Da mir nicht viel daran lag, dieselben Gegenden noch einmal vom Dampfer aus zu betrachten, so hatte ich beschlossen, die Rückreise im Canoe zu machen. Da der Dampfer von hier aus umkehren sollte, so fuhr ich bereits um 5½ Uhr am Morgen des 26. September von Bomudali ab. Da noch Nebel auf dem Flusse lag, konnten wir anfangs nur wenig von der Urwaldvegetation erkennen. Erst als gegen 8 Uhr die Sonne durchdrang, wurde das Bild interessanter und lebendiger. Die Papageien in den Zweigen fingen ihr Geschrei an, oben sah man die Nashornvögel über die höchsten Gipfel der Bäume dahinschweben, während die buntbefiederten Königsfischer auf den Büschen am Wasser auf Beute warteten. Nun am Ufer entlang fahrend, sah ich häufig riesige Kautschuklianen von den Zweigen hängen, deren riesige, etwa kinderkopfgroße Früchte durch ihr Gewicht die Zweige herunterzogen. Leider hingen diese Früchte meist zu hoch, um sie zu erlangen, selbst einige Schüsse auf dieselben hatten keine Wirkung. Doch gelang es mir nach einigen vergeblichen Versuchen, endlich dreier derselben habhaft zu werden, um sie nach der Station mitzunehmen. Von Kickxia konnte ich nur hin und wieder einige Exemplare an dem höheren Ufer entdecken; doch ließ ein großer Sumpf, welcher die Hügel von dem Flusse trennte, eine genauere Untersuchung derselben nicht zu. Gegen Mittag erreichten wir Djama, nachdem wir noch kurz vorher durch einen tüchtigen Regenschauer vollständig durchnäßt worden waren. Meine Leute hatten zwar in dem Dorfe Bomudali tüchtig Essen kaufen können, so daß sie noch reichlich versehen waren, doch hielt ich es trotzdem für geraten, mich hier noch einmal tüchtig zu verproviantieren, da ich nicht wußte, wie lange ich noch bis zu meiner Ankunft auf der Station unterwegs bleiben würde, zumal ich beabsichtigte, den N’komo zu befahren, um auch dort soweit als möglich in die Wälder einzudringen. Ich besuchte daher die beiden Djama-Inseln und kaufte dort an Lebensmitteln für meine wenigen Leute nicht unbedeutende Quantitäten ein, und zwar zu äußerst billigen Preisen. Ich will zwar nicht verleugnen, daß die Anwesenheit der Soldaten wahrscheinlich nicht wenig dazu beitrug, doch sah ich darauf, daß den Leuten nichts mit Gewalt abgenommen wurde. Wer nicht verkaufen wollte, wurde in keiner Weise dazu gezwungen. Ich konnte hier Hühner und Eier für Öl und Salz einkaufen. Etwa ein halber, ziemlich kleiner Tassenkopf mit Öl genügte, um ein Huhn zu erstehen. Für meine Leute gab es Büffel- und Elefantenfleisch und sehr viel Planten. So konnten wir also, reichlich versehen, am Nachmittage unsere Weiterreise antreten. Nach kurzer Zeit ließ ich an Land anfahren, um Mittag kochen zu lassen. Wir waren kaum damit fertig, als die „Holland“ unsere Lagerstelle passierte, auf der Rückreise nach Bumbe, welches übrigens schon von unserem Lager aus in Sicht war. Ich unternahm nun noch eine Exkursion, auf welcher ich wieder das Vorhandensein der Kickxia, wenn auch nur in vereinzelten Exemplaren, konstatieren konnte; dann ließ ich den Dja bis zum Bumbe hinunter weiterfahren, wo ich gegen 6 Uhr abends bei dem Dampfer anlangte. Am Abend versammelten wir hier anwesende fünf Europäer uns auf dem Dampfer, wo uns Herr Kalmar nach dem Abendessen durch ein Konzert auf der Violine unterhielt. Da ich am nächsten Morgen früh aufbrechen wollte, ging ich um 10 Uhr schlafen.
Der nächste war wieder einer jener prächtigen Morgen, wie ich sie besonders nach einem Regentage schon häufig im Ngoko erlebt hatte; lautlos glitt unser Canoe am Ufer des Flusses entlang, jedes Geräusch wurde noch durch den dichten Nebel, welcher auf dem Flusse lag, gedämpft. Als sich gegen 9 Uhr der Nebel gehoben, ließ ich auf einer sandigen Stelle am Ufer das Canoe aufziehen, um den Soldaten Zeit zum Frühstück zu geben, während ich mit meinem Jungen im Walde umherstreifte, soweit es die uns umgebenden Sümpfe gestatteten. Auch hier gab es viele Landolphien, besonders L. florida, deren Früchte eine Schar Affen angelockt hatten, von welchen ich für meine Leute zwei erlegen konnte. Während ich im Walde umhergestreift, hatte der Koch das Frühstück fertig gemacht, so daß wir kurz darauf, ohne großen Zeitverlust, weiterfahren konnten. Gegen 11 Uhr erreichten wir die Mündung des N’komo-Flusses, in welchen wir nun eindrangen. Die Strömung war hier auffallend stark, besonders da, wo Bäume in das Wasser hineingefallen waren. An einigen Stellen mußten wir uns längs der Ufer an dem Gesträuch entlang hinziehen, um gegen die starke Strömung ankommen zu können. Ein riesiges Krokodil, welches auf einem Baumstumpfe lag, schoß ich auf dieser Fahrt, doch entging uns das Tier leider, weil es in seinem Todeskampfe vom Stamme herunter in das Wasser fiel. Gegen 12 Uhr ließ ich an einer offenen Stelle an Land fahren, um den Leuten, welche sich sehr stark hatten anstrengen müssen, Rast zum Mittagessen zu geben. Elefanten-, Büffel- und Nilpferdspuren gab es in Menge, von den Tieren selbst war leider nichts zu sehen. Die Bäume hingen am Ufer voll von Orchideen, unter denen besonders Angraecum pellucidum Ldl. mit seinen langen herunterhängenden Blütentrauben auffiel. Hier und dort waren Kautschuklianen (Landolphia) zu sehen, doch bis jetzt selten in größeren Mengen. Ich drang mit einem Soldaten tiefer in den Wald ein, um nach Kickxia zu suchen, konnte davon hier aber nichts entdecken. Als wir uns am Nachmittage kaum wieder auf der Weiterfahrt befanden, überraschte uns wieder ein starker Regen, der uns aber nicht hinderte, weiter zu rudern. Bald schien es, als sei unserm weiteren Vordringen eine Schranke gesetzt, denn vor uns lagen zwei große Bäume im Wasser. Als wir näher kamen, erkannten wir in denselben eine Brücke der Eingeborenen. Die beiden Bäume waren von denselben gefällt worden und die oberen Äste mittelst Lianen mit dem Strauchwerk der anderen Seite verbunden, so daß man, von Ast zu Ast kletternd, den Fluß überschreiten konnte. Zur Sicherung des Überganges waren einige Lianen darüber gespannt worden, an denen man sich halten konnte. Von menschlichen Wesen selbst war keine Spur zu entdecken. Ich glaube sicher, daß diese Brücke von den Zwergvölkern dieser Urwälder gelegt worden ist, denn nur diese allein bewohnen jene Wildnis. Mit unseren Haumessern gelang es uns, eine Öffnung durch die im Wasser liegenden Kronen der Bäume zu schlagen, durch welche wir unser Canoe hindurchschieben konnten. Wir wurden alle dabei von einer Schar Ameisen, welche eben den Fluß auf dem Baume zu überschreiten schienen, arg zugerichtet. Als sich gegen Abend der Himmel aufgeklärt hatte, begannen sich die verschiedensten Tiere hören zu lassen, besonders Elefanten hörte man häufig. Ein Schuß, welchen ich auf eine Schar Enten abfeuerte, rief dann plötzlich für kurze Zeit eine allgemeine Stille hervor. Gegen 5½ Uhr ließ ich anhalten und für mein Zelt unter einem großen Baume den Platz reinigen. Bei der dichten Bewaldung brach die Dunkelheit überraschend schnell herein. Es war eine wundervolle Nacht, welche nun folgte, als der Mond sein friedliches Licht über den Urwald ergoß. Noch lange saß ich an dem Abend vor meinem Zelt und genoß die kühle Luft. Die Stille des Waldes wurde nur hin und wieder durch das Trompeten eines Elefanten unterbrochen.
Kurz nach 6 Uhr waren wir am nächsten Morgen auf der Fahrt. Mit jeder Minute wuchs die Stärke der Strömung, so daß ich schon mit einigem Grauen an die Rückfahrt dachte, da dann bei den vielen Windungen des Flusses und den vielen, in demselben liegenden, Baumstämmen unser Canoe nur zu leicht hätte umgerissen werden können. Gegen 7½ Uhr wurde nun leider unserem weiteren Vordringen durch einen neuen Baumstamm eine Schranke gesetzt. Auch dieser war wieder von Menschenhand gefällt worden und lag unglücklicherweise so im Wasser, daß für unser Canoe keine Passage blieb. Unter Schwierigkeiten wäre es uns vielleicht gelungen, das Canoe darüber hinweg zu ziehen oder über Land wieder in fahrbares Gewässer zu bringen, doch glaubte ich, etwa so weit vorgedrungen zu sein, als der N’komo deutsch war. Da der Zweck meiner Mission auch nicht in geographischen Forschungen bestand, so glaubte ich auch, hier umkehren zu müssen, hatte ich doch wenigstens Kautschuklianen hier in ziemlichen Mengen feststellen können. Bevor ich umkehrte, unternahm ich noch eine kleine Exploration der Wälder, in welche ich tiefer eindrang. Dieselben enthielten Kautschuklianen in Quantitäten, welche einen regelmäßigen Abbau wohl lohnen würden. Ehe es jedoch zu einem solchen in diesen doch immerhin recht entfernten Regionen kommen wird, dürften noch viele Jahre hingehen. Eine der ersten Aufgaben des Stationsvorstehers sowohl, wie vor allen Dingen der Kaufleute im Ngoko-Distrikte, dürfte es vor allen Dingen sein, den Eingeborenen den Wert des Kautschuks und die Gewinnung desselben klar zu legen, und, wenn möglich, in einer solchen Weise, daß der Raubbau sich nicht auch hier einbürgert. Ich selbst befürchte zwar, daß sich dieser selbst bei strengen Maßregeln nicht wird fernhalten lassen. Doch dessenungeachtet wäre es entschieden wünschenswert, daß im Ngoko-Gebiete ein unnötiges Umschlagen der Kickxiabäume strengstens bestraft würde, sobald sich ein solches nachweisen läßt. Ich werde noch einmal darauf zurückzukommen haben, da ich selbst einmal Zeuge eines solchen Umschlagens von Kickxiastämmen gewesen bin; doch davon später.
Noch im Laufe des Vormittags traten wir unsere Rückfahrt an, die infolge der vielen Krümmungen des Flusses sowie der vielen darin liegenden Baumstämme sehr gefährlich war. Bei der reißenden Strömung sauste das Canoe dahin, wie ich es nie geglaubt hätte. Ich selbst hatte ein Ruder genommen, um im Falle der Not auch beim Steuern zur Hand zu sein. Besonders fürchtete ich die untere Baumbrücke, welche uns sehr leicht hätte umreißen können. Genau nach der Karte, welche ich von dem Flusse bei der Fahrt hinauf angefertigt hatte, unsere Route verfolgend, machte ich schon vorher die Soldaten auf die kommenden scharfen Kanten und schnellen Strömungen aufmerksam und ließ, als wir uns der Brücke näherten, rückwärts rudern, so daß wir dem Strome entgegenarbeiteten und dann schließlich langsam gegen die Brücke angetrieben wurden. Nachdem wir das Canoe dann auch glücklich durch die von uns geschlagene Öffnung hindurchgezogen hatten, ging es mit derselben Schnelligkeit wie vorher weiter nach dem Ngoko zu. Noch eine Stelle gab es, die für uns gefährlich werden konnte. Dort hätte auch beinahe die Fahrt ein Ende gefunden, wenn wir nicht plötzlich von der Strömung fortgerissen und in ein Strauchwerk hineingeschleudert worden wären, wo ich glücklicherweise noch zur rechten Zeit einige Äste ergriff, mit Hülfe derer ich das Canoe zurückhalten konnte. Nachdem wir diese Stelle dann auch glücklich passiert hatten, hatten wir offenes, wenn auch noch reißendes Fahrwasser. Man wird sich einen Begriff von der Macht dieser Strömung machen können, wenn man bedenkt, daß wir die Fahrt flußabwärts in etwa einem Viertel der Zeit machten, als die Fahrt flußaufwärts. Ich muß offen bekennen, daß ich froh war, als wir wohlbehalten wieder im Ngoko angelangt waren. Wir fuhren nun den Ngoko weiter hinunter, bis wir einen verlassenen Weiler am Flußufer erreichten, wo ich zum Zwecke des Abkochens Rast machen ließ.
Das Feuer war kaum angezündet, als einer der Soldaten mit der Nachricht kam, daß in einer Hütte ein halbverhungertes Weib liege, das kaum mehr sprechen könne. Ich ließ die Frau nun heranbringen und ihr etwas zu essen geben. Allmählich konnten wir denn ihren Reden entnehmen, daß sie von ihren Stammesgenossen hier vor einigen Wochen ausgesetzt sei. Ihren richtigen Heimatsort konnten wir nicht erfahren, wie überhaupt ihre Aussagen häufig verwirrt waren und sich nicht selten widersprachen. Offenbar war das Weib irrsinnig. Sei es nun, daß sie erst durch den Hunger in diesen Zustand verfallen war, denn sie hatte sich während der ganzen Zeit von den ölhaltigen Samen einer Leguminose ernährt, sei es, daß sie infolge ihres Irrsinnes von ihren Stammesgenossen ausgesetzt war, ich konnte sie hier natürlich nicht zurücklassen, denn sie wäre sicher in wenigen Tagen verhungert, da sie schon jetzt kaum mehr Kräfte genug besaß, sich aufrecht zu halten. Als wir dann diesen von Flöhen wimmelnden Platz verließen, wurde die Frau mit in das Canoe gesetzt, nachdem die Soldaten vorher vergeblich versucht hatten, sie zu waschen. Das Wetter sah schon recht drohend aus, als wir unseren Lagerplatz verließen, so daß wir wenig überrascht waren, als plötzlich ein wolkenbruchartiger Regen mit starkem Sturm zu wüten begann. Wenn selbst wir auch alle bis auf die Haut durchnäßt wurden und die Situation nichts weniger als angenehm war, so freuten wir uns dennoch alle, daß wenigstens auf diese Weise die würdige Matrone in unserem Canoe einmal tüchtig gewaschen wurde, denn der Schmutz und Aschenstaub, welcher an ihrem Körper haftete, spottete jeder Beschreibung. Da der Sturm für unsere Weiterreise zu gefährlich zu werden schien, ließ ich an einer sandigen Stelle unter einer alleinstehenden Sterculia an Land fahren, um dort für die Nacht das Zelt aufschlagen zu lassen. Leider war aber der Boden an dieser Stelle so locker, daß die Zeltpflöcke von dem Sturme immer wieder herausgerissen wurden, so daß wir nach vielen vergeblichen Versuchen doch schließlich die Hoffnung aufgaben, das Zelt hier aufschlagen zu können. Trotz des Regens und Sturmes mußten die Soldaten sowie die anderen Insassen des Bootes wieder zu den Rudern greifen, um uns nach einem günstigeren Lagerplatz zu bringen, den wir denn auch bald erreichten. Unter strömendem Regen wurde ein Platz für das Lager im Walde freigelegt und die Zelte für mich und meine Begleitung aufgeschlagen. Dieser furchtbare Regen hielt mit dem Sturme fast die ganze Nacht hindurch an, so daß man bei dem Getöse, welches durch den Regen, den Sturm und die herunterbrechenden trockenen Zweige und Äste verursacht wurde, kaum an Schlafen denken konnte.
Zu unserer Freude klärte sich der Himmel am nächsten Morgen auf, so daß wir bereits früh weiterfahren konnten. Es lag mir daran, noch an demselben Tage die Station zu erreichen. Meine Leute hatten daher tüchtig zu rudern, selbst das vom Hungertode befreite Weib, welches sich merkwürdig schnell wieder erholt hatte, mußte ein Ruder zur Hand nehmen und helfen. Im raschen Tempo ging es nun flußabwärts an den wenigen Inseln vorbei, welche hier im Ngoko liegen. Dieselben waren zumeist schon durch das jetzt schnell steigende Wasser überschwemmt worden. Als wir gegen Mittag in die Nähe des Plehn-Felsens kamen, welcher auch nur noch um einige Fuß aus dem Wasser hervorragte, ließ ich zum Abkochen kurze Rast machen. Ich durchstreifte während der Zeit wieder die Wälder, ohne aber auf Kickxien zu stoßen, wie ich gehofft hatte. Einige Ficusbäume aus der Verwandtschaft der Ficus Vogelii, welche hier wuchsen, zapfte ich an und kochte dann die Milch, teils nach Zusatz von Salz, teils mit Essigsäure vermischt, erhielt aber nur eine klebrige, zähe Masse, die keinen Wert hatte. Während des Nachmittags ging es dann ununterbrochen bis zur Faktorei der Südkamerun-Gesellschaft weiter, welche wir mit eintretender Dunkelheit erreichten. Von Herrn Langfeldt erfuhr ich hier, daß Dr. Briart mit einem neuen Dampfer der Société Anonyme Belge, dem „Président Urban“, in der Zwischenzeit dagewesen sei. So hatte ich leider diese Gelegenheit verpaßt, nach dem Congo zurückzukehren. Nach kurzer Fahrt erreichten wir dann gegen 8½ Uhr die Ngoko-Station wieder.
Da der „Président Urban“ für Dr. Plehn die sämtlichen von ihm bestellten Ausrüstungsgegenstände für eine geplante längere Expedition ins Innere mitgebracht hatte, so setzte Dr. Plehn den Aufbruch zu dieser Expedition auf den 10. Oktober fest. Da nach dieser Zeit zu wenig Leute auf der Station sein würden, um mich bei meinen Exkursionen zu begleiten, so beschloß ich, die Zeit noch tüchtig zum Sammeln von Kickxiafrüchten zu verwenden. Noch verschiedene Male machte ich Ausflüge immer wieder in mir noch unbekannte Gegenden um die Station herum. Überall konnte ich die Kickxia in Mengen feststellen und jedesmal den Vorrat der Samen bedeutend vergrößern, so daß ich schließlich gegen 400000 Samen haben mußte.
Meine verschiedenen Experimente mit Kickxia- und Landolphiamilch setzte ich zu derselben Zeit fort. Besonders die Methode der Gewinnung des Kautschuks durch allmähliches Austrocknen der Milch und durch Centrifugieren.
Zusammen mit Dr. Plehn unternahm ich am 4. Oktober einen Ausflug auf die Hügel der anderen Ngoko-Seite. Von der Faktorei „Wilhelmina“, welche nun verlassen war, ging zur Zeit der einzig mögliche Weg erst in den Wald hinein, um sich dann langsam gegen die Hügel vorzuschlängeln. Wiederholt mußten wir uns von unseren Leuten durch Morast und Wasser tragen lassen, denn bei dem jetzt schon recht hohen Wasserstande war bereits ein großer Teil des zeitweise trockenen Waldes vollständig überschwemmt. Nachdem wir dann glücklich den Fuß des Hügels erreicht hatten, drangen wir auf einem schmalen Eingeborenenpfade bis zur Spitze vor, wo sich einige Leute des Kataku-Dorfes, offenbar um der zu großen Nähe der Weißen zu entgehen, seit kurzem angesiedelt hatten. Die Leute hatten Bananenpflanzungen angelegt, beklagten sich aber bei uns, daß die Elefanten ihnen viel Schaden zufügten. Da Dr. Plehn möglichst bald zur Station zurückkehren wollte, blieb ich mit meinem Jungen und einem Soldaten allein zurück, um zu versuchen, auch hier das Vorkommen von Kickxia zu konstatieren. Als ich nach einigem Suchen diesen Zweck erreicht hatte, kehrte auch ich wieder auf das andere Ufer zurück, wo ich auf der Station mit dem Trocknen der Kickxiasamen und dem Einpacken der Kautschukproben jetzt viel zu thun hatte.
Da ich es für sehr wahrscheinlich hielt, daß zur weiteren Feststellung des Verbreitungsgebietes der Kickxia eine Reise nach dem oberen Dja von Nutzen sein würde, so entschloß ich mich, einer Einladung des Herrn Langheld, ihn dorthin zu begleiten, nachdem er die Plehnsche Expedition nach dem Bumbe gebracht hätte, Folge zu leisten, besonders da ich wußte, daß ich vor Ende des Monats Oktober nun keine Gelegenheit haben würde, die Rückreise nach dem Congo anzutreten. Gern wäre ich mit Dr. Plehn zusammen gegangen, um dann nach der Küste zu durchzumarschieren, doch das war nun leider infolge des Trägermangels unmöglich. Selbst Dr. Plehn mußte sein Gepäck schon auf das Allernotwendigste beschränken, um genügend Leute zum Transporte seiner Sachen zu haben. Es war für mich damals nicht leicht, auf diese Expedition zu verzichten, von der wir uns so viel Interessantes versprachen.