Von Dibandjó bis Endumenui waren die sanft aufsteigenden Gelände hauptsächlich mit Elefantengras bedeckt, aus dem sich teils einzeln oder in Gruppen und kleinen Wäldchen Bäume erhoben. Zu unserem Glücke war der Berg, welchen wir hinter Endumenui zu erklettern hatten, dicht bewaldet, so daß die Sonne die mit ihrem schweren Gepäck langsam emporkletternden Träger nicht erreichen konnte. Dieser Aufstieg dürfte für meine Träger für denselben Tag zu viel geworden sein, hätten wir nicht das Glück gehabt, in den Bakossi diese Hülfe zu finden. Nach etwa einstündigem Emporsteigen gelangten wir auf die Ebene am Fuße des höchsten Kegels des Kupee-Berges, und bald darauf zogen wir in Nyassosso ein. Ich ließ sofort bis in die Nähe der Baseler Missionsstation marschieren und daselbst mein Lager aufschlagen. Herr Walker, der deutsche Missionar, welchen ich bereits von meiner Schiffsreise von Lagos nach Victoria her kannte, begrüßte mich auf das herzlichste. Ihm sowohl wie seiner Frau Gemahlin bin ich zu großem Danke verpflichtet für die Art, in der sie mir den kurzen Aufenthalt in Nyassosso so angenehm gemacht haben.

Von meinem Lager aus konnte ich den Kupee-Berg am Abend in seiner ganzen Pracht bewundern, als die Sonne unterging und ihren rötlichen Schimmer über das ganze Panorama warf. Der Berg ist bis zu seinem Gipfel dicht bewaldet und ähnlich wie der Kamerunberg kegelförmig aufgebaut. In den Wäldern giebt es noch viele Kautschuklianen, doch scheint Kickxia nicht über 500 m Höhe hinaufzusteigen. Meine Befunde über die Höhe von Nyassosso stimmten nach Aussagen der Missionare mit denen des Geologen Herrn Dr. Esch, welcher etwa zwei Jahre vor mir die Bakossi-Gebirge besuchte und auch den Gipfel des Kupee-Berges erstieg, ziemlich überein. Ich selbst hätte gern eine Besteigung des Berges unternommen, glaubte mich aber nicht in Nyassosso lange aufhalten zu dürfen, da ich noch vor Ende des Monats Februar von einer beabsichtigten Reise nach der Südküste des Kamerun-Gebietes zurückkehren mußte, um mit dem Dampfer am 4. März nach Togo zu reisen. Es wurde mir damals ordentlich schwer, von Nyassosso wieder abzuziehen, ohne die Bergbesteigung und eine kleine Expedition bis zur Grenze der Grasregion im Norden, welche nach Herrn Walkers Aussagen nur zwei Tagemärsche von Nyassosso beginnen soll, gemacht zu haben. Froh zog ich wiederum von Nyassosso weg, da ich mir sagen konnte, daß die Aufgabe, welche ich mir für die Bakossi-Expedition gestellt hatte, vollständig gelöst war. Ich hatte Kickxia bis in die Bakossi-Gebirge hinein nachweisen können und hatte auch Landolphien in mehr oder minder großen Quantitäten längs der ganzen Route gefunden. Daß die Gebiete am Fuße des Gebirges bei Mafura und Eko-Keyoke so günstige Bedingungen zur Anlage von Plantagen lieferten, war auch bis dahin nicht zu erwarten gewesen, wie ja überhaupt über jene Gebiete gar nichts bekannt war, da alle anderen Reisenden vom Wuri oder den Mungo-Fällen her auf einer ganz anderen Route in das Bakossi-Gebiet gelangt waren. Auch Herrn Walker, welcher bereits seit längerer Zeit in Nyassosso lebte, war die von mir eingeschlagene Route nicht bekannt. Gern hätte ich zu dem Rückmarsche einen von Conrau auf seiner Karte jener Gegenden aufgezeichneten und von ihm benutzten Weg längs des Mungo gewählt, mußte aber diesen Plan aufgeben, da ich keinen Eingeborenen finden konnte, der den Weg kannte.

Kickxia-Bäume in Mundame.

Am 28. Januar unternahm ich unter Führung des Herrn Missionar Walker noch einen kleinen Spaziergang, um die etwas unterhalb von Nyassosso liegenden Sägewerke der Station zu besichtigen, in denen das sämtliche Bauholz für die Bakossi-Mission geschnitten wird. Zur Herstellung von Brettern und Balken wurde hauptsächlich eine Terminalia-Art verwendet, welche sich durch besondere Härte ihres Holzes auszeichnen soll. Das Terrain auf dem Plateau, in welches wir hinabstiegen, war auch vorzugsweise mit Elefantengras bedeckt, aus dem sich verschiedene Bäume, einzeln oder in Gruppen, erhoben. Hier und dort sah man ausgedehntere Gebüsche, besonders in der Nähe der Waldungen. Auch hier im Bakossi-Gebiete haben die Eingeborenen die schlechte Gewohnheit, das Gras niederzubrennen, wenn sie ihre Pflanzungen anlegen wollen, ohne dabei die nötigen Vorsichtsmaßregeln zu treffen, so daß nicht selten Waldbrände vorgekommen sind, welche natürlich einen großen Schaden anrichteten, denn an Stelle der Wälder tritt an den abgebrannten Orten gewöhnlich das Elefantengras auf, das zu nichts nütze ist und nur das Ungeziefer der Umgegend anzieht.

Da ich keine Zeit zu verlieren hatte, brach ich schon früh von Nyassosso am 29. Januar auf, um auf demselben Wege, auf dem wir gekommen waren, wieder nach Mundame zurückzumarschieren. Meine Träger äußerten die Absicht, mit mir noch weiter zu ziehen, doch das ging nun einmal nicht, ich mußte umkehren. Hätte ich allerdings damals gewußt, wie lange ich noch an der Küste warten sollte, ehe ich nach dem Süden reisen konnte, so hätte ich sicher versucht, über Land nach dem Sanaga zu gelangen, um dann über Klein-Batanga längs der Küste nach dem Süden zu gehen.

Um 6 Uhr ließ ich schon von Nyassosso abmarschieren. Über Endumenui, Ngusi, Etó und Dibandjó marschierten wir, ohne uns irgendwo in diesen Dörfern aufzuhalten, direkt bis Eko-Keyoke. Vor Eko-Keyoke hatten wir den Ebury-Bach, welcher sich in einem großen Bogen dort dem Dorfe nähert, zu überschreiten. Derselbe erinnerte mich sehr lebhaft an den Meandja-Bach am Kamerun-Gebirge. In Eko-Keyoke ließ ich nur wenige Minuten rasten, da ich mit dem Häuptling noch über einige Dinge sprechen wollte. Durch das nur aus drei Hütten bestehende Dörfchen Dibara gelangten wir gegen 10½ Uhr wieder nach Mafura. Hier ließ ich nun eine Rast von drei Stunden machen, um die Leute für den langen Nachmittagsmarsch, welcher uns bevorstand, möglichst frisch zu erhalten. Es gab hier in Mafura übrigens derartige Mengen von Elefantenfliegen, daß ich nicht einmal mit Ruhe essen konnte, obgleich ich rings um meinen Tisch herum kleine Feuer hatte machen lassen, um durch den Rauch die Tiere möglichst zu verscheuchen. Leider half dieses Mittel aber nicht, so daß ich meine Arbeiten, mit denen ich die Lagerzeiten zu vertreiben pflegte, bis auf den Abend verschieben mußte. Auf dem Marsche durch die hinter uns liegenden Bakossi-Dörfer war mir übrigens damals aufgefallen, daß an jeder Palaverhütte zwei Elefanten-Unterkiefer lagen. Ich erkundigte mich in Mafura nach der Ursache dieser Sitte, konnte aber nichts über deren Bedeutung erfahren; offenbar haben dieselben etwas mit dem Fetischglauben der Leute zu thun. Am Nachmittage traten wir den Marsch durch den Urwald nach Otam an, dessen Länge uns ja bereits bekannt war. Bis zum Etinge-Bach befanden wir uns noch auf der wundervollen, fruchtbaren Ebene und gutem Wege, von da ab ging es stets über Hügel und die Thäler der kleinen Bäche. Der Abstieg zum Manya-Flusse machte uns besonders viel zu schaffen, da die Träger auf den mit Algen bedeckten Felsen leicht ausglitten und dann mit ihrer Last fielen. Etwa 1½ Stunde vor Otam passierten wir die verlassenen und in Zerfall begriffenen Hütten des ehemaligen Ortes Etamarca, dessen Einwohner nach Mafura gezogen sein sollen. Gegen Abend trafen wir in Otam ein. Ich ließ sofort mein Zelt aufstellen und begann dann mit einigen schriftlichen Arbeiten, welche bis tief in die Nacht hinein dauerten. Zu meinem Erstaunen wurden wir in der Nacht von Moskitos arg gepeinigt.

Am Morgen des 30. Januar brachen wir sehr zeitig von Otam auf, um durch den infolge der vielen Achyranthes-Büsche am Wege recht unangenehm zu passierenden Buschwald nach Ngomolenge zu gelangen. Die Namen der Bäche, welche wir passierten, sind nach Angaben der Eingeborenen Take und N’kobe. Die Leute von Ngomolenge, welche versprochen hatten, für mich Kickxiafrüchte zu sammeln, hatten bloß sechs derselben gefunden, statt dessen aber einige Kilo Kautschuk in der Zeit hergestellt, welche sie mir nun für Tabak zum Kaufe anboten. Natürlich waren sie sehr entrüstet darüber, daß ich den Kautschuk nicht nahm. Nach kurzem Aufenthalte zogen wir direkt bis Mokonye-Niggerdorf fort und erreichten die Mundame-Plantage am Nachmittage. Nachdem ich daselbst mein Lager wieder aufgeschlagen hatte, ging ich zusammen mit Herrn Schubert noch nach Mundame, um mich nach einer Gelegenheit zu erkundigen, ein Canoe zu besorgen, das groß genug sein mußte, meine sämtlichen Lasten zu befördern, da ich mich entschlossen hatte, auf dem Mungo die Rückreise nach Victoria anzutreten. Ohne etwas ausgerichtet zu haben, kehrten wir am Abend nach der Plantage zurück, um am nächsten Tage unsere Bemühungen zu erneuern.

Herr Schubert hatte, seinem Versprechen gemäß, während meiner Abwesenheit auf der Bakossi-Expedition in der Umgebung der Plantage Kickxiafrüchte für mich sammeln lassen, welche ich nun zur Küste mitzunehmen gedachte. Einschließlich der Samen, welche ich unterwegs gesammelt hatte, und der, welche mir die Eingeborenen von Ngomolenge besorgt hatten, konnte ich etwa 10000 Samen zur Küste mitnehmen.

Unseren eifrigen Bemühungen gelang es doch, am 31. Januar ein, wenn auch defektes, Canoe zu bekommen, mit dem ich es wagen wollte, die Rückreise anzutreten. Demgemäß brach ich am 1. Februar von der Plantage auf. Von Mundame konnte ich erst um 10 Uhr abfahren, da das defekte Canoe sich noch im letzten Augenblicke gegen ein besseres umtauschen liess. Ich hatte in dem Canoe nur sechs Ruderer, da man nur mit Not in Mundame vier Leute auftreiben konnte, welche einwilligten, mich bis N’Bamba zu bringen. Meine beiden Jungen mußten deshalb natürlich auch tüchtig helfen. Da der Mungo einen recht niedrigen Wasserstand hatte und deshalb die Strömung nur eine langsame war, wir außerdem noch wiederholt auf Sandbänke gerieten, dauerte die Fahrt länger, als ich gedacht. Erst gegen 2½ Uhr am Nachmittage trafen wir bei der Baseler Missionsstation Bakundu ein, welche nicht mit dem Bakundu zu verwechseln ist, das ich früher besucht hatte. Ich ließ den Leuten nun etwas Zeit zum Essen, während ich zur Station hinaufging, um den Missionaren Grüße aus Nyassosso zu überbringen. Von Bakundu bis Malende-Strand war die Fahrt erst recht unangenehm, da es hier noch viel mehr Sandbänke gab, als zuvor, auf die natürlich meine Leute, welche alle ungeübte Ruderer waren, mit tödlicher Sicherheit auffuhren, so daß ich sie immer wieder ins Wasser schicken mußte, um das Canoe wieder flott zu machen. Da die Früchte des Wollbaumes (Ceiba pentandra) gerade reif waren und die flockigen Samen zu Millionen vom Winde herumgetragen wurden, war stellenweise die ganze Wasserfläche von den Samen derartig bedeckt, daß man glauben mochte, man befinde sich vor einem Schneefelde. Die Eingeborenen sammelten, in kleinen Canoes umherfahrend, große Mengen dieser Flocken ein. Wie ich noch am Abend Gelegenheit hatte, zu sehen, fertigten sie aus denselben Kissen an, welche sich allerdings sehr gut gebrauchen ließen. Ob die Leute noch eine besondere Verwendung für die Samen haben, konnte ich während dieser sehr beschleunigten Flußreise nicht feststellen; da dieselben sehr ölhaltig sind, ließen sie sich eventuell zur Ölbereitung verwenden, besonders dort, wo sie, wie am Mungo, in riesigen Mengen mit Leichtigkeit aufgesammelt werden können. Erst mit eintretender Dunkelheit trafen wir in Malende-Strand ein. Da hier nur ein Haus mit drei Abteilungen stand, so war ich gezwungen, mit meinen Leuten eine derselben einzunehmen, denn ich wollte, um die damit verbundenen nicht unbedeutenden Umstände zu vermeiden, nicht erst mein Zelt aufschlagen lassen. Die in dem Hause wohnenden Eingeborenen mußten sich dann die beiden anderen Abteilungen teilen. Während der Fahrt von Mundame bis Malende-Strand hatte ich da, wo die Ufer etwas hügelig waren, einige Kickxien beobachtet und von einer auch einige Früchte herunterholen lassen. Auch Lianen, welche Kautschuk lieferten, kamen mir hin und wieder zu Gesicht, doch war die nicht brauchbare Landolphia florida vorherrschend.