Um 6 Uhr wurden die Anstalten zum Aufbruch begonnen; doch kamen wir nicht vor 8½ Uhr fort, da noch vieles zu regeln war und viele Lasten wieder gepackt werden mußten, außerdem die Leute mit dem Abbrechen des großen Zeltes, welches Herr Geheimrat Wohltmann von Buëa mitgenommen, noch nicht Bescheid wußten. Unsere Kavalkade bestand aus fünf Europäern (Herrn Geheimrat Wohltmann, Bergassessor Hupfeld, Herrn Stammler, Herrn Hilfert und meiner Person) und gegen 20 Eingeborenen. Herr Geheimrat Wohltmann und Herr Hilfert waren beritten. Das Dorf Moliko ließen wir rechts liegen und marschierten quer durch das Plantagengebiet, bis wir die Moliko-Muëa-Straße erreichten. Der Weg von Moliko bis zum Muëa-Marktplatze war vollständig eben und führte durch dieselbe Parkland-Formation, wie sie bei Lisoka so verbreitet ist. Vom Muëa-Marktplatze, auf welchem übrigens, noch vom letzten Markte herrührend, große Mengen von Schalen der Landolphia- (Manyongo-) Früchte umherlagen, führte der Weg mehr nach der Seeküste zu. Langsam stiegen wir tiefer hinab. Hier und dort zeigte sich zunächst häufiger Buschwald, aber doch noch recht viel Elefantengras. Das Terrain, über welches wir marschierten, bestand ausschließlich aus verwittertem Basalt, war also sehr fruchtbar. Hin und wieder traten steinigere Stellen ein, besonders an abschüssigem Terrain, wo der Regen die Humusschichten herabgespült hatte. Besonders häufig wurden diese steinigen Stellen, nachdem wir den Minya-Bach passiert hatten. Herr Stammler, welcher eine Stunde vor uns von Lisoka abmarschiert war, um die rechten Wege zu erkunden, wartete bereits einige Zeit auf uns, als wir gegen 10 Uhr im Dorfe Bomaka eintrafen. Von Bomaka bis Boanda, einem größeren Dorfe, hatten wir bloß einen Marsch von einer halben Stunde über ein zum Teil fruchtbares, wenig abfallendes Terrain. In Boanda, für welches wir eine Höhe von etwa 450 m über dem Meeresspiegel konstatierten, machten wir eine längere Ruhepause, um Mittag zu essen. Hier sahen wir übrigens einige Kokospalmen, die hier wohl die Grenze der Höhe erreicht haben dürften, in der sie noch gedeihen.
Um 12 Uhr brachen wir wieder auf. Der Weg von Boanda über Bokoba bis Dibanda war nicht schlecht und das Terrain teilweise noch gut; doch dann fiel der Berg ziemlich steil bis Buenga ab. Das Maultier, welches Herr Geheimrat Wohltmann geritten, konnte nur mit größter Mühe und Vorsicht hinabgeführt werden. Herr Hilfert kehrte von hier nach Lisoka zurück, um nicht seinem Pferde den Abstieg auf dem steilen Wege zuzumuten; außerdem war es schon 3 Uhr am Nachmittage, und er hatte einen weiten Weg vor sich, wenn er noch vor Nacht in Lisoka eintreffen wollte. In dem Walde, welcher nun das ganze Terrain bedeckte, fand ich auch wieder Landolphien, doch von Kickxia war nichts zu sehen. Es wäre mir besonders lieb gewesen, wenn ich die Kickxia auch in Basaltboden hätte nachweisen können. Da wir in Dibanda keinen Führer bekommen konnten, welcher uns bis Fuë führen sollte, so meldeten sich schließlich drei Weiber dazu, welche für sich ein kleines Geschenk beanspruchten. Allein fürchtete sich eine jede mit uns zu gehen. Der Abstieg von Dibanda bis Fuë, welchen wir in etwa 1¼ Stunden zurücklegten, betrug etwa 200 m. Von Fuë bis Buenga-Dorf, zum Unterschiede von Buenga-Markt, welches an der Küste an den Creeks liegt, die von N’Bamba zum Mungo führen, nahm der Marsch nur eine halbe Stunde in Anspruch. Unser Barometer gab für Buenga 190 m Höhe an. Da es zu spät war, um noch bis Moliwe weiter zu marschieren, so wurde beschlossen, in Buenga Nachtquartier zu machen. Für Herrn Geheimrat Wohltmann wurde das Zelt aufgestellt. Wir übrigen Europäer ließen unsere Feldbetten in einem geräumigen Hause der Eingeborenen aufstellen. Da wir heute einen langen Marsch hinter uns hatten und auch am nächsten Tage sehr zeitig weitermarschieren wollten, so begaben wir uns bald zur Ruhe, trotz des herrlichen, mondhellen Abends. Die Togo-Leute, welche Herr Stammler als Träger mitgenommen, führten noch bis tief in die Nacht hinein unter großem Lärm Tänze auf, welche uns doch nicht abhalten konnten, sehr bald fest zu schlafen.
Gegen 7½ Uhr setzte sich unsere Karawane wieder in Bewegung. Der Weg war so steinig, daß wir mit unseren schwerbepackten Trägern langsamer marschieren mußten. Viele Strecken dieses Terrains dürften infolge des mit Basaltgeröll zu stark durchmischten Bodens für Kakaopflanzungen ungeeignet sein. Unsere Reiseroute ging von Buenga in ziemlich direkter Richtung auf das Haus der Moliwe-Pflanzung zu, auf deren Gebiete wir uns bereits befanden. Da wir in rechtem Winkel zur Richtung der Wasserläufe vorgingen, welche vom Gebirge kamen, so hatten wir eine ziemliche Zahl von Bächen zu durchschreiten, welche sich übrigens alle durch sehr felsige Läufe und kristallklares, sehr kaltes Wasser auszeichneten. Der Ombe war der bedeutendste derselben. Wir passierten ihn dicht hinter dem Dorfe Bonjo, einem kleinen, unbedeutenden Weiler, welcher von Baquiris bewohnt wird. Vom Ombe-Flusse ab änderte sich die Gestaltung der Bodenverhältnisse allmählich wieder. Das Geröll verschwand mehr und mehr und hörte endlich wieder ganz auf, als wir den Moliwe-Bach überschritten hatten, um nunmehr in ein herrliches, fruchtbares Thal überzugehen, in welchem Herr Stammler sich angebaut hatte. Herr Geheimrat Wohltmann und Herr Hupfeld waren beide sehr angenehm überrascht, als wir uns plötzlich in der Plantage befanden, deren Lage und Stand der Kulturen bei weitem die Erwartungen überstieg, welche beide Herren gehegt hatten.
Für den Rest des Tages blieben wir zusammen in Moliwe. Am Nachmittag besichtigte ich noch einmal gemeinsam mit Herrn Hupfeld die Kickxia-Anlage und die Arbeiterhäuser, welche hier auch recht nett eingerichtet waren. Herr Stammler hatte, da seine Arbeiter zur Hälfte aus Togo-Leuten, zur anderen aus Balundus vom Elefantensee sich zusammensetzten, zwei große Arbeiterhäuser gebaut, um die sich schlecht vertragenden beiden Völker getrennt zu halten. Togo- und Balundu-Leute durften auch nicht zusammen arbeiten, da sonst zu leicht Streitigkeiten ausbrachen. Es war hier entschieden in der kurzen Zeit seit der Einrichtung der Plantage sehr viel geleistet worden, besonders wenn man in Betracht zieht, daß Herr Stammler zuerst weiter unten, am Fuße des Gebirges, eine Anpflanzung begonnen hatte, wo ich ihn im April 1899 besucht hatte. Infolge vieler Schwierigkeiten, welche sich ihm damals dort unten entgegenstellten, hatte er seine Hauptpflanzungen dann an die Stelle hinauf verlegt, wo er zur Zeit seinen Wohnsitz aufgeschlagen. Da Herr Geheimrat Wohltmann und Herr Hupfeld noch am Abend des 17. Januar in Victoria eintreffen wollten, so reisten beide Herren bereits am nächsten Tage gegen Mittag ab. Ich selbst blieb noch bis zum andern Tage in Moliwe, wo ich am Nachmittage mit Herrn Stammler die Berechnung einer Kickxiaplantage aufstellte und einige Rundgänge in der Plantage machte, bei denen wir einige für neue Kakao- und Kickxia-Anpflanzungen in Aussicht genommene Lokalitäten besuchten. Ein Umstand, welcher übrigens das jetzige Centrum der Anlagen auf der Moliwe-Pflanzung besonders wertvoll macht, sind die äußerst günstigen Wasserverhältnisse, welche daselbst vorhanden sind. Der Moliwe-Bach, aus welchem sich eine sehr bedeutende Wasserkraft gewinnen ließe, windet sich in verschiedenen Bogen am Fuße des Hügels entlang, welchen Herr Stammler mit großer Umsicht für die Erbauung der für die Europäer bestimmten Häuser gewählt hat.
Am Morgen des 15. Januar folgte ich nun Herrn Geheimrat Wohltmann nach Victoria, um von dort aus mit ihm zusammen am 18. Januar einen nochmaligen Besuch auf der Kriegsschiffhafen-Plantage zu machen. Die Zwischenzeit von drei Tagen benutzte ich dazu, Vorbereitungen für die Bakossi-Expedition zu treffen, welche ich nun doch auszuführen beschlossen hatte, und im botanischen Garten noch einmal mit Ficus elastica Koagulationsversuche zu machen. Der Bezirksamtmann von Victoria war so freundlich, mir bis nach Buëa Leute des Bezirksamtes als Träger zur Verfügung zu stellen, was mir um so angenehmer war, als gar keine Träger sonst aufzutreiben waren, denn die Baquiris in Victoria zeichnen sich vor allen anderen durch Unmut zur Arbeit ganz besonders aus.
Am 18. Januar machte ich dann zusammen mit Herrn Geheimrat Wohltmann den verabredeten Besuch in Kriegsschiffhafen, wo auch Herr Hupfeld, welcher nach Kamerun gefahren war, über N’Bamba gegen Mittag eintraf. In den Saatbeeten, auf denen die nun acht Monate alten Kickxien standen, hatte sich auf diesen eine kleine Raupe ausgebreitet, welche, wie ich nachweisen konnte, von einem benachbarten Gemüsebeete hinübergewandert war und an den Kickxiablättern eine sehr bekömmliche neue Nahrung gefunden zu haben schien. Hoffentlich wird bei etwaigem Verpflanzen von Kickxien, welche von dieser Raupe befallen sind, darauf geachtet werden, daß die Tiere vorher abgenommen werden, damit sie nicht in die Kickxiabestände mit hinüber geführt und verbreitet werden. Obgleich ich nicht glaube, daß die Raupen, welche sonst nur auf niedrigen Kräutern auftreten, in den Beständen argen Schaden anrichten würden, so ist es doch immerhin wünschenswert, daß die Anlagen von Anfang an möglichst ungezieferfrei gehalten werden und darauf geachtet wird, daß nur wirklich gesunde Pflanzen dorthin verpflanzt werden.
Während Herr Geheimrat Wohltmann und Herr Hupfeld am 19. Januar eine Besichtigung des N’Bamba-Vorwerkes unternahmen, kehrte ich am Vormittage nach Victoria zurück, um noch die letzten Vorbereitungen für den am 20. Januar in Aussicht genommenen Aufbruch nach den Bakossi-Bergen zu vollenden.
Vom Bezirksamte war mir bis Buëa ein Pferd zur Verfügung gestellt worden, so daß ich den Marsch bergan mir ersparen konnte. Mit zwölf Trägern und meinen zwei Jungen war ich am Morgen des 20. Januar auch bereits um 6 Uhr unterwegs. Da einer der Träger, welcher schon vor Boana nicht mehr weiterkonnte, zurückgeschickt und seine Last auf die schon an sich schweren Lasten der übrigen verteilt werden mußte, machten wir nur langsame Fortschritte. Als wir dann gegen Mittag zum „Sachsenhof“ kamen, ließ ich Halt machen und erbat mir von den Wegebauern, welche daselbst ihr Lager aufgebaut hatten, einen Mann als Träger für den Nachmittag. Der Vorsteher des Lagers war so freundlich, mir sofort einen starken Mann abzugeben. Nachdem nun die Last des Trägers, welchen ich krankheitshalber am Vormittage zurückgeschickt hatte, wieder zusammengestellt war und ich meine Mahlzeit im „Sachsenhof“ beendet hatte, brachen wir wieder auf. Ein Missionar, welcher auf dem Wege nach Buëa war, gesellte sich nun auf dem Weiterritte zu mir. Da schließlich die Träger doch zu langsam marschierten, ritten wir voraus und erreichten gegen 3 Uhr das Buëa-Plateau. Auf einem mir bis dahin noch unbekannten Wege über Klein-Soppo kamen wir gegen 4½ Uhr auf der Station Buëa an. In dem Rekonvaleszentenhause bei der Familie Leuschner fand ich wieder Unterkunft. Meine Leute trafen dann kurz darauf mit meinen Sachen auch ein. Da ich die Träger von hier aus zurückschicken mußte, so sprach ich gleich mit Herrn Leuschner über die Möglichkeit, von hier bis Mundame neue Träger zu engagieren. Herr Leuschner war so liebenswürdig, zu den benachbarten Dörfern zu schicken, um Träger auftreiben zu lassen. Die ausgesandten Leute kamen gegen Mittag des nächsten Tages, eines Sonntages, zurück mit der Nachricht, daß zeitig am nächsten Montag die verlangte Anzahl von Trägern auf der Station erscheinen würde. Die prompte Regelung der Trägerfrage bei einem Volke wie die Baquiris war ein recht guter Beweis der Thatsache, daß Herr Leuschner es sehr gut verstanden hat, den Eingeborenen den nötigen Respekt vor dem Weißen beizubringen und überhaupt die Leute richtig zu behandeln. Es geht zugleich daraus hervor, daß bei einer solchen Behandlung selbst der Baquiri zu Arbeitsleistungen herangezogen werden kann, wie es allenthalben mit den geistig allerdings höher stehenden Völkern in Togo der Fall ist.
Ich benutzte den Sonntag zu einer Exkursion nach dem oberen Waldrande des Kamerun-Pieks, wo ich einige interessante Gewächse sammelte. Da die Träger erst gegen 7½ Uhr am 22. Januar eintrafen, so kamen wir erst gegen 8 Uhr fort. Um möglichst bald aufbrechen zu können, hatte ich die Lasten schon alle fertig auslegen lassen, so daß wir ohne weiteren Aufenthalt unseren Marsch antreten konnten. Auf dem schon früher beschriebenen Wege erreichten wir gegen 10 Uhr das Dorf Moliko, wo ich nur eine Rast von 10 Minuten machen ließ. Durch zum Teil unter Kultur stehendes Terrain marschierten wir dann, nachdem wir auch das Muëa-Dorf passiert hatten, bis nach Mamu. Zwischen Muëa und Mamu begann der Wald, welchen wir nun für lange Zeit zu durchziehen hatten. Äußerst interessant, und für einen etwa später in diesen Gegenden reisenden Botaniker eines längeren Aufenthaltes wert, ist eine breite Wiese, welche durch einen, sie in vielen Armen durchrieselnden Bach stellenweise etwa fußtief unter Wasser gesetzt ist. Vanilla africana wuchs in den Gebüschen am Rande dieser Wiesen allenthalben, leider ohne Blüten; häufig leisteten andere Orchidaceen, welche hier bis auf die Äste der kaum mannshohen Sträucher heruntersteigen, ihr Gesellschaft. Landolphien gab es im Walde auch hin und wieder, doch seltener mit dickeren Stämmen. Offenbar ist diese Gegend noch zu häufig von den Kautschuksammlern besucht, die alles anschneiden oder gar abschlagen, was sie an einigermaßen anzapfbaren Lianen sehen. Erst wenn eine solche Gegend dann derartig abgeerntet ist, daß sich das Kautschuksammeln kaum mehr rentiert, wird den Landolphien Zeit gelassen, wieder nachzuwachsen. Über die Art und Weise der Gewinnung der Latex, wenigstens die häufigste derselben, werde ich weiter unten noch Näheres zu berichten haben. Als wir das Dorf Mamu erreichten, wo die Eingeborenen eben dabei waren, ein größeres Stück Wald abzuschlagen und abzubrennen, gab ich den Trägern eine zweistündige Rast zum Essen. Während wir noch in Mamu waren, kamen einige Träger zu mir, um meine Erlaubnis zu erfragen, ob sie von dem nächsten Dorfe, Ekona, nach Buëa zurückkehren könnten. Natürlich gewährte ich den Leuten das nicht, sondern ließ die ganze Gesellschaft zusammentreten und notierte ihre Namen, um sofort zu wissen, wenn jemand etwa desertieren sollte, wer der Übelthäter sei; um aber das Desertieren zu verhüten oder wenigstens zu erschweren, ernannte ich einen Mann, welcher mir am meisten Achtung zu genießen schien und auch einen ganz intelligenten Eindruck machte, zum „Headman“ und erklärte ihm nun, daß ich ihm das Doppelte bezahlen werde, als vereinbart sei, er aber hafte mir dafür, daß niemand desertiere. Das machte offenbar einen Eindruck auf die Gesellschaft, denn, ohne noch einmal sich murrig zu zeigen, zog ein jeder mit seiner Last weiter, als ich das Zeichen zum Aufbruch gab. Da ich nicht gern sah, daß der „Headman“ auch eine Last zu tragen hatte, gab ich ihm die Erlaubnis, zu versuchen, für seine Last einen Träger zu engagieren. Auf diese Weise wurde es nun den Leuten klar, daß ich den Mann wirklich zum „Headman“ gemacht; ich möchte vorausschicken, daß ich meine Wahl sehr gut getroffen, denn der Mann bewährte sich vorzüglich und verstand es auch sehr gut, sich bei seinen Stammesgenossen in Respekt zu halten. Einen neuen Träger zu engagieren, gelang uns schon in Mamu. Auf dem Marsche hier hielt ich dieselbe Marschordnung ein wie schon auf der Yoruba-Expedition. Die sämtlichen Träger hatten vorzumarschieren, dann kam der „Headman“ direkt vor mir, welcher meine Büchsflinte zu tragen hatte, und hinter mir die Jungen mit einigen Kleinigkeiten, wie Regenmantel, Mütze, Feldflasche und Aneroid. Von Mamu bis Ekona führte uns ein kurzer Marsch. Da in Ekona die Kenntnis des Landes bei den Leuten aufhörte, so ließ ich den Häuptling rufen und veranlaßte ihn, mir bis zum nächsten Dorfe einen Führer gegen Bezahlung zu stellen; natürlich wurde die Bezahlung erst dann geleistet, wenn ich den Führer zurückschickte. Der gute Weg hörte in Ekona auf. Auf einem Waldwege über hügeliges und zum Teil recht felsiges Terrain marschierten wir weiter. Je mehr wir uns von Buëa entfernten, desto häufiger trafen wir Kautschuklianen im Walde, welcher übrigens hier lange nicht mehr den so üppigen Charakter trug wie an der Seeseite des Gebirges. Man konnte hier sehr leicht erkennen, daß die Niederschläge wesentlich geringere waren. Bis zum Dorfe Meandja hatten wir einen langen Marsch vor uns. Kurz bevor wir dasselbe erreichten, gelangten wir an den Meandja-Bach, an welchem die Üppigkeit der Vegetation wieder ihren Höhepunkt erreicht. Der nicht sehr tiefe Bach floß sehr schnell dahin und gewährte, wenn man an seinem Ufer stand, bei der Übergangsstelle einen der schönsten Anblicke, welche ich je von derartigen Scenerien genossen. Zum ersten Male sah ich hier, von den Bäumen am Wasserrande herunterhängend, die langen Zweige von Vanilla africana im schönsten Blütenflor. In Meandja ließ ich das Zelt aufschlagen, um für die Nacht daselbst zu bleiben, denn wir hatten für den ersten Tag einen schönen Marsch hinter uns. Bald hatten wir alles für die Nachtruhe hergerichtet, und die Leute saßen vergnügt am Feuer, sich ihres Lebens freuend; hatten sie doch tüchtig zu essen, das war ihnen die Hauptsache. Nachdem ich noch in dem krystallhellen, kühlen Wasser des Meandja-Baches ein Bad genommen, beschloß ich mein Tagewerk mit Erledigung der laufenden Arbeiten, wie Tagebuch schreiben und Pflanzen einlegen.
Schon zeitig hatte ich am nächsten Tage die Leute zusammenkommen lassen, um alles zum weiteren Marsche fertig zu machen. Das Zelt war schnell abgebrochen und die Lasten wieder fertig geschnürt. Schon kurz nach 6 Uhr konnten wir Meandja verlassen. Der Führer aus Ekona willigte ein, uns noch eine kleine Strecke weiter zu begleiten, da er in Mujuka Verwandte habe, welche er bei dieser Gelegenheit aufsuchen könne. Kurz hinter Meandja kamen wir wieder an einen Bach, welcher dem Meandja-Bach an Schönheit gleichkam; der Führer nannte ihn „Mupaba“. Langsam senkte sich das Terrain hier, meist in kleinen Terrassen, von denen eine der anderen folgte. In dem Walde, welcher dem bei Mamu glich, machte mich der Führer wiederholt auf Kautschuklianen aufmerksam; von Kickxia aber war noch nichts zu sehen, obgleich ich sehr eifrig danach ausschaute. Der Führer erzählte, daß ihm von einem Baume, welcher Kautschuk gebe, nichts bekannt sei; er kenne viele, die die weiße Milch geben, aber „Maniango“ sei das nicht. Kurz nachdem wir wieder einen Bach, den Sope, überschritten hatten, dessen Wasserfläche mit den weißen Blüten des schönen, hier in allen Gebirgsbächen häufigen Crinum natans dicht bedeckt war, erreichten wir das Dorf Mujuka. Durch Vermittelung unseres Ekona-Führers gelang es uns bald, in Mujuka einen neuen Führer zu bekommen, so daß wir ohne großen Zeitverlust weitermarschieren konnten. Es war sehr gut gewesen, daß ich so vorsichtig war, einen Führer zu nehmen, denn gleich hinter Mujuka begann ein dichter Wald, in dem sich so viele Wege kreuzten, daß wir sicher nicht zurechtgefunden hätten. Schon von Meandja an hatten wir viele Elefantenspuren gesehen; hier im Mujuka-Walde gab es deren noch viel mehr, wir stießen wiederholt auf Spuren, wo die Leute behaupteten, daß Elefanten eben vor unserer Ankunft geflüchtet sein müßten. Nach etwa 1½stündiger Wanderung hörten wir schon aus der Ferne das Getöse des Njoke-Baches, der dicht bei dem Dorfe Njoke einen nicht unbedeutenden Wasserfall besitzt. Als wir schließlich dicht unterhalb des Falles an den Bach kamen, stellte sich heraus, daß derselbe nur in Canoes passierbar sei. Da auf dem anderen Ufer sich einige Leute mit Canoes befanden, so ließ ich dieselben anrufen und auffordern, die Expedition über den Bach zu bringen, was denn auch sofort geschah, wenngleich mit einigem Zeitaufwande, denn wir konnten in die kleinen Canoes nur immer drei Mann mit ihren Lasten unterbringen. Vermittelst langer Raphiablattrippen wurden die Canoes über den Bach gebracht. Da es viele Felsen gab, war es bei der starken Strömung erforderlich, daß stets einer der Eingeborenen dabei war, welcher das Wasser kannte. Nachdem wir aus dem ziemlich tiefen Thale des Baches herausgetreten waren, erreichten wir dann das Dorf Njoke, welches unter allen Dörfern, die ich auf der Reise bis dahin gesehen, das bedeutendste war. Zum ersten Male trafen wir hier auch Dualla-Händler an. Bei den Bewohnern von Njoke gewahrte ich eine allgemeine Furcht, auch sah man in dem großen Dorfe auffallend wenig Leute. Mich nach der Ursache erkundigend, erfuhr ich von den Duallas, daß die meisten Einwohner bei meiner Annäherung in den Busch geflohen seien; man hatte gehört, daß die Strafexpedition (unter Hauptmann v. Besser) bald erscheinen würde, und hielt allgemein die meinige dafür. Natürlich hatten die Gerüchte die Stärke meiner Expedition ungeheuer übertrieben und aus einigen Trägern mit roten Mützen sogleich eine Schar Soldaten gemacht. In Njoke ließ ich nur einen kurzen Aufenthalt machen, da ich mir vorgenommen, erst in Malende den Trägern Zeit zum Essen zu geben. Der Weg von Njoke bis Malende führte durch einen sehr interessanten, jedoch ziemlich trockenen Urwald, in dem es sehr viele Elefanten geben soll. Von Dr. Preuß war hier in diesem Walde die Kickxia elastica zuerst nachgewiesen worden. Da mir nicht besonders daran liegen konnte, die Kickxia an einem bereits bekannten Standorte nochmals aufzusuchen, so ließ ich, ohne mich weiter aufzuhalten, durchmarschieren. Landolphien gab es auch, doch schien denselben sehr nachgestellt zu werden; nicht selten sah man von den Bäumen Stammstücke derselben herunterhängen, deren unteres Ende, soweit die Leute mit ihren Haumessern hinaufreichen konnten, abgeschlagen war. Gegen 1 Uhr trafen wir bei der von der Soppo-Plantage aufgestellten Hütte ein und kurz darauf im Dorfe Malende selbst, wo wir uns unter einem Mangobaume lagerten.