz, der aber von Büffeln und Nilpferden vollständig zertreten war. Im Wasser vor uns schwammen etwa 10 Nilpferde umher, welche uns eifrig beobachteten, hier und da erhob sich eins derselben brüllend, um dann wieder für einige Zeit zu verschwinden. Ich streifte mit einem meiner Leute noch umher, um mir einen Abendbraten zu schießen, und hatte auch das Glück, mich mehrmals an einen Schwarm Enten heranschleichen zu können, von denen ich fünf erlegen konnte. Das gab wieder ein Fest für die Leute. In der Nacht wurden wir derartig durch die sich immer näher an uns heranwagenden Nilpferde, welche durch ihr Gebrüll uns im Schlafe störten, belästigt, daß ich beschloß, den Tieren ein Andenken zu geben. Ich schoß auf das uns im Wasser am nächsten schwimmende Tier, das übrigens kaum 20 Meter entfernt war, und traf es so günstig, daß es mit einem furchtbaren Geheul unterging. Ich hatte keinen Zweifel, daß ich das Tier tödlich verwundet hatte, wodurch seine Genossen sich denn auch wohlweislich in besserer Entfernung hielten. Meine Leute mußten dann während der Nacht noch wiederholt auf einige allzu freche Exemplare schießen, um dieselben wieder zu verscheuchen.
Am nächsten Morgen befürchtete ich zwar einen Angriff seitens der Hippopotamen auf mein Canoe, dieselben ließen uns aber ruhig abziehen, offenbar froh darüber, nun auch auf die Weide gehen zu können.
Das Wasser war wieder sehr bewegt, außerdem hatten wir eine sehr starke Brise gegen uns, so daß wir nur langsam fortkamen. Das Flußbett war zum Überflusse reichlich mit Felsen besät, so daß wir nicht selten in Gefahr kamen, unser Canoe zu zerschellen, und häufig genug konnten wir hören, wie wir eben an die Spitzen eines solchen scharfen Felsens anstreiften. Gegen 9 Uhr kam der Posten Lukulela in Sicht, nach einer weiteren Stunde trafen wir daselbst ein. Die „Hainaut“, welche bei dem Tornado am vorhergehenden Tage etwas Havarie erlitten, lag hier vor Anker und wurde für die Fahrt nach dem Stanley-Pool etwas repariert. Leutnant Serulea, der Kommandant des Postens, empfing mich sehr liebenswürdig und wies mir eine recht angenehme Wohnung an.
Nachdem die „Hainaut“ gegen Mittag abgefahren war, machte ich mit Herrn Jacquier de Longprès, dem Stationsassistenten, einen Rundgang auf der Station. Der Kakao stand hier besser als in Coquilhatville, was ich dem offenbar besseren Boden zuschreibe; der Kaffee war auch gut gehalten; die ganze Station machte überhaupt einen recht netten Eindruck, eine Thatsache, die um so anerkennenswerter ist, als man hier nur eine geringere Zahl von Arbeitern beschäftigte. Kautschuksamen waren erst ausgelegt worden, daher also war noch nichts von den Pflanzen zu sehen. Einige alte Kautschuklianen hatte man beim Umlegen des Waldes geschont, dieselben waren ziemlich alt und gaben guten Kautschuk. Wenn die Eingeborenen im Walde eine solche Liane finden, so machen sie zunächst den Baum oben von den Zweigen möglichst frei, bis sie die ganze Liane herunterziehen können, dieselbe wird darauf längs des Bodens möglichst ausgebreitet und durch Astgabeln oder Unterlagen von Holzklötzen und Steinen etwa einen Fuß über den Boden erhoben, dann erst werden in Abständen von etwa einem Fuß Einschnitte gemacht, aus denen dann die Latex in die zu diesem Zwecke untergesetzten Gefäße (meist Lehm- oder Thontöpfe) hineinläuft. Natürlich werden die Lianen von den Eingeborenen gewöhnlich so tief angeschnitten, daß sie bereits nach einmaligem Anzapfen zu Grunde gehen. Trotz der verschiedenen Behauptungen und Veröffentlichungen diesbezüglich, habe ich mich während meiner Reise überzeugen können, daß man im Congo den Kautschukpflanzen auch nicht mehr Schonung angedeihen läßt als in den anderen Ländern Afrikas. Die Regierung versucht zwar, durch Erlasse aller Art gegen den Raubbau zu arbeiten, doch sind es zum Teil die Ausführenden selbst, welche den Raubbau ermutigen, da sie dadurch einen großen momentanen Gewinn erzielen, der sonst ihren Nachfolgern in die Hände fallen würde. Leider waren an den Kautschuklianen hier in Lukulela weder Blüten noch Früchte zu finden, so daß ich nicht die Art feststellen konnte.
Am Nachmittage des nächsten Tages lud mich der Kommandant zu einer Jagd auf Büffel und Elefanten ein. Wissend, daß ich somit tiefer in die Wälder hineinkommen würde und daselbst vieles mir Neue zu sehen bekommen würde, sagte ich sehr gern zu. Wir fuhren daher noch am Nachmittage über den Congo hinüber und landeten zunächst an einer mit hohem Grase bedeckten Ebene, wo wir Büffelspuren in Menge fanden. Nachdem die nötigsten Vorbereitungen zur Errichtung des Lagers für die Nacht getroffen waren, brachen wir sogleich zur Jagd auf. Trotz der ganz frischen Spuren gelang es uns jedoch dennoch nicht, innerhalb der ersten zwei Stunden eines der Tiere zu sehen. Als dann ein plötzlich aufgejagter Leguan noch geschossen wurde, gaben wir die Jagd auf die Büffel auf, da die durch den Schuß gewarnte Herde sich nunmehr sicher doppelt vorsichtig bewegen würde, wenn sie nicht überhaupt entflohen war. Nachdem wir einen Sumpf überschritten hatten, drangen wir in einen daran angrenzenden dichten Wald ein. Nach verschiedenen Streifzügen, auf welchen wir sehr viele frische Elefanten- und Büffelspuren antrafen, wurden wir von unserem eingeborenen Fährtenfinder plötzlich gewarnt und stießen auch wirklich auf eine Herde von Wildschweinen. Im nächsten Augenblicke krachten schon unsere Schüsse auf die Tiere nieder. Die meisten wurden verwundet, drei gelang es zu töten. Unterdessen war es nun auch Zeit geworden, an den Rückweg zu denken, damit wir noch die Flußufer vor Anbruch der Dunkelheit erreichen könnten. Erst spät am Abend kamen auch unsere Leute mit den erlegten Wildschweinen an, von denen wir uns dann noch zum Abendessen einige saftige Stücke braten ließen. Der Mond war bereits in seiner vollen Pracht aufgegangen, als wir uns zum Abendessen niedersetzten, um sofort durch unsere Leute auf einige auf dem Flusse dahinschießende Canoes aufmerksam gemacht zu werden. Da uns diese fluchtähnliche Fahrt der Canoes verdächtig vorkam, riefen wir die Insassen der Canoes an. Dieselben ruderten daraufhin jedoch noch schneller. Leutnant Serulea, welcher bereits einige Zeit in der Gegend war, vermutete daher sehr richtig, daß die Insassen des Canoes desertierte Soldaten aus Irebu seien, welche nach dem französischen Posten Lukulela (français) entweichen wollten, und sandte ihnen daher einige Kugeln nach. Auch wurde sofort unser Canoe zum Einfangen der Leute nachgeschickt. Diesen gelang es jedoch, sich im Schatten einer Insel zu verbergen, wo sie dann nicht mehr zu finden waren. Erfolglos kehrten daher unsere Leute zurück.
Schon um 4 Uhr setzten wir am nächsten Morgen unsere Jagd weiter fort. Da wir vermuteten, daß das durch unsere Schüsse gewarnte Wild sich nun weiter fort begeben habe, fuhren wir den Strom etwa eine Stunde weiter hinauf. Am Rande eines Sumpfes wurde dann ein Lager aufgeschlagen. Das Überschreiten dieses Sumpfes, welcher uns von dem Walde trennte, war mit einigen Schwierigkeiten verknüpft, schon bei den ersten Schritten sank man bis über die Kniee ein. Nachdem wir endlich in dem etwas trockneren Walde angelangt waren, gingen wir sehr vorsichtig vor, da wir frische Elefantenspuren in Menge bemerkten und daher die Tiere in unmittelbarer Nähe vermuteten. Nach etwa 1½ Stunden gab unser führender eingeborener Elefantenjäger, welcher weniger ein guter Schütze als ein vorzüglicher Fährtenfinder war, ein Zeichen, woraufhin wir unseren Leuten zurückzubleiben befahlen und nun mit doppelter Vorsicht vorschlichen. Bald sahen wir zwei fressende Elefanten vor uns, welche uns noch nicht bemerkt hatten. Bis auf 40 m gelang es uns unbemerkt heranzukommen, als das Männchen sich plötzlich wendete und uns bemerkte. Eben schien sich das Tier mit weitabstehenden Ohren auf uns werfen zu wollen, als auch schon unsere Schüsse erklangen und der Riese lautlos zusammenbrach, die Zähne in den Boden stoßend. Es war ein Anblick, den niemand vergessen wird, der je etwas ähnliches gesehen. Das Weibchen gab nun sofort Fersengeld. Einige ihm nachgesandte Schüsse verwundeten es zwar, konnten ihm aber keinen besonderen Schaden zufügen, da wir nur den hinteren Teil des Tieres zum Ziel nehmen konnten. Dem gestürzten Elefanten jagten wir nun nochmals drei Kugeln in den Kopf, um ihm vollends den Garaus zu machen. Unsere unterdessen herbeigekommenen Leute benahmen sich wie toll vor Freude auf die Aussicht, nun einmal wieder tüchtig Elefantenfleisch zu essen zu bekommen, und führten einen wahren Freudentanz um den gefällten Riesen herum auf. Nachdem wir darauf den Befehl gegeben, das Tier zu zerlegen und die Teile in unser Lager zu bringen, brachen wir auf, um nach weiterer Beute zu suchen. Bald traten wir in einen wundervollen Wald hinein, welcher von Elefantenpfaden nach allen Richtungen hin durchkreuzt war. An einigen sumpfigen Stellen sah man, daß sich noch kurz vor uns die Tiere darin herumgewälzt hatten, genug, wir sahen hier, daß wir uns inmitten eines von Elefanten dicht belebten Striches befanden. Unser Jagdeifer wuchs natürlich nun nach dem erfolgreichen Morgen sehr bedeutend. An einem Baum, dessen sehr saftreiche Rinde die Elefanten sehr gern zu fressen schienen, sahen wir sowohl an der ganz frisch abgeschälten Rinde wie an den noch rauchenden Exkrementen, daß wir den Tieren sehr nahe sein mußten. Eine über uns in den Bäumen sich aufhaltende Affenherde verdarb uns aber das Vergnügen durch das wüste Geschrei, welches die Gesellschaft, die offenbar nie vorher einen weißen Menschen zu Gesicht bekommen, ausstieß, als sie uns bemerkte. Wir wurden so ärgerlich über die uns nun von Baum zu Baum verfolgende Herde, daß wir schließlich beschlossen, die Tiere zu verjagen, da sonst weitere Erfolge unmöglich waren. Es blieb uns daher nichts anderes übrig, als einige der Tiere herunterzuknallen. Ruhig blieben dieselben sitzen, als unsere Kugeln um sie herumpfiffen. Als sie aber, nachdem einige heruntergefallen, doch einsahen, daß unsere Gewehre nicht ganz harmlose Dinge waren, entflohen sie unter entsetzlichem Geheul. Nun erst konnten wir weiter den Spuren der Elefanten folgen. Gegen Mittag gelang es uns denn auch wieder, an einige Tiere heranzukommen, welche wir allerdings wegen des sehr dichten Unterholzes nur zum Teil sehen konnten. Wir verwundeten das eine offenbar sehr schwer, denn der Blutverlust des Tieres mußte nach den Spuren, welchen wir nachher folgten, sehr bedeutend sein, und an verschiedenen Stellen schien es, als sei das Tier zusammengebrochen, aber es gelang uns dennoch nicht, die Spuren weiter zu verfolgen, da sie sich allmählich in der alten Spur wiederfanden und uns so immer wieder irre leiteten. Nach einigen Stunden vergeblichen Suchens nach dem verwundeten Elefanten, von dem wir berechtigt waren zu glauben, daß er unterdessen bereits vollständig zusammengebrochen sei, war es denn auch Zeit, an die Rückkehr zu denken, besonders da sich in unseren Magen bald eine bedeutende Leere bemerkbar machte. Nach einem Kompaß durch Dick und Dünn marschierend, gelangten wir, nachdem wir einige Sümpfe überschritten hatten, in welche wir bis über die Hüften einsanken, endlich etwa eine Meile unterhalb unseres Lagers an die Flußufer.
Wir arbeiteten uns nun bis auf Hörweite auf unser Lager zu durch und wurden schließlich im Canoe abgeholt. Unser Koch hatte während unserer Abwesenheit das Essen, bestehend aus Wildschweinbraten, für uns zurechtgemacht, so daß wir sogleich unseren Hunger stillen konnten. Erst um 5 Uhr hatten unsere Leute den zerlegten Elefanten vollständig bis zum Flusse geschafft und in das Canoe eingeladen. Natürlich stellte sich bald heraus, daß die nichtswürdigen Kerle wieder große Mengen Fleisch im Busch versteckt hatten, um es dann über Nacht oder am nächsten Tage abzuholen. Einige Leute, welche wir dabei ertappen konnten, wurden bestraft, das versteckte Fleisch, welches wir nach einigem Suchen doch bald fanden, ihnen natürlich auch wieder abgenommen. Auf der Rückfahrt hatten wir noch das Glück, einige Nilpferde auf einer Sandbank, vollständig außerhalb des Wassers, beobachten zu können. Ziemlich ermüdet kamen wir am Abend in Lukulela (bèlge) wieder an. Natürlich war der folgende Tag, an welchem das Fleisch verteilt wurde, ein Festtag für die Leute der Station. Ein jeder bekam da seinen Teil und hatte auch Grund, zufrieden zu sein, denn an einem ausgewachsenen Elefanten sitzt eine enorme Masse von Fleisch; dazu hatten wir dann ja auch noch die drei erlegten ziemlich großen Wildschweine, von denen wir drei Europäer doch nur sehr wenig hatten verzehren können.
Da ich in Lukulela hörte, daß sich vielleicht bald eine Gelegenheit finden werde, den Sanga von Bonga aus zu befahren, so lag mir natürlich daran, möglichst bald nach Bonga zu kommen. Leutnant Serulea wollte mich bis Bonga hinübergeleiten, da er dort den Herren einen Besuch versprochen hatte. Wir hatten unsere Abreise von Lukulela auf den 25. Juli angesetzt, konnten aber erst am Nachmittage fortfahren, da das Wasser im Congo am Vormittage so hohe Wellen schlug, daß gar nicht daran zu denken war, das andere Ufer zu erreichen. Trotz des noch immer gefährlichen Wellenganges erreichten wir bald das französische Ufer und sprachen dort auf dem französischen Lukulela-Posten vor. Nach kurzem Aufenthalte fuhren wir bald in den Likensi-Arm des Congo, welcher zum Sanga hinüberführt, ein, mußten aber für die Nacht unser Lager aufschlagen, ohne Bonga erreichen zu können, da wir von der Dunkelheit überrascht wurden und das Fahren in dem engen, von Nilpferden wimmelnden Kanale nicht ohne Gefahr war. In dieser Nacht bekamen wir dann auch schon einen Vorgeschmack von den Bonga-Moskitos, so daß wir nicht an schlafen denken konnten. Mit Tagesgrauen brachen wir am 26. Juli wieder auf. Nach etwa einstündigem Rudern erreichten wir den Sanga. Um 7 Uhr kam Bonga in Sicht. Ich fand bei dem Vertreter der Société Anonyme Belge Aufnahme für die Zeit meines Aufenthaltes bis zur Abreise nach dem Ngoko. Bis dahin sollte allerdings noch eine geraume Zeit vergehen.