Bei den Fantis ist zum Besteigen der geraden Kickxiastämme ein Steiggürtel gebräuchlich, welcher wirklich verdiente, allenthalben eingeführt zu werden. Mit Hülfe dieser Gürtel sind die Leute in der Lage, jeden geraden Stamm ohne Mühe zu besteigen, so lange sie ihn umspannen können. Bei Anwendung des Grätenschnittes muß natürlich darauf gesehen werden, daß die Schnitte nicht zu tief eindringen, denn der Schaden, welcher dadurch hervorgerufen wird, steht in keinem Verhältnis zu der geringen Menge Kautschuks, welche man dadurch mehr erhält. Außerdem wäre es wünschenswert, daß auch hier etwa da, wo das Gefäß zum Auffangen des Saftes angebracht wird, ein erhabener rinnenartiger Ring um den Stamm gelegt wird, durch welchen etwa an der Rinde herunterlaufende Säfte aufgefangen werden können. Zum Anschneiden der Stämme dürfte sich ein Instrument empfehlen, das ähnlich wie die in unserer Forstwirtschaft allgemein verwendeten „Baumreißer“ gebaut ist, aber mit einer verstellbaren zweischenkeligen Schneide versehen ist, deren beide Schenkel sich an der scharfen Kante vereinigen und so zwischen sich einen Hohlraum lassen, durch welchen das ausgeschälte Rindenstück nach oben entweichen kann. Ich werde an anderer Stelle auf dieses Instrument zurückkommen. Betonen möchte ich noch, daß dieser Baumreißer nur für glatte, aufrechte Stämme, insbesondere Kickxia- und eventuell Ceara- und Para-Bäume konstruiert sein soll. Bei Landolphien verhindert schon die sehr unebene Rinde sowie sehr variable Dicke derselben seine Anwendung.

Kickxia elastica Preuss.

A Blühender Zweig, B Kelchblatt von innen, C Längsschnitt durch die Blüte, D Antheren, E Fruchtknoten mit Griffel, F Frucht, G dieselbe im Querschnitt, H dieselbe aufgesprungen, J Samen, K Samenquerschnitt.

Herr Dr. Plehn ließ am 13. September seine sämtlichen Arbeiter zusammentreten, um vor ihren Augen die Bereitung eines reinen Kautschuks demonstrieren zu lassen. Ich zeigte den Leuten damals die für sie am leichtesten begreifliche Methode der Gewinnung des Kautschuks durch Kochen. Um sie auf die Unterschiede der Güte des von ihnen und von mir hergestellten Kautschuks aufmerksam zu machen, wurde ein von den Soldaten hergestellter Kautschukball zugleich mit den von mir angefertigten Stücken herumgegeben und die Leute zu gleicher Zeit darauf aufmerksam gemacht, daß nur der Kautschuk in den Faktoreien der Südkamerun-Gesellschaft zu verkaufen sei, welcher in der von mir demonstrierten Art hergestellt ist. Ich bin sicher, daß es Herrn Dr. Plehn in nicht zu langer Zeit gelungen wäre, die Kautschukgewinnung in seinem Bezirk einzuführen, hätte ihn nicht kurz darauf ein so trauriges Schicksal unseren Kolonien für immer entrissen.

Da bereits an den Kickxiabäumen einige reife Früchte sich zeigten, so machte ich mit einigen Leuten am 20. September einen Ausflug ins Innere nach der Richtung von Djimu zu, um Samen zu sammeln. Nach etwa 20 Minuten erreichten wir eines der bedeutenderen Dörfer der Umgegend, Kataku, von wo aus ich von dem gewöhnlichen Djimu-Wege, den vor mir Dr. Plehn als erster Europäer betreten hatte, abbiegend, auf ein nördlich von Kataku liegendes kleines Dorf zu marschierte. Auf dem Wege dorthin stieß ich auf eine Quelle mit prachtvollem Wasser (wohl das beste in der ganzen Umgebung), von welchem bis dahin nur die Eingeborenen und die Soldaten der Station, welche von den Dörfern der Eingeborenen ihren Proviant holten, Kenntnis hatten. In dem Dorfe, welches wir nun erreichten, soll, nach Angaben der dortigen Eingeborenen, kein Weißer vorher gewesen sein. Man sieht also, wie sehr unbekannt diese Region unseres Schutzgebietes geblieben ist. Dieses neue Dorf, dessen Namen ich leider nie erfahren habe, machten wir nun zum Operationscentrum. Von hier aus drang ich in die äußerst kickxiareichen Wälder ein und konnte so eine große Menge von Früchten zusammenbringen. Die Eingeborenen waren mir gegenüber zwar äußerst furchtsam und mißtrauisch; doch schienen sie zu den Soldaten, dank dem klugen Vorgehen des Dr. Plehn, in sehr gutem Verhältnis zu stehen. Auch einige Leute von der Station trafen am Nachmittage ein, teils von einem nordöstlich gelegenen Dorfe mit Proviant reich beladen zurückkehrend, teils von Kataku kommend, um auch hier noch Proviant zu kaufen. Am Abend traf ich dann wieder von dieser äußerst interessanten Exkursion mit vielen Kickxiafrüchten (vier vollen Lasten) auf der Station ein.

Da sich am 22. September eine günstige Gelegenheit bot, nach dem oberen Dja hinaufzufahren, so benutzte ich mit Freude eine Einladung des Herrn Bunge, welcher mit der „Holland“ nach dem Ngoko gekommen war, um die Faktoreien des holländischen Hauses der Südkamerun-Gesellschaft zu übergeben, daran teilzunehmen.

Wir verließen auf dem Dampfer „Holland“ am frühen Morgen die Faktorei „Wilhelmina“, welche auf dem französischen Ufer gegenüber der deutschen Station liegt, und fuhren den Ngoko hinauf. Ich hatte einige Soldaten von Dr. Plehn zur Begleitung und, um nachher noch eine Canoereise machen zu können, mein großes Canoe mitgenommen. Nach etwa einstündiger Fahrt erreichten wir einen großen, alleinstehenden Felsen, welchen ich bereits von einer früheren Reise her kannte. Von seiten Herrn Langhelds war auf seiner Flußkarte dieser Felsen mit dem Namen „Plehn-Felsen“ belegt worden, ein Name, welcher hoffentlich, in Anbetracht der Verdienste Dr. Plehns um diesen Bezirk, bestehen bleiben wird. Da ich noch häufig Gelegenheit haben werde, dieses eigentümlichen, isolierten Felsens Erwähnung zu thun, so will ich hier gleich bemerken, daß auch ich denselben einfach als Plehn-Felsen bezeichnen werde. Bis zur vierten Ngoko-Insel war ich schon vorher den Fluß hinaufgefahren, heute kamen wir noch weiter hinauf, mußten aber gegen 2½ Uhr anlegen, um für den nächsten Tag Holz schlagen zu lassen. Mit einigen Soldaten versuchte ich tiefer in den Wald einzudringen, wurde aber auf allen Seiten durch Sümpfe daran verhindert. Auf dieser Streiferei gelang es mir, nicht weniger als fünf mir neue Orchideen von einem einzigen Baume herunterzuholen. Von Kautschuklianen oder Kickxien war an dieser Stelle nichts zu sehen, wohl aber einige Coffeasträucher. Landolphia florida war längs des ganzen Flußufers reichlich vertreten, allenthalben durch die orangenähnlichen Früchte leicht kenntlich. Wir waren nun nicht mehr weit von dem Zusammenflusse des Bumbe und des Dja entfernt, wo wir am nächsten Tage die Faktorei der „Südkamerun-Gesellschaft“ zu erreichen gedachten. Bevor wir dorthin kamen, passierten wir noch die Mündung des Como-Flusses, in welchen bis dahin noch kein Europäer eingedrungen war. Gegen Mittag trafen wir auf der Bumbe-Faktorei ein. Dieselbe war erst vor kurzer Zeit angelegt worden, so daß man erst ein Haus hatte fertigstellen können; die Vorräte an Waren und Proviant befanden sich noch in den zu ihrer Bergung aufgestellten Zelten. Ein Europäer, Herr Kalmar, war zur Leitung der Faktorei hier zurückgelassen worden. Bei unserer Ankunft beklagte sich derselbe, daß die Eingeborenen des an der Faktorei angrenzenden Dorfes sich geweigert, das durch Herrn Langheld von ihnen käuflich erworbene Land abzutreten. Herr Langheld hatte infolgedessen mit dem Häuptling des Dorfes ein längeres Palaver abzuhalten, um ihm zu erklären, daß der Kauf des Landes die Gesellschaft zum Besitzer desselben gemacht; es dauerte eine geraume Zeit, ehe die Eingeborenen das einsehen konnten. Ein sehr starker Regen zwang uns leider, am Nachmittage auf dem Dampfer zu verweilen, obgleich ich gern ein kleines noch vollständig unbekanntes Flüßchen, den „Bumbesse“, welches neben dem Bumbe in den Ngoko einmündet, befahren hätte, um so tiefer in das Land eindringen zu können, da man sonst allenthalben durch Sümpfe daran verhindert wurde.

Da sich das Wetter am 24. September (am folgenden Tage) besserte, so konnte ich die Fahrt den Bumbesse hinauf antreten. Vorher wurden noch zwei Herren den Bumbe hinaufgeschickt, um die Faktorei des holländischen Hauses zu übernehmen, welche bei den Bumbe-Schnellen, von den Eingeborenen in der Bangala-Sprache als „Mei makessi“ (scharfes Wasser) bezeichnet, gelegen ist. Zu der Fahrt den Bumbesse hinauf hatte ich vier Soldaten mitgenommen, welche alle mit einem Haumesser ausgerüstet waren, denn schon an der Mündung war es ersichtlich, daß man sich durch viel überhängendes Gestrüpp hindurchzuarbeiten habe. Da ich auch einigermaßen die Richtung des Flüßchens festlegen wollte, hatte ich mit dem Kompaß in der Hand tüchtig aufzupassen, daß wir nicht irgendwo festfuhren. Unter ziemlichen Schwierigkeiten hatten wir oft unser Canoe zwischen den durchgeschlagenen Lianen hindurchzuzwängen, um wieder in offenes Wasser zu gelangen. Gegen 10 Uhr kamen wir an eine Brücke, welche bewies, daß Eingeborene hier in der Nähe hausen müssen; dieselbe war sehr primitiv, durch zwei auf Gabeln ruhende Stangen hergestellt, welche an der Seite durch ein Zaunwerk gegen die Gewalt des Wassers geschützt waren. Etwa zwei Meter oberhalb der Stangen war parallel mit diesen eine Liane gespannt, welche dem die Brücke Passierenden offenbar zur Stütze dienen sollte. Wir kamen an diesem Hindernisse auch vorbei, indem wir das Canoe allmählich darüber schleiften. Um 11 Uhr wurde endlich durch Fallen unserm weiteren Vordringen ein Ziel gesteckt. Die Ufer des Flüßchens, welche hier bedeutend näher zusammentraten, waren durch ein Zaunwerk verbunden, das sehr geschickt durch Lianen verknotet war und nur zwei Öffnungen ließ, durch welche die Tiere passieren konnten. Oberhalb dieser Öffnungen sah man Schlingen, welche offenbar zum Anbringen von Speeren angelegt waren. Da von diesen Fallen ein Pfad in den Wald hinein führte, der offenbar unlängst von Menschen betreten war, so ließ ich einen Soldaten bei dem Canoe zurück und drang nun mit den drei anderen Soldaten auf dem Pfade vor. Zu meiner nicht geringen Freude konnte ich hier im Walde Kickxia sowohl wie Landolphia feststellen, erstere sogar in ziemlicher Menge. Da meine Zeit beschränkt war und noch keine weiteren Anzeichen von Menschen zu entdecken waren, ließ ich nach etwa halbstündigem Marsche im Walde wieder zum Canoe zurückkehren, hatte doch diese Exkursion wenigstens zur Entdeckung der Kickxia hier am Bumbesse geführt. Dieser Standort der Kickxia war für mich um so interessanter, als der Wald deutliche Anzeichen einer zeitweisen Überschwemmung trug, somit also der Baum auch in Regionen mit bedeutender Bodenfeuchtigkeit zu gedeihen scheint. Auf der Rückfahrt ließ ich an den Stellen, wo der Wald nicht überschwemmt war, landen, um auch dort nach Kickxia zu fahnden, konnte aber hier nur das Vorkommen von Landolphia konstatieren. Am Nachmittage machte ich nun noch einige Exkursionen längs des Ngoko-Ufers, wo ich auch wieder Landolphia feststellen konnte. Auch hier entdeckte ich wieder einige interessante Orchidaceen.

Am Morgen des 25. September dampften wir weiter, jetzt den Dja hinauf, durch dessen Zusammenfluß mit dem Bumbe der Ngoko gebildet wird. Die Ufer waren auch hier teilweise recht niedrig, teilweise erhoben sich etwa bis 100 Meter hohe Hügel längs derselben. Der Strom war hier noch bedeutend stärker als auf dem Ngoko. Die Vegetation scheint üppiger zu sein, als ich sie am Ngoko beobachtet habe. Nach etwa zweistündiger Fahrt passierten wir das Dorf Djama auf der Insel gleichen Namens nebst einer Abzweigung desselben auf einer daneben liegenden Insel. Die Ufer erschienen auf unserer linken Seite nun stets mehr oder minder erhöht. Kurz hinter Djama hatten wir einige Stromschnellen zu passieren, welche glücklicherweise an einer Seite einen Kanal zur Durchfahrt frei ließen. Gegen 4½ Uhr erreichten wir dann das Ziel unserer Reise, die Faktorei Bomudali. Dieselbe liegt gegenüber der Insel Bomudali mit dem darauf befindlichen gleichnamigen Dorfe von für dortige Verhältnisse ziemlicher Ausdehnung. Diese Faktorei wurde durch einen Eingeborenen geleitet. Ein recht nettes, aus hiesigem Bambus (Raphiapalmen-Rippen) gebautes luftiges Häuschen mit einer breiten Veranda hatte man hier aufgebaut, in dem sich ein Europäer recht gut hätte aufhalten können. Ich unternahm sogleich eine Exkursion in den Wald, der leider auch zum großen Teile überschwemmt war, so daß ich total durchnäßt gegen Abend zum Schiffe zurückkehrte.