Am Sonntag, den 7. Januar, ging ich nach Kriegsschiffhafen zu Herrn Friederici, um dort das Resultat der von mir gemachten Vorschläge betreffs Anpflanzung der Kickxien zu sehen. Zu meiner großen Freude standen die Pflanzen sehr gut, und, soweit bis dahin beurteilt werden konnte, bewährten sich die Vorschläge. Es waren beim Umpflanzen aus den Samenbeeten in den gelichteten Wald eine Anzahl von Pflanzen zu Grunde gegangen, besonders da, wo sich am Waldrande zwei scheußliche Unkräuter, eine Convolvulacee und eine Momordica, zeigten, welche mit großer Geschwindigkeit alles überwucherten und die kleinen Pflanzen erstickten. Bis dieselben angewachsen sind, wird es natürlich nötig sein, daß sie einigermaßen rein von Unkraut gehalten werden, damit letzteres nicht mehr die Oberhand über sie gewinnen kann. Herr Friederici war mit dem Gedeihen der Pflänzchen durchaus zufrieden. Die im Samenbeete zurückgelassenen Kickxien hatten sich natürlich viel besser entwickelt, da sie nicht durch das Umpflanzen in ihrem Wachstum gestört worden waren; einige derselben hatten eine Höhe von zwei Fuß erreicht. Eine Rundfahrt in der Kakaoplantage bewies, daß auch hier die schon günstigen Zustände sich immer mehr vervollkommneten. Die verschiedensten neuen Anlagen sind geschaffen worden. Besonders das Vorwerk „Wasserfall“ hatte seinen Anblick sehr verändert, da die Kakaopflanzen, welche ich damals dort gesehen, nun zu stattlichen Bäumchen herangewachsen waren, obgleich die spärlichen Regen, welche während meiner Abwesenheit gefallen, für die Entwickelung der Anlagen äußerst ungünstig gewesen waren. Am Abend noch kehrte ich wieder nach Victoria zurück, da ich am 8. Januar früh zur Moliwe-Pflanzung aufbrechen wollte.

Die „Cyclop-Grotte“ bei Kriegsschiffhafen.

Mit drei Trägern und meinen beiden Jungen, von denen der eine recht gut Deutsch verstand, brach ich am 8. Januar früh am Morgen auf. Ich fühlte mich ganz wohl und marschirte daher mit den Leuten ziemlich schnell bis zum Limbe-Vorwerk der „Victoria“-Pflanzungsgesellschaft. Hier befiel mich plötzlich ein starkes Unwohlsein, so daß ich gezwungen wurde, mich daselbst einige Zeit niederzulegen. Das starke Erbrechen schien fast ein Zeichen zu sein, daß ich mir ein heftiges Fieber zugezogen hatte. Doch gegen 2 Uhr am Nachmittag fühlte ich mich wieder wohl genug, um den Marsch fortsetzen zu können. Wir stiegen auf einem breiten, noch nicht ganz vollendeten Wege bis Boniadikombe am Fuße des Gebirges empor und marschirten dann von dort auf einem Waldwege bis zur Moliwe-Pflanzung, welche wir gegen 4 Uhr erreichten. Herr Stammler, welcher bereits von meiner beabsichtigten Ankunft benachrichtigt war, hatte schon alles so weit vorbereitet, damit wir zeitig von Moliwe nach Buëa am nächsten Tage aufbrechen könnten. Ich fühlte mich infolge des Marsches nach meinem kleinen Fieberanfall noch nicht recht wohl und ging daher zeitig schlafen, um am nächsten Tage für den anstrengenden Marsch nach Buëa frisch genug zu sein.

Da es am nächsten Morgen zu regnen begann, verschoben wir unseren Aufbruch bis um 10 Uhr. Um aber die Zeit bis dahin nicht zu verlieren, besichtigte ich die Plantage und vor allen Dingen die mit Kickxia bepflanzten Teile. Herr Stammler war ganz entzückt von den Resultaten, welche er erzielt hatte. Einige der ausgepflanzten Bäumchen hatten auch bereits eine Höhe von zwei Fuß erreicht. Fast möchte ich sagen, die Pflanzen standen hier noch besser als auf der Kriegsschiffhafen-Plantage. Unkraut kam hier weniger auf, da die Plantage nicht am Waldrande begann und daher weniger Sonne für die Unkräuter vorhanden war.

Als der Regen etwas nachgelassen hatte, brachen wir zusammen mit acht Trägern und unseren Jungen nach Boniadikombe auf. Von dort aus schlugen wir einen schmalen Pfad ein, welcher uns durch teilweise kultiviertes Gebiet und durch einige Dörfer hindurch, allmählich am Abhange des Gebirges ansteigend, oberhalb Bomana in den breiten Victoria-Buëa-Weg brachte. Gegen 1 Uhr erreichten wir ein Hotel, welches von einem unternehmenden Sachsen an der Buëa-Straße aufgebaut ist, um den ermüdeten Wanderern etwas Rast und Erfrischung zu bieten. Da Herr Stammler mit dem Besitzer dieses Hotels so wie so verschiedenes Geschäftliche abzumachen hatte (der Grund, auf welchem es aufgebaut ist, gehörte noch zur Moliwe-Pflanzung), so gaben wir unseren Leuten eine Stunde Ruhe, während welcher wir uns zum Mittagessen niedersetzten. Von dem Hotel „Sachsenhof“ bis zum Rande des Buëa-Plateaus hatten wir noch etwas über eine Stunde zu marschieren. Selten war mir ein Marsch so schwer geworden als dieser; offenbar hatte ich meinem nicht wieder ganz hergestellten Körper zu viel zugemutet, denn auch für einen gesunden Menschen ist dieser Marsch bis Buëa hinauf nicht gerade ein leichter Spaziergang. Sobald wir auf dem Plateau waren, fühlte ich frischen Mut. Schon nach kurzer Zeit sahen wir Buëa vor uns liegen und kamen endlich um 5 Uhr auf der Station selbst an. Hier bekamen wir von Herrn Leuschner unsere Zimmer wieder im Rekonvaleszentenhause angewiesen, wo wir uns denn gleich tüchtig reinigten und umzogen, denn von dem Marsche auf der staubigen Straße (es hatte zwischen Bomana und Buëa am Morgen nicht geregnet) waren wir von oben bis unten beschmutzt. Zum Abend waren wir von Herrn Gouverneur v. Puttkamer zum Essen eingeladen. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich Herr Gouverneur Köhler von Togo, welcher nach Kamerun berufen war, um den bald zur Erholung nach Europa zurückkehrenden Herrn Gouverneur v. Puttkamer zu vertreten, daß er mich auch in Togo in jeder Weise unterstützen würde, falls ich, den von Herrn Geheimrat Wohltmann und Herrn Bergassessor Hupfeld gemachten Vorschlägen folgend, auch eine kurze Bereisung des Misahöhe-Bezirkes unternehmen würde. Damals konnte ich mich noch nicht sicher für die Sache entscheiden, doch war schließlich das Versprechen des Herrn Gouverneurs Köhler der Hauptgrund, welcher mich veranlaßte, wirklich später zuzusagen.

Herr Geheimrat Wohltmann, Herr Bergassessor Hupfeld und Herr Stammler brachen bereits am nächsten Morgen auf, um nach der Lisoka-Plantage zu gehen, wo ich mit den Herren am folgenden Tage zusammenzutreffen versprach, da ich Herrn Gouverneur v. Puttkamer noch Bericht über die Sanga-Ngoko-Reise erstatten wollte.

Den Verabredungen gemäß brach ich am 11. Januar von Buëa auf, um Herrn Geheimrat Wohltmann nach Lisoka zu folgen. Auf einer breiten, schönen Straße, wie sie Herr Leuschner nach allen Richtungen von Buëa aus innerhalb seines Bezirkes hat anlegen lassen, stieg ich langsam von dem Buëa-Plateau herab und erreichte nach etwa 1½ Stunden das wundervolle Lisoka-Plateau, welches etwa 100 m unterhalb des Buëa-Plateaus liegt, also in einer Höhe, welche noch für Kakaobau geeignet ist. Das Plateau ist hauptsächlich mit Elefantengras bedeckt, in welchem sich kleinere Komplexe von Wald und vor allen Dingen viele einzeln stehende Bäume befinden, welche dann bei den Kakaokulturen gerade genügend Schatten für die Anlagen spenden. Bei dem Dorfe Moliko zweigte sich der Weg zur Plantage von dem Wege ab, welcher über Malende nach Mundame führt. In der Umgebung des Dorfes Moliko sah ich, kurz bevor ich die Lisoka-Plantage erreichte, an den größeren Baumstämmen Kautschuklianen, deren Früchte von den Eingeborenen als „Maniongo“ gegessen werden. Die Exemplare waren aber alle derartig von den Messern der Eingeborenen (Baquiris) bearbeitet, daß die herausträufelnde Milch eben noch für mich genügte, festzustellen, daß diese Art einen brauchbaren Kautschuk liefere. Offenbar ist dies dieselbe Pflanze, welche durch Dr. Preuß bereits als kautschukliefernd bezeichnet wurde. Als ich um 12 Uhr auf der Plantage eintraf, war kein Europäer anwesend. Die Eingeborenen, welche ich beim Hause fand, gaben an, daß die Europäer in einiger Entfernung augenblicklich dabei seien, eine neue Anlage zu schaffen, und liefen sogleich, um jemand herbeizurufen. Um 1 Uhr erschienen auch die zwei Herren, welche sich als Angestellte der Lisoka-Plantage vorstellten und mir mitteilten, daß Geheimrat Wohltmann und die übrigen Herren, welche unter Führung des Leiters der Plantage, Herrn Hilfert, die weiter gelegenen Gelände der Plantage zu besichtigen gegangen seien, gegen Abend zurückzukommen versprochen hätten.

Am Nachmittage streifte ich nun auf dem Gebiete der Plantage umher und hatte die Freude, zu sehen, daß hier viel Landolphien vorhanden seien. Herr Hilfert hatte Samen dieser Art ausgesät und ging mit der Absicht um, später die jungen Pflänzchen am Fuße der Schattenbäume auszusetzen. Der Kautschuk, welchen diese Art liefert, ist vorzüglich. Die Milch koaguliert sehr leicht und schnell sowohl durch einfache Erwärmung als auch durch Einfluß der Luft. Ich sammelte einige Früchte, um dieselben mit nach Victoria hinunterzunehmen, wo die Samen im botanischen Garten ausgesät werden sollten.

Gegen Abend trafen auch die abwesenden Herren ein. Es wurde nun beschlossen, am nächsten Tage früh von Lisoka aufzubrechen, um über Boanda und Buenga nach der Moliwe-Pflanzung den Berg hinabzusteigen.