Nachdem die Hauptmenge der Lasten der Plehnschen Expedition schon am 10. Oktober nach dem „Major Cambier“ zu Herrn Langhelds Faktorei hinübergeschafft worden waren, verließen wir, Dr. Plehn, Herr Peter, welcher an der Expedition teilnehmen sollte, und ich, am frühen Morgen mit den Soldaten und Trägern die Ngoko-Station, um dann zum „Major Cambier“ mit dem letzten Reste der Expeditionsgüter nachzufolgen. Ich werde diesen Morgen nie vergessen, an dem ich damals zum letzten Male mit Plehn zusammen den Ngoko-Hügel hinunterstieg und mit ihm über den eventuellen Ausgang der Expedition sprach, der nach unseren damaligen Ansichten nur ein glücklicher und für die Erforschung unseres Schutzgebietes sehr günstiger sein konnte. Leider hatte das Schicksal es anders beschlossen.
Nachdem gegen 9 Uhr endlich alles auf dem Dampfer untergebracht war, konnten wir abfahren. Die Scenerie war mir, der ich diese Fahrt nun bereits wiederholt gemacht hatte, ja bekannt genug. Von dem Plehn-Felsen war kaum noch die Spitze zu sehen; so war das Wasser in den wenigen Tagen gestiegen. Am Nachmittage wurde eine Stunde lang Halt gemacht, um neuen Holzvorrat zu schaffen. Dann fuhren wir bis zum späten Nachmittag weiter und legten, bevor wir die N’komo-Mündung erreicht hatten, uns vor Anker. Das Aufschlagen des Lagers dauerte heute eine ziemliche Zeit, da Dr. Plehns Soldaten mit dem Aufstellen seines großen Zeltes noch nicht recht Bescheid wußten. Bis zum späten Abend saßen wir Europäer noch bei der wundervollen Beleuchtung, welche der Mond über die Landschaft warf, zusammen. Am nächsten Morgen dampften wir dann zeitig ab, um noch vor Mittag bei der Bumbe-Faktorei einzutreffen. Es war einer der heißesten Tage, welche ich erlebt hatte; alles schien niedergedrückt zu sein, nur der unermüdliche Herr Langheld lief, ohne sich irgendwie zu schonen, in der Sonne umher, bis alles in Ordnung war. Wir saßen alle gerade beim Essen, als ein Soldat mit der Nachricht kam, daß auf der anderen Seite des Bumbe ein riesiges Krokodil im Wasser schwämme. Dr. Plehn war sofort mit seiner Büchse zur Hand, und in der nächsten Minute hatte das Tier einen Schuß im Kopfe, der es auf der Stelle getötet haben mußte, denn das Tier blieb oben. Der Sicherheit halber schoß Dr. Plehn noch einmal und zwar noch einen solchen Meisterschuß. Die Soldaten, welche schon die Sicherheit ihres Herrn beim Schießen kannten, hatten auch sofort das Canoe, welches Dr. Plehn von mir übernommen, in den Fluß gezogen und ruderten nun mit allen Kräften zur Stelle, um die Jagdbeute einzuholen, die dann zur großen Freude der Leute verteilt wurde. Das Krokodil war eines der größten, welche ich je gesehen.
Da Dr. Plehn mit dem Packen seiner ganzen Expeditionsgüter noch nicht vollständig fertig war, so beschloß er, erst am 14. Oktober von Bumbe aufzubrechen; ich hatte also hier noch einen freien Tag. Ich benutzte daher die Gelegenheit, mit Herrn Kalmar und Herrn Schultz, welcher mit uns nach Bomudali fuhr, um die Faktorei daselbst zu übernehmen, eine Canoefahrt den Bumbe hinauf zu machen, wo zum Bau der Häuser der Bumbe-Faktorei Baumstämme gefällt werden sollten. Die Freude, welche ich hier bei dem Anblicke der häufig vorhandenen Kickxien empfand, wurde mir bald genommen, als ich sah, daß Herr Kalmar eine nach der anderen fällen ließ, da er behauptete, daß sonst keine anderen geraden Stämme zum Häuserbau vorhanden seien als die Kickxien. Es ist doch schade, daß selbst die Europäer hier nicht mehr darauf achten, die Schätze, welche das Land bietet, möglichst zu wahren; gerade deshalb wäre es auch sehr wünschenswert, daß von der Regierung Maßregeln getroffen würden, ein solches Treiben zu verhindern. Wie ich mich später überzeugen konnte, sind die Befestigungen der Palaverhäuser der Fan-Stämme im Ngoko auch vorzugsweise aus Kickxiastämmen hergestellt. Bedenkt man nun, daß diese Dörfer bei der geringsten Gelegenheit verlassen werden und an einer anderen Stelle ein neues errichtet wird, zu dem wieder viele Kickxiastämme nötig sind, so kann man sich leicht vorstellen, welcher Schaden mit der Zeit unter den Kickxiabeständen angerichtet wird, der leicht vermieden werden könnte. Der Eingeborene fällt natürlich lieber die weichen Kickxiastämme, als die zähen und harten Bäume, welche seinen schlechten Instrumenten so viel Widerstand entgegensetzten, um so mehr, als ja bei seiner Gewohnheit, die Dörfer immer wieder zu verlegen, das Holz gar nicht besonders dauerhaft zu sein braucht.
Am Morgen des 14. Oktober stand Dr. Plehn mit seiner Expedition schon zeitig fertig da. Es war arrangiert worden, daß der „Major Cambier“ die Expedition noch eine kurze Strecke den Bumbe hinauf bis kurz vor Kodjo bringen sollte. Die erste Hälfte, welche Herr Peter führte, ging gegen 7 Uhr ab. Da ich auch gern einen Teil des Bumbe sehen wollte, fuhr ich auch mit, um dann mit dem Dampfer wieder umzukehren. Dr. Plehn führte dann den Rest auch sogleich nach. Wir beide nahmen noch einmal Abschied voneinander und wünschten uns gegenseitig viel Erfolg und Gesundheit auf unseren Reisen und trennten uns dann in dem Glauben, daß wir uns beide in Europa wiedersehen würden. „Grüßen Sie noch alle meine Freunde und Bekannten an der Küste,“ das waren seine letzten Worte, welche er mir noch vom Dampfer aus zurief; dann war der Dampfer um eine Landzunge gebogen, die ihn uns verbarg.
Kurz nachdem der „Major Cambier“ zurückgekehrt war, wurde alles zur Weiterfahrt den Dja hinauf fertig gemacht. Um 1 Uhr schon fuhren wir ab. Bei den Djama-Inseln machten wir einen kurzen Halt, um Lebensmittel zu kaufen, da das kleine Dorf neben der Bumbe-Faktorei für die vielen Leute, welche während der letzten Tage dort gewesen waren, nicht genug hatte liefern können. Gegen Abend legten wir dann an einer etwas trockeneren Uferstelle an, wo ich Kickxia sowohl wie Landolphien in ziemlichen Quantitäten fand. Herrn Langheld sowohl wie Herrn Schultz machte ich nun auf die Unterschiede aufmerksam, welche die Kickxia unter den anderen Bäumen leicht kenntlich macht. Moskitos gab es übrigens hier wieder reichlich. Am frühen Morgen erreichten wir am 15. Oktober die Bomudali-Faktorei, wo wir für den Rest des Tages zu bleiben hatten, da es hier für Herrn Langheld viel zu thun gab, denn es mußten vor allen Dingen viele Waren hier gelandet und gestaut werden, welche Herr Schultz, der die Faktorei leiten sollte, beim Einkaufen des bis dahin einzig in Betracht kommenden Produktes, des Elfenbeins, nötig hatte. Da ich bei meinem ersten Aufenthalte in Bomudali in den Wäldern hinter der Faktorei vergeblich nach Kickxia gesucht hatte, so schlug ich auf meinen Streifereien diesmal eine andere Richtung ein und hatte auch hier wieder die Freude, Kickxia zwischen der Bomudali-Faktorei und dem Dorfe Lobilos in Mengen zu sehen. Je mehr ich von der Gegend sah, desto mehr gewann ich die Überzeugung, daß hier dereinst sich ein enormer Kautschukhandel entwickeln müsse, vorausgesetzt, daß beizeiten gegen Mißbrauch dieser Goldgruben unserer Kolonie Kamerun Schritte gethan werden.
Die Eingeborenen dieses Teiles des Dja unterscheiden sich schon ganz bedeutend von den weiter unten wohnenden Misangas. Besonders auffallend ist die Haartracht der Weiber. Neben einer großen Raupe von Haaren, welche über den Scheitel bis zum Hinterkopf hinunterläuft, sind die Haare zu beiden Seiten oberhalb der Schläfen in raupenförmige Ringe frisiert. Um diese Frisur, welche eine sehr lange Zeit in Anspruch nehmen muß, zu schützen, ist sowohl je oberhalb der Ohren wie an der Haarwurzel über der Stirn eine große, muschelförmige, aus Bast hergestellte Klappe in das Haar eingeflochten. Während des Schlafes oder sonst bei Gelegenheiten, bei welchen diese Haarfrisur in Gefahr kommt, zerstört zu werden, werden diese Klappen durch ein Tuch gegen den Kopf angezogen und bedeckt und dienen so zum Schutze des Ganzen. Die Gesichtszüge der Eingeborenen sind hier entschieden intelligenter und ansprechender als die der Misangas. Während unseres Aufenthaltes in Bomudali kamen auch einige Bomabassa-Leute, welche, aus ziemlicher Entfernung kommend, mit den Bomudali-Leuten in Handelsbeziehungen stehen. Dieselben zeichneten sich durch eigentümlich blaue Tättowierung auf der Stirn und der Oberlippe aus. Im großen und ganzen schien die Bevölkerung den Weißen gegenüber sehr scheu und furchtsam zu sein.
Ein merkwürdiges Stück, welches ich hier erstand, aber später auf meinen Reisen zerbrach, möchte ich hier erwähnen, da es ethnologisch von Interesse sein mag, nämlich eine Flöte, die einzige, welche ich je in diesen Gegenden gesehen. Das Instrument war aus einem mir unbekannten hohlen Pflanzenstengel hergestellt und hatte ungefähr die Form der in Deutschland allgemein verbreiteten Blechflöten.
Da Herr Langheld mit den Einrichtungen in seiner Faktorei so weit fertig war, konnten wir am Morgen des nächsten Tages unsere Reise den Dja weiter hinauf fortsetzen. Gegen 8 Uhr verließen wir am Morgen des 16. Oktober Bomudali und dampften auf das Dorf des im Dja von seinen sämtlichen Nachbarn gefürchteten Häuptlings Lobilo zu. Die Scenerie war fast dieselbe wie am Dja unterhalb Bomudali, die Vegetation wohl etwas üppiger und die Ufer, besonders in der Nähe des Dorfes Lobilos, etwas höher. Schon vom Dampfer aus konnte man die vereinzelt stehenden Kickxien sehen, besonders als wir uns dem Dorfe Lobilos näherten. Lobilo hatte schon von unserem beabsichtigten Besuche Kunde erhalten, so daß uns, als wir sein Dorf erreichten, eine große neugierige Menschenmenge empfing. Unterwegs hatten wir verschiedene Dörfer passiert, welche infolge der Erpressungen dieses Negerhäuptlings verlassen waren, und was war nun schließlich seine Macht? Etwas anderes als Hinterlist konnte es nicht sein. Als wir in sein Dorf kamen, saß er versteckt in einem der Palaverhäuser und zitterte am ganzen Körper, als wir ihm zur Begrüßung die Hand gaben; wahrscheinlich hatte er wieder ein böses Gewissen. Man sah dem Kerl in diesem Augenblicke übrigens so recht den feigen Schurken an. Für jeden, der ihm gegenüber etwas imponierend auftreten kann, ist dieser Feigling meiner Meinung nach wenig gefährlich. Viel mehr als Lobilo interessierte mich das Dorf, denn für ein Fan-Dorf in der Ngoko-Region ist dieses ganz abnorm gebaut und dürfte wohl einzig im ganzen Bezirke dastehen. Zunächst ist das ganze Dorf von einem hohen Lattenzaune umgeben, welcher etwa ein Quadrat bildet; der Zugang in das Dorf hinein ist nur durch die vollständig dunklen Palaverhäuser möglich, deren Eingang so schmal ist, daß man nur mit Mühe sich hineinzwängen kann. Beide Palaverhäuser waren durch viele Schichten von Baumstämmen befestigt. Die Hütten, welche zwar nach Art der Fans sich an einer einzigen Straße entlang hinzogen, waren auch stärker gebaut, als man sie gewöhnlich im Ngoko sieht; außerdem standen hinter denselben noch kleinere Hütten und Vorratshäuser, welche ich sonst auch nirgends beobachtet hatte. Die unten beschriebene Haartracht war bei den Weibern die allgemeine, die Männer hatten vorn und hinten das sonst nicht weiter frisierte Haar in einen oder zwei steife, abstehende Zöpfe geflochten. Außer Perlen und einigen Arm- und Fußringen sah man von Schmuck selten etwas. Die Bekleidung bestand bei den Männern in einem kurzen, weiten Basttuche, bei den Weibern in einer Schürze aus demselben Stoff, der übrigens vor seinem Gebrauche mit zerpulvertem Rotholz und Fett beschmiert wird.
Ich machte eine kurze Exkursion, um die Natur des Waldes hier kennen zu lernen, und hörte von Herrn Langheld, als ich zurückkehrte, daß einige Pygmäen, hier Badjiris genannt, sich im Dorfe Lobilos befänden. Da mir Dr. Plehn viel von diesem Zwergvolke, das sich nach Angaben der Eingeborenen Bakolos nennt, erzählt hatte und ich bereits häufig verlassene Hütten herumziehender Trupps im Urwalde angetroffen hatte, so war ich natürlich begierig, dieses interessante Völkchen selbst näher kennen zu lernen. Auf meinen Wunsch ließ Lobilo die Leute heranholen. Es waren drei Männer, welche ich hier sah. Dieselben waren durchaus nicht übermäßig klein, wenn auch unter mittelgroß, aber merkwürdig robust gebaut. Ihr Blick war äußerst scheu und listig, doch lag dessenungeachtet keine Falschheit darin. Merkwürdig für einen Neger war der Bart, welchen ein jeder dieser Männer hatte, da er bis auf die Brust reichte. Wie mir Dr. Plehn erzählte, waren sämtliche Bakolos, welche er auf seiner Reise nach Djimu näher zu beobachten Gelegenheit gehabt hatte, bartlos; ich erwähne dies, da auch die Mehrzahl der Männer, welche ich später sah, sich durch einen für einen Neger merkwürdig üppigen Bartwuchs auszeichnete. Dr. Plehn gebührt die Ehre, die ersten sicheren Nachrichten über das Vorhandensein dieses Zwergvolkes in seinem Bezirke gegeben zu haben. Unter seinen ethnologischen Aufzeichnungen zeigte er mir sehr viel Notizen über diese Leute, auch eine kleine Sammlung von Wörtern ihrer Sprache. Er hatte auch bis zu dem Augenblicke, als wir uns am 14. Oktober am Bumbe trennten, nur Männer der Badjiris gesehen; die Weiber waren stets zur Zeit entflohen. Lobilo hatte diese Männer für sich gewonnen, um durch sie Elefanten jagen zu lassen, denn das ist ihre Hauptbeschäftigung; auch sollen sie dabei eine solche Gewandtheit haben, daß es ihnen mit ihren Lanzen immer gelingt, so viel Elefanten zu erlegen, daß es ihnen nie an Fleisch mangelt. Wie mir Plehn mitteilte, schreiben die Fan-Stämme dem letzteren Umstande es zu, daß die Bakolos Menschenfleisch verschmähen.
Nachdem Herr Langheld mit Lobilo noch die Geschenke ausgetauscht hatte, dampften wir kurz nach Mittag weiter. Nach etwa zweistündiger, ziemlich eintöniger Fahrt erreichten wir die Mündung des auch noch vollständig unerforschten Kudu-Flusses und das dicht dahinter am Dja liegende Dorf N’goala, welches das Endziel der jetzigen Flußfahrt sein sollte. Nach Dr. Plehns Angaben dürften die großen Schnellen, für welche er den Namen Carnap-Schnellen, zu Ehren des Herrn Oberleutnants v. Carnap-Quernheimb, welcher zuerst bis in die Südostecke Kameruns vordrang, gewählt hatte, noch drei bis vier Stunden Dampferfahrt oberhalb des Dorfes N’goala gelegen sein. Da wir einige Zeit hier vor N’goala liegen bleiben wollten, so benutzte ich die Gelegenheit, ein auf der anderen Seite des Kudu eine halbe Stunde Weges im Innern gelegenes Dorf zu besuchen. Zusammen mit dem Kapitän des Dampfers, einem Skandinavier, machte ich mich in Begleitung eines Führers aus dem Dorfe N’goala und einiger Eingeborenen vom Dampfer aus auf den Marsch. In einigen kleinen Canoes setzten wir über den Kudu und traten dann in den Wald ein, der trotz seines feuchten Bodens doch zahlreiche Kickxien enthielt. Unterwegs erzählte mir der Führer von N’goala, daß ein Lager der Bakolos in der Nähe sei. Eine solche Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen; meinen Leuten möglichst leises Gehen gebietend, marschierte ich mit dem Führer voraus und bog mit ihm von dem Wege ab in den Wald ein. Es gelang uns auch wirklich, unbeachtet an das Lager heranzuschleichen, welches auf einer kleinen Erhöhung lag. Ich stürmte dann plötzlich vor und stand nun zum großen Schrecken der Bakolos unter ihnen. In heilloser Furcht ergriff alles die Flucht, denn einen Weißen hatte wohl noch keiner von ihnen gesehen. Es gelang uns aber doch, einige Männer und zwei Weiber zu halten und schließlich so weit zu beruhigen, daß sie mir sogar eine ihrer Elefantenlanzen verkauften. Die Weiber waren noch kleiner als die Männer und hatten recht häßliche Gesichtszüge. Die Hütten hatten die Form einer hingestreckten Viertelkugel und standen im Kreise herum; sie waren nur groß genug, daß etwa zwei Personen Platz darin hatten. Als nun auch die übrigen Leute herangekommen waren, setzten wir den Marsch nach dem Dorfe im Innern fort. Unser Führer schien ein recht verständiger Bursche zu sein; als wir uns dem Dorfe näherten, gebot er den Leuten, sich möglichst leise heranzuschleichen, da sonst die Eingeborenen fliehen würden, denn einen Weißen hätten auch diese wohl kaum gesehen. Auch hier gelang es uns, bis zum Dorfe vorzuschleichen, ehe wir bemerkt wurden. Dann erhob sich plötzlich das Geheul der Weiber, als sie uns erblickten. Ich rief den Leuten zu, sie sollten nur beruhigt sein, denn ich sei nur gekommen, um ihr Dorf zu sehen und Hühner von ihnen zu kaufen. Die Weiber, welche entflohen waren, kamen auch wieder, als sie sahen, daß wir uns mit den Männern ganz friedlich unterhielten; schließlich wurden sie sogar ganz dreist. Ich hatte nur wenige Tauschartikel mitgenommen, da ich glaubte, daß hier nicht viel zu kaufen sei; die Leute boten aber so viel an, daß ich ihnen den Vorschlag machte, bis zum Dja mitzukommen, wo sie am Dampfer einen besseren Markt finden würden. Mit einer ganzen Kolonne zogen wir dann zum Dampfer zurück, wo die Leute noch manches verkaufen konnten. Herr Langheld wollte durchaus noch wieder vor Anbruch des Abends bis Bomudali zurück; ich hätte mich gern hier noch unter dem Völkchen etwas länger aufgehalten, das einen viel intelligenteren und freundlicheren Eindruck machte als die Misangas am Ngoko. Kurz nach 4 Uhr traten wir nun die Rückfahrt an, welche bei der schnellen Strömung des Flusses nur die Hälfte der Zeit in Anspruch nahm als die Fahrt flußaufwärts. Vor Lobilos Dorf wurde nicht einmal angehalten. Schon bei eintretender Dämmerung warfen wir an der Bomudali-Faktorei Anker. Ich habe übrigens hier noch nachzuholen, zu erwähnen, daß Kopalbäume am Dja so weit in Menge am Flußufer vorhanden waren, als wir gekommen waren. Dr. Plehn erzählte mir auch einmal, daß er bei den Carnap-Schnellen beobachtet hätte, daß seine Soldaten auch dort ein Harz während der Nacht gebrannt, welches er für Kopal hielt. Es ist also wahrscheinlich, daß dieser Kopalbaum längs des Flusses noch weit hinaufsteigt. Interessant ist, daß man ihn sehr selten in weiterer Entfernung vom Flußrande findet.