Die in der Nähe von Malende von Dr. Preuß nachgewiesenen Kickxiastämme waren von Herrn Günther von der Soppo-Plantage, wie behauptet wurde, pachtlich erworben und zu ihrer Bewachung ein Eingeborener nach einer kleinen Faktorei in Malende geschickt worden. Um die Stämme kenntlich zu machen, soll ein jeder damals mit einer kleinen Blechmarke versehen worden sein. Eine plötzliche Abberufung des Herrn Günther hatte eine vollständige Vernachlässigung des Malende-Unternehmens zur Folge gehabt, welches, wenn auch nicht in der von Herrn Günther ausgeführten Art, doch zu einem sehr guten Resultat geführt haben könnte. Es ist sehr zu hoffen, daß dieser Sache bald wieder mehr Interesse entgegengebracht wird, bevor die Eingeborenen die bei Malende vorhandenen Stämme sämtlich umgeschlagen haben.
In dem Dorfe, aus dem übrigens auch die größere Menge der Einwohner entflohen war, ließ ich nun eine zweistündige Mittagsrast machen. Glücklicherweise hatte ich zum Tauschhandel hauptsächlich Tabak mitgenommen, welcher hier einen reißenden Absatz fand. Für ein jedes Blatt konnte ich ein Ei kaufen, für ein „head“ ein Huhn. Die Duallas, deren Einfluß übrigens hier sehr bedeutend zu sein scheint, kamen alle sogleich nach meinem Lagerplatz und boten ihre unterthänigsten Dienste an; ein jeder glaubte, schon dafür einige Blätter Tabak geschenkt zu bekommen. Als die Herren aber sahen, daß sie sich in der Hinsicht in meiner Person geirrt hatten, zogen sie sich allmählich wieder zurück, mit Ausnahme einiger weniger Unverschämter, welche mir wie die Hunde auf Schritt und Tritt folgten. Als schließlich von diesen auch der furchtsame Häuptling des Dorfes herangeschleppt wurde, forderte ich letzteren auf, mir bis Bakundu einen Führer zu stellen. Er kam zwar anfangs mit einigen Ausflüchten, welche ich nicht anerkennen wollte, bis ich ihm ein Blatt Tabak schenkte, welches nun plötzlich Freundschaft zwischen uns schuf. Nicht nur ging er, einen jungen Mann, welchen er seinen Sohn nannte, als Führer herbeizuschleppen, sondern schickte mir sogar einige Hühner als „Dash“; der Landessitte gemäß schickte ich ihm auch einen „Dash“ bestehend aus 4 „head“ Tabak, worüber er sich so freute, daß er mir noch einen schönen Ebenholzstock brachte, für den er dann noch ein „head“ Tabak erhielt. Ich glaube, dieses „Dash“-Austauschen hätte sich noch weiter fortgesetzt, wenn ich ihm nicht hätte sagen lassen, daß er keinen „Dash“ mehr bringen solle, ich sei schon genügend von seiner freundschaftlichen Gesinnung überzeugt. Diese Dörfer Malende und Njoke, welche beide etwa gleich groß sind, sind sonst bei Besuchen der Europäer gewöhnlich nicht sehr zuvorkommend, doch hatte die Aussicht auf die herannahende Strafexpedition die Leute ganz aus dem Häuschen gebracht; es dauerte lange, ehe ich die Leute davon überzeugen konnte, daß sie von derselben garnichts zu befürchten hätten, da sie ja stets den durchziehenden Europäern gegenüber freundlich gesinnt gewesen seien. Unser Mujuka-Führer kehrte hier um.
Gegen 2 Uhr am Nachmittage brachen wir wieder von Malende auf. Der Wald war genau so beschaffen wie zwischen Njoke und Malende. Der Weg, welcher über ziemlich ebenes Terrain führte, war nicht schlecht. Nach etwa einer halben Stunde Wanderns sahen wir am Wege die ersten Kickxien. Es waren noch junge Pflanzen, welche etwa 8 Fuß hoch waren; von älteren Bäumen sah ich noch nichts. Wiederholt hatten wir kleine Bäche zu überschreiten, von denen aber keiner tief genug war, um uns irgend welche Schwierigkeiten entgegenzustellen. Schon um 4½ Uhr gelangten wir zum Dorfe Bakundu, das vollständig leer war. Die gesamte Einwohnerschaft war in die Wälder geflohen. Inmitten der breiten Dorfstraße ließ ich mein Zelt aufstellen. Die Häuser waren hier ganz anders gebaut als bei den Stämmen, durch deren Gebiete wir bis dahin gezogen waren. Sie waren sehr hoch und geräumig. Der ganze Unterbau bestand aus Lehmwänden, die Dächer waren aus Elaïsblättern hergestellt. In die Häuser hinein führten hohe, hölzerne Türme, an welche übrigens mit Kreide, wahrscheinlich von einem schriftkundigen Dualla, angeschrieben war, daß die Insassen vor dem Europäer in den Busch entflohen seien. Meine Jungen, welche diese Schrift lesen konnten und die Sachen übersetzten, freuten sich ungeheuer über diesen Einfall. In den Wald ließ ich nun wieder hineinrufen, daß ich in friedlicher Absicht gekommen sei, und die Bewohner auffordern, in ihre Hütten zurückzukehren; meinen Leuten verbat ich strengstens, sich irgend welchen Eigentums der Dorfbewohner zu bemächtigen. Die vom umherliegenden Walde aus ihren Verstecken uns beobachtenden Eingeborenen mußten sich wohl allmählich überzeugt haben, daß ich wirklich keine Feindseligkeiten im Schilde führte, und kamen einzeln, langsam und sehr scheu zurück. Als sich nun auch der Häuptling meldete, schenkte ich ihm, um mir das Vertrauen der Leute zu erwerben, einige Blätter Tabak, welche den erwünschten Erfolg auch erzielten. Bald wurden die Leutchen zutraulicher und kamen mit ihren Geschenken an, d. h. um auch von mir dafür ein Äquivalent in Empfang zu nehmen. Auch für meine Leute konnte ich genügend Planten (Kochbananen) erstehen, so daß ich hier nicht gezwungen war, mir selbst zu helfen. Hühner und Eier waren zu billigen Preisen in Mengen zu haben. Da diese mit Reis während meiner Expeditionen meine Hauptnahrung zu sein pflegten, machte ich natürlich ausgiebigen Gebrauch von dieser Gelegenheit, mich wieder zu verproviantieren. Die Weiber des Dorfes erschienen erst spät am Abend, da sie wohl noch immer gehofft hatten, daß ich abziehen würde. Allmählich hatte sich die ganze Bevölkerung bei meinem Zelte zusammengefunden. Fast wäre diese Harmonie durch einen kleinen Zwischenfall gestört worden. Einer der Leute des Dorfes wurde ertappt, als er eben eines unserer Beile stehlen wollte. Natürlich ergriffen ihn meine Leute sofort und wollten ihn tüchtig durchprügeln. Da ich befürchtete, daß es dadurch zu einer ernsteren Erregung bei den Eingeborenen kommen möchte, trat ich dazwischen und ließ den Übelthäter zu mir vors Zelt bringen. Bestraft mußte der Mann werden, das war unumgänglich notwendig, um neuen Diebstählen vorzubeugen. Vor dem versammelten Volke ließ ich dem Häuptling sagen, daß es mir leid thue, daß gerade hier bei ihm der Versuch gemacht worden sei, mich zu bestehlen. Ich stellte es ihm trotzdem frei, um ihm zu zeigen, daß ich Frieden wolle, den Mann selbst nach Landessitte zu bestrafen oder mir seine Bestrafung zu überlassen. Da der Häuptling mich bat, den Mann selbst zu bestrafen und sich auch die Eingeborenen damit einverstanden erklärten, ließ ich dem Missethäter zur großen Belustigung der versammelten Corona durch meinen „Headman“ eine tüchtige Tracht Prügel geben, welche auf ihn wohl nicht so demoralisierend gewirkt haben mag als die Verspottungen, denen er dann seitens seiner Stammesgenossen ausgesetzt war. Am Abend führten die Bakundu-Leute mir zu Ehren noch einen großen Tanz auf, der bis tief in die Nacht hinein dauerte, obgleich ich mich bereits lange vorher zur Ruhe begeben hatte.
Im besten Einvernehmen mit den Eingeborenen schieden wir am frühen Morgen des folgenden Tages von Bakundu. Der Häuptling hatte mir zwei seiner Leute als Führer mitgegeben, welche mich bis nach Mokonye bringen sollten. Nachdem wir kurz hinter Bakundu noch kleine Strecken kultivierten Landes durchquert hatten, traten wir bald in einen Urwald ein, welcher sich durch Reichtum an Kautschuklianen auszeichnete. Häufig sah man am Wege liegend die kleinen Häuflein von Landolphiazweigen, welche in etwa 2 Fuß lange Stücke geschnitten waren, um dann im Dorfe durch weiteres Zerschneiden und Auffangen der aus ihnen erhaltenen Milch zur Kautschukfabrikation gebraucht zu werden. Ich habe schon früher einmal dieses Frischbleiben der Milch dadurch zu erklären versucht, daß sich nach dem Anschneiden bald die geöffneten Milchkanäle durch die an der Luft bald koagulierende Milch verschließen und so eine Koagulation der im Innern der Zweige enthaltenen Milch verhüten. Auch Kickxia elastica war hin und wieder zu sehen, meist allerdings in kleineren Exemplaren. Die ersten umgeschlagenen Bäume sahen wir auch auf jenem Marsche. Dieselben waren in Abständen von etwa einem Fuße mit eingeschnittenen Ringen versehen, unter denen kleine Gefäße zum Auffangen der Milch aufgestellt worden waren. Das Terrain war nicht selten von tiefen Thälern durchschnitten, in denen während der Regenzeit Wasserläufe von nicht unbedeutender Stärke vom Gebirge herunterkommen sollen. Nach etwa einstündiger Wanderung gelangten wir nach dem Dorfe Bakumi, aus dem bei unserer Annäherung die sämtlichen Einwohner entflohen waren. Wir zogen hier nur hindurch, ohne uns überhaupt aufzuhalten. Der Urwald hinter Bakumi war dem zwischen Bakundu und Bakumi in jeder Beziehung gleich. Auch dort sahen wir wieder viele Landolphien und hin und wieder eine Kickxia. Die Leute, besonders der „Headman“, denen ich die Kickxia gezeigt hatte, bekamen bald einen scharfen Blick für dieselbe und machten mich immer auf die Bäume aufmerksam, wenn wir in ihre Nähe gelangten. Gegen 11 Uhr marschierten wir in einem Dorfe ein, welches unser Führer Batanga nannte. Ebenso wie in Bakumi waren die Hütten wieder denen der Baquiri ähnlich. Auch hier fanden wir kein lebendes Wesen im Dorfe, obgleich die noch rauchenden Feuer bewiesen, daß bis vor kurzem die Einwohner in ihren Hütten waren. Ich ließ die Leute, welche wahrscheinlich sich wieder im Walde in der Nähe versteckt hielten, durch Rufen auffordern, zurückzukehren, da ich Lebensmittel für meine Träger von ihnen kaufen wollte, anderenfalls sei ich gezwungen, meinen Leuten die Erlaubnis zu geben, sich selbst Planten abzuschlagen. Da schließlich niemand erschien, gab ich dem „Headman“ Erlaubnis, drei Büschel Planten abzuschlagen und unter den Trägern zu verteilen. Auch einige reife Kokosnüsse, deren es hier viele gab, ließ ich herunterholen, um die erfrischende Milch derselben zu trinken. Die schönen Bananenbestände bewiesen hier, daß die Umgebung sehr fruchtbar sei.
Trotz des Exempels, welches ich am vorhergehenden Abend hatte statuieren lassen, konnte einer der Träger doch nicht der Versuchung widerstehen, in einer Hütte eine Decke zu stehlen. Mein „Headman“, dem ich gedroht hatte, ihn zu bestrafen statt des Übelthäters, falls er mir derartige Vorkommnisse nicht sofort melde, zeigte mir prompt an, daß der Mann auf frischer That ertappt sei. Da gerade aus derartigen Kleinigkeiten, wie das Entwenden der Decke schließlich eine war, in einem Lande wie hier, wo die Eingeborenen immerhin in Erwartung der herannahenden Strafexpedition, deren wirkliche Ziele ihnen unbekannt oder unverständlich waren, ziemlich aufgebracht schienen, die unangenehmsten Feindseligkeiten entstehen können, ließ ich den Mann mit seiner gestohlenen Decke zu mir bringen, ihm erst die Decke abnehmen und schließlich eine tüchtige Tracht Prügel verabreichen. Als wir gegen 2 Uhr nachmittags, nachdem sich die Träger ordentlich satt gegessen hatten (denn die drei Büschel Planten waren für die Anzahl der Leute so reichlich bemessen gewesen, daß sie einen großen Teil der gekochten Nahrung in den Töpfen zurückließen), wieder zum Aufbruch fertig waren, hatte sich kein einziger der Einwohner des Dorfes sehen lassen. Fast befürchtete ich, daß die Leute etwas Schlimmes im Schilde führten, so merkwürdig ruhig war alles umher. Doch ohne irgend welchen Zwischenfall konnten wir unseren Marsch wieder fortsetzen. Kickxia war nun schon häufiger zu sehen, obgleich ein nicht geübtes Auge die häufig versteckten Bäume leicht übersehen mag. Der Wald zeigte eine recht üppige Vegetation, wie ich sie, seitdem wir aus der Basaltregion bei Nyoke herausgetreten waren, nicht wieder beobachtet hatte. Gegen 3½ Uhr erreichten wir das kleine Dorf Ediki, in welchem auch von Einwohnern nichts zu sehen war. Kurz vor dem Dorfe hatten wir auf einem Baumstamme den Ediki-Bach zu überschreiten. Ein langer Schwarm großer, dunkelbrauner Ameisen benutzte zu derselben Zeit den Baumstamm als Brücke. Meine Leute mit ihren nackten Füßen wurden von den gereizten Tieren furchtbar gebissen, so daß einige vor Schmerz entsetzlich heulten, besonders diejenigen, welche zuletzt den Stamm zu passieren hatten, nachdem der Schwarm immer mehr in Aufregung gebracht worden war. Selbst ich fühlte viele Bisse an den Beinen, obgleich meine Schuhe noch durch dicke Ledergamaschen geschützt waren; allenthalben, wo es nur eine Öffnung gab, schlüpften die Tiere hindurch, um ihre Wut an dem bloßen Fleische auszulassen.
In Ediki wollten die Führer für die Nacht bleiben, da Mokonye nach ihrer Angabe zu weit entfernt sei, um den Marsch dorthin noch an demselbigen Tage machen zu können. Da ich diesen Angaben nicht traute, zwang ich die Leute, weiter zu marschieren. Der Weg bis nach Mokonye war nun allerdings der schlimmste Teil des Weges, den wir bisher gewandert. Abgesehen davon, daß es einen Hügel nach dem anderen hinauf- und hinunterging, hatten wir für eine geraume Zeit in einem Bache zwischen Felsen hindurchzuwaten, und zwar häufig über so schlüpfriges Terrain, daß sich verschiedene Träger mit ihren Lasten plötzlich ins Wasser setzten. Nicht selten war auch der Weg in jener Schlucht durch umgestürzte Baumstämme derartig verbarrikadiert, daß wir gezwungen waren, uns mit unseren Haumessern einen Weg zu bahnen. Jetzt konnte ich natürlich auch die Abneigung der beiden Führer gegen dieses Stück Weges verstehen. Allem Anscheine nach wird dieser Weg von Ediki nach Mokonye selten benutzt. Wie ich auch später in Erfahrung bringen konnte, geht von Ediki ein Weg zum Mungo hinunter, von wo aus der Verkehr bis Mundame nur in Canoes vor sich geht. Nach etwa dreistündiger Wanderung erreichten wir wirklich, gehörig durch diese Klettereien ermüdet, mit eintretender Dunkelheit Mokonye, wo die an den Anblick des Europäers bereits sehr wohl gewöhnten Eingeborenen uns mit großem Geschrei empfingen. Die Preise für einige Lebensmittel, welche ich hier in Mokonye für mich und meine Leute erstand, zeigten uns, daß wir nun nicht mehr weit von den europäischen Niederlassungen bei Mundame waren, wo die Mokonye-Leute bei den dortigen Weißen einen guten Absatz für ihre Erzeugnisse finden. Noch in der Dunkelheit mußten meine Träger das Zelt aufstellen und die Lasten darin unterbringen, da ich den als Spitzbuben bekannten Mokonye-Leuten nicht Gelegenheit geben wollte, sich an meinen Sachen zu vergreifen.
Am frühen Morgen des 25. Januar waren wir bereits wieder auf dem Marsche nach Mundame zu, wo ich die Absicht hatte, die Jantzen-Thormählensche Plantage aufzusuchen. Nach Angaben der Eingeborenen sollte Mundame noch einen kleinen Marsch entfernt liegen. Dicht hinter Mokonye gelangten wir auf einen schönen breiten Weg, welcher Mundame mit Johann-Albrechts-Höhe, der Station am Elefantensee, verbindet. In den Wäldern sah ich zu meiner Freude, daß die echte und die falsche Kickxia, beide, vorhanden waren, und zwar, wie mir schien, auf Basaltboden wachsend. Etwa eine knappe halbe Stunde hinter Mokonye erreichten wir das sogenannte „Mokonye-Niggerdorf“, welches nur aus wenigen Hütten bestand. Ohne Aufenthalt marschierten wir weiter. Nach kurzer Zeit lichtete sich der Wald vor uns, und wir betraten bald eine recht sauber gehaltene Kakaoplantage, in der ich, da keine zweite derartige Anlage in der Gegend vorhanden ist, die Jantzen-Thormählensche Besitzung vermutete. Ich hatte mich auch nicht getäuscht, denn bald darauf kamen die Arbeitshäuser und dicht dahinter die Wohnung eines Europäers zum Vorschein, in der ich dann auch Herrn Schubert, unter dessen Leitung die Plantage damals stand, begrüßen konnte. Mit seiner Genehmigung ließ ich nun sogleich mein Zelt aufschlagen und richtete mich zu einem eintägigen Aufenthalte ein, da mir nicht daran lag, in Mundame selbst bis zu meiner Weiterreise zu verbleiben, denn hier konnte ich in den Wäldern entschieden mehr für die Ausführung meiner Aufgaben thun, als in Mundame. Meine Träger, deren Kontrakt nun gewissermaßen abgelaufen war, löhnte ich noch am Vormittage ab und schickte dieselben dann sogleich nach Buëa zurück. Da es unter den damals bei Mundame herrschenden Verhältnissen unmöglich war, Arbeiter irgend welcher Art anzuwerben, kam es mir sehr gelegen, daß Herr Schubert sich bereit erklärte, mir für die Weiterreise ins Bakossi-Gebiet von seinen Bakundu-Arbeitern die nötige Anzahl als Träger zur Verfügung zu stellen.
Zu meiner größten Freude sah ich hier, daß Herr Schubert mit großem Geschicke die Plantage leitete, trotz der vielen entgegengesetzten Gerüchte, welche damals in Kamerun kursierten. Auch Kickxien gab es hier in ziemlicher Anzahl. Herr Schubert hatte sehr verständigerweise diese Bäume stehen lassen und auch Saatbeete zu neuen Pflanzungen angelegt, in denen die kleinen Pflänzchen prächtig standen. Die ursprünglich von Herrn Conrau angelegten Kakaopflanzungen waren zwar sehr unregelmäßig und gänzlich außer Reihen gepflanzt, doch hatte Herr Schubert da, wo die Bäumchen zu eng standen, die Bestände gelichtet und gereinigt, so daß auch jener Teil der Anpflanzungen nun einen günstigeren Eindruck machte. Die von Herrn Schubert angelegten Pflanzungen standen vorzüglich. Um meiner Sache ganz sicher zu sein, d. h. wirklich feststellen lassen zu können, daß Kickxia elastica hier in verwittertem Basalt wachse, entnahm ich an den Stellen, wo die Kickxia standen, einige Bodenproben, welche auch später von Herrn Geheimrat Wohltmann, dem ich dieselben vorlegte, als „schwerer verwitterter Basalt“ bezeichnet wurden. Das Vorkommen der Kickxia in diesen Gebieten ist deshalb von Wichtigkeit, da es beweist, daß der Baum auch auf Basaltboden gedeiht und guten Kautschuk giebt, denn einige kleine Proben, welche ich anfertigte, standen an Güte den Proben, welche ich im Ngoko-Gebiete hergestellt hatte, in keiner Weise nach. Die vorhandenen Stämme waren alle noch klein und schienen kaum älter als sieben Jahre zu sein, was dadurch erklärlich erscheint, daß auch jetzt noch in der Umgebung die Eingeborenen alle älteren Stämme, welche sie ausfindig machen können, zur Kautschukbereitung umschlagen. Kolabäume zeigte mir Herr Schubert auch in einigen Exemplaren. Die Eingeborenen sollen nach seiner Angabe auch dort die Samen dieser Bäume viel essen.
Am Nachmittage ging ich zusammen mit Herrn Schubert nach Mundame, um auch diesen Platz kennen zu lernen und in der Jantzen-Thormählenschen Faktorei daselbst für die Weiterreise Tabak zu kaufen, denn da ich nun durch die glückliche Lösung der Trägerfrage in Stand gesetzt worden war, sofort die Expedition weiterzuführen, wollte ich Gebrauch davon machen und sogleich am Morgen des nächsten Tages wieder aufbrechen. Da ich gesehen hatte, wie vorzüglich sich der Blatttabak als Tauschartikel bei den Eingeborenen bewährte, kaufte ich in Mundame alles auf, was ich davon erstehen konnte. Mundame ist eine kleine Handelsniederlassung der Europäer, welche aus wenigen Faktoreien besteht, die in der Nähe des alten, ziemlich elenden Dorfes Mundame angelegt sind. Da der Mungo bis hier hinauf während des ganzen Jahres für Canoes und während der meisten Monate auch für kleine Flußpinassen schiffbar ist, so daß die meisten Lasten und Waren auf dem Flußwege bis Mundame geschafft werden können, geht ein großer Teil der Produkte, welche aus dem Innern kommen, von hier aus auf dem Flußwege nach Kamerun hinunter. Fast alle kaufmännischen Unternehmungen gehen auch von hier aus ins Innere, so daß in dem sonst unbedeutenden Plätzchen stets ein ziemlich reges Leben herrscht. Auch zur Zeit meiner Anwesenheit in Mundame gab es nicht weniger als fünf Europäer dort, für einen kleinen Platz in ziemlicher Entfernung von der Küste in diesen Gegenden des Schutzgebietes eine erhebliche Anzahl. Am Abend kehrten wir noch zur Plantage zurück, wo ich durch meine Jungen schon einen Teil der Lasten für den bevorstehenden Aufbruch herstellen ließ.
Obgleich die Balundu-Träger, welche mir Herr Schubert freundlichst abgetreten hatte, schon zur frühen Zeit am nächsten Tage erschienen waren, ging doch das Packen der noch übrigen Lasten und das Abbrechen des Zeltes nur langsam von statten, da die Leute noch völlig ungeschult waren. So kam es, daß wir erst um 7 Uhr aufbrechen konnten. Auf dem mir bereits bekannten Wege marschierten wir bis Mokonye zurück, um dann die weiter nördlich verlaufende Straße nach Johann Albrechts-Höhe noch weiter zu verfolgen. In Mokonye nahm Herr Schubert, welcher mich bis dorthin begleitet hatte, Abschied von mir. Kurz nachdem wir das Hauptdorf Mokonye hinter uns hatten, durchzogen wir noch ein zweites Niggerdorf gleichen Namens, in welchem ich einen kurzen Halt machen ließ, da viele meiner Leute hier von Verwandten und Bekannten Geschenke an Eßwaren für den Weg mitbekamen. Den kurzen Aufenthalt benutzte ich dazu, die Einwohner zusammentrommeln zu lassen und ihnen eine Belohnung zu versprechen, falls sie während meiner Abwesenheit im Bakossi-Gebirge Kickxiafrüchte für mich sammeln würden. Zur Antwort erhielt ich hier, daß in der Nähe ihres Dorfes Kickxia nicht mehr vorhanden sei, da sie bereits alles zur Kautschukgewinnung ausgeschlagen hätten. Hier war also von den Leuten nichts zu erwarten. Bei den Eingeborenen heißt die Kickxia elastica „Fischunge“. Bald passierten wir noch zwei dicht bei einander liegende kleine Dörfchen und bogen dann hinter dem Fischemme-Bach von der Hauptstraße ab. Das Dorf Fikolomei, welches wir bald darauf erreichten, war beiderseits von kultiviertem Terrain umgeben, auf dem die Leute Erdnüsse, Bohnen und Bananen (Planten) anbauten. Auch Manihot utilissima war hin und wieder gebaut, schien aber nicht eine so begehrte Nahrung zu sein als die Bohnen und Planten. Auf den Feldern sahen wir hier häufig kleine [Fetischhäuschen], welche kaum zwei Fuß hoch waren; sie sind aufgestellt, um die Felddiebe fernzuhalten. Dicht hinter dem unter Kultur stehenden Gelände bei Fikolomei betraten wir einen dichten Wald von großer Ausdehnung, durch welchen wir eine gute Stunde zu marschieren hatten. Der Weg war in demselben sehr schlecht und allenthalben von darüber hinkriechenden Baumwurzeln bedeckt, so daß es nicht leicht war, auf die Umgebung zu achten, ohne über die Wurzeln häufig zu stolpern. Landolphien gab es hier sehr viele. Einige Häufchen frisch aufgestapelter Zweigstücke bewiesen, daß auch hier die Eingeborenen dieselbe Methode der Kautschukgewinnung haben wie die weiter südlich wohnenden Stämme. Den größten Kickxiastamm, welchen ich je gesehen, fand ich auch hier in dem Walde. Derselbe mußte bereits seit einiger Zeit gefällt worden sein, denn seine Rinde fing stellenweise bereits an zu verfaulen. Die herumgezogenen Ringe ließen dennoch deutlich erkennen, daß wir es mit einer Kickxia zu thun hatten. Nach meinen Schätzungen war der Stamm etwa 15 m lang und hatte da, wo er gefällt war, einen Durchmesser von drei Fuß. Gegen 10 Uhr gelangten wir an einen Bach mit felsigem Bett, welchen meine Träger Ngomolenge nannten, und kurz darauf erreichten wir eine kleine Ortschaft, welche den gleichen Namen führte. Dieselbe bestand nur aus drei Hütten; in einer derselben fanden wir ganz versteckt in einer Ecke ein altes Weib sitzend, von der wir schließlich erfuhren, daß die übrigen Bewohner ausgerückt seien, als wir erschienen. Da ich die Absicht hatte, hier mehr über das Vorhandensein der Kickxia in diesen Gegenden auszukundschaften, und zu diesem Zwecke die Leute sehen wollte, bestach ich die Alte mit einigen Tabaksblättern und forderte sie dann auf, die anderen Leute herbeizurufen. Es dauerte auch gar nicht lange, so war die ganze Gesellschaft friedlichst um uns herum versammelt, um uns alles mögliche für Tabak zu verkaufen, sogar Kautschuk brachten sie an. Als ich dann durch meine Leute fragen ließ, ob die Fischungepflanze denn in der Gegend viel vorhanden sei, und eine bejahende Antwort erhielt, forderte ich einen Mann auf, mich zu einigen hinzuführen, und siehe da, dicht bei den Hütten standen einige Exemplare. Ich erfuhr dann auch, daß hier die Bäume umgeschlagen würden, wenn sie stark genug seien, um genügend Kautschuk zu liefern. Als ich die Leute dann auffordern ließ, Früchte des Baumes für mich zu sammeln, versprachen sie, es zu thun. Bis um 12 Uhr verblieben wir in dem Dorfe, um dann trotz der drückenden Hitze den Marsch wieder aufzunehmen, denn ich wußte, daß wir durch einen dichten Urwald zu marschieren haben würden, in dem wir von der Sonne wenig merken konnten. Gleich hinter dem Dorfe begann der Wald. Kickxia sah ich auf diesem Marsche mehr als früher an irgend einem Platze, seitdem ich auf dieser Expedition war. Ich hatte meinen Trägern eingeschärft, möglichst auf große Stämme zu achten, so daß ich alle Augenblicke wieder auf solche aufmerksam gemacht wurde. Wiederholt schnitt ich die Bäume an und konnte stets guten Kautschuk aus der Milch gewinnen. Der Weg, auf dem wir marschierten, war in einem sehr schlechten Zustande, was noch um so unangenehmer wurde, da er fast gänzlich mit Achyranthes zugewachsen war, deren spitze Früchte uns bei jedem Schritt ins Gesicht schlugen, so daß ich häufig, meine beiden Arme vor das Gesicht legend, marschieren mußte, um mich einigermaßen zu schützen. Für die Träger mit ihren entblößten Oberkörpern muß dieser Marsch entsetzlich gewesen sein. Häufig machte die Vegetation über weite Strecken hin den Eindruck, als sei das Land vor Jahren kultiviert gewesen. Costus und Achyranthes, zwei Zeichen ehemaliger Kultur, waren in riesigen Mengen vorhanden. Hochwald, in dem wir ohne große Schwierigkeiten marschieren konnten, war nur strichweise anzutreffen. Die ganze Landschaft machte einen äußerst uninteressanten Eindruck, der für mich nur durch das Vorhandensein der Kickxia erträglich wurde. Nach dreistündiger, ununterbrochener Wanderung erreichten wir endlich zur großen Genugthuung der Leute unser nächstes Ziel, das Dorf Otam, das wohl nicht vorher von einem Europäer betreten worden war, wie überhaupt die Route, welche ich nach den Bakossi-Bergen eingeschlagen, bis dahin den Europäern unbekannt geblieben war. Hin und wieder hatten wir auch während des Nachmittags die von den Eingeborenen geschnittenen Landolphiazweige am Wege liegen sehen, welche uns bewiesen, daß auch hier die Eingeborenen viel Kautschuk bereiten. Da ich in Otam erfuhr, daß das nächste Dorf in sehr großer Entfernung liege, gab ich den Leuten die Erlaubnis, für die Nacht sich Lagerplätze zu suchen, nachdem sie mein Zelt aufgestellt hatten. Ich selbst machte einige Exkursionen, welche für mich äußerst interessant waren, da ich auch Exemplare der falschen Kickxia (K. africana Bth.) dabei fand. Den Eingeborenen waren beide Arten sehr wohl bekannt, dieselben hatten sogar verschiedene Namen; während, wie ich schon vorhin erwähnt, Kickxia elastica bei den Leuten „Fischunge“ hieß, führte Kickxia africana den Namen „Mukama“; die Leute waren sogar im stande, schon am Wuchs beide Pflanzen zu unterscheiden. Mir fiel hier übrigens auf, daß die Samen der Kickxia africana heller gefärbt sind als die der K. elastica.