Cocos-Palmen in Gr. Batanga.

Wie unser Kapitän versprochen, fuhren wir gegen Mittag am 19. Februar von Plantation ab. Bei Kribi dampften wir vorbei und warfen vor einer sehr kleinen Niederlassung, Wasserfall mit Namen, Anker. Von Kribi aus hatte man bereits den Dampfer bei Plantation gesehen und als den englischen erkannt, daher waren einige Herren zu Fuß von Kribi nach Wasserfall gelaufen, um dort ihre Post an Bord des Dampfers zu empfangen. Wir erhielten infolgedessen am Nachmittage reichlichen Besuch. Unter anderen erschien auch Herr Mager, der Vertreter des Herrn Küderling, welchen ich vor allen Dingen zu sehen wünschte, da es meine Absicht war, die Plantage der Firma Küderling & Co. in Campo zu besichtigen. Mit Herrn Mager arrangierte ich natürlich sofort das Nötige, um eventuell ohne Zeitverlust nach Campo zu kommen. Da Herr Mager noch am späten Abend an Land ging, verabredeten wir, daß wir uns am nächsten Tage in Groß-Batanga wiedersehen wollten, wo mich Herr Mager von dem Dampfer abholen sollte. Herr Meßner, der Vertreter der Firma Lübke & Co., war so freundlich, mir in Groß-Batanga in seinem Hause Unterkunft anzubieten.

Als ich am Morgen des 20. Februar erwachte, lagen wir bereits vor Groß-Batanga. Herrn Mager mit seinem Boote konnte ich auch kurz darauf erspähen. Schon um 7 Uhr fuhr ich mit dem Schiffsdoktor und Herrn Mager an Land, wo ich mich der Verabredung gemäß bei Herrn Meßner einquartierte. Groß-Batanga hatte ich schon früher einmal, als ich auf der Reise nach dem Congo war, betreten, doch jetzt entrollte sich vor meinen Augen ein ganz anderes Bild als damals, als ich nur für eine Stunde in der Woermannschen Faktorei mich aufgehalten hatte. Erst jetzt lernte ich die verschiedenen Faktoreien kennen, von denen allerdings die, in der ich wohnte, die stattlichste und bedeutendste schien. Am Nachmittage machte ich mit Herrn Mager und Herrn Meßner einen Rundgang längs des Strandes in den verschiedenen Faktoreien. Wir hatten beschlossen, noch am Abend desselben Tages nach Campo aufzubrechen, mußten diesen Plan aber aufgeben, da die zu diesem Zwecke engagierten Leute nicht erschienen. Um denselben Übelstand am nächsten Tage zu verhüten, ließen wir den alten Häuptling des Dorfes bei Groß-Batanga rufen und trugen ihm nun ernstlich auf, bei Zeiten für die Leute zu sorgen, welche uns nach Campo rudern sollten. Als dieselben dann auch wirklich am Nachmittag erschienen, wurden sie bis zu unserer Abfahrt in der Faktorei zurückgehalten.

Vor Jahren hatte Herr Küderling in Groß-Batanga einige Manihot Glaziovii-Stämme ausgesät, die unterdessen zu einer bedeutenden Größe herangewachsen waren. Da mir daran lag, zu erfahren, wie sich dieser Kautschukbaum in den südlichen Distrikten unseres Schutzgebietes bewähren dürfte, zapfte ich die vorhandenen Exemplare an. Die Milch, welche ich erhielt, floß ziemlich reichlich und enthielt bedeutend mehr Kautschuk als in Victoria, ja sogar so viel, daß ich glaube, eine Anlage im größeren Stile dürfte sich hier bezahlt machen. Ich setze dabei natürlich voraus, daß eine solche Anlage in der von mir bereits häufig vorgeschlagenen Art bewirtschaftet würde. Anzapfungen mit dem Pickierapparat, wie ich sie hier versuchte, dürften sich an heißen Tagen, wenn die herausquellende Milch schnell koaguliert, am besten bewähren. Ich bin davon überzeugt, daß man durch wiederholtes richtiges Anzapfen von den etwa sieben Jahre alten Stämmen im Jahre ein Pfund Kautschuk gewinnen könnte. Wie mir Herr Mager erzählte, hatte Herr Küderling selbst einmal derartige Anzapfungsversuche gemacht, ohne dabei zu guten Resultaten zu gelangen, hatte aber später sich darüber wundern müssen, daß Eingeborene, welchen er die Erlaubnis gegeben, die Manihotstämme anzuzapfen, größere Quantitäten Kautschuks gebracht hätten.

11 Monate alte Kickxia auf der Campo-Plantage.

Am Abend des 21. Februar konnte ich endlich zusammen mit Herrn Mager die Reise nach Campo antreten. Da der Weg längs der Küste nur bei Ebbe zu gebrauchen und sonst auch infolge des tiefen Sandes sehr beschwerlich ist, zogen wir es vor, in einem Boote die Strecke bis Campo zurückzulegen. Da wir hofften, in der Nacht eine günstige Brise zu haben, beschlossen wir, erst spät am Abend abzufahren. Die See war ziemlich unruhig, als wir abfuhren, so daß wir gezwungen waren, sogleich möglichst weit in die See hinauszufahren, um vor den vielen Felsen, welche in der Nähe von Groß-Batanga längs der Küste liegen, sicher zu sein. Die ersehnte Brise stellte sich zu unserer Enttäuschung aber nicht ein, und wir machten nun, da die Leute rudern mußten, nur sehr geringe Fortschritte. In der Hoffnung, am Morgen in Sicht von Campo zu sein, legten wir uns im Boote nieder zur Ruhe, waren aber nicht wenig enttäuscht, als wir wieder erwachten, noch nichts von Campo sehen zu können; offenbar hatten unsere Leute im Boote die Gelegenheit benutzt, möglichst faul zu sein. Erst gegen Mittag kam die Landspitze vor dem Campo-Flusse in Sicht, doch begann die See nun auch so hoch zu gehen, daß wir mehrmals glaubten, in unserem kleinen Boote von einer herannahenden Welle überschwemmt zu werden. Unsere Lage wurde am Nachmittage sogar so unangenehm, daß wir Europäer vorzogen, am Lande anzulaufen, um dann über Land den Marsch fortzusetzen. Einen meiner beiden Jungen nahm ich mit, den anderen ließ ich zurück, damit er dafür sorge, daß mein Gepäck nicht zu stark von den hereinschlagenden Wellen, denen das uns nachfolgende Boot ausgesetzt war, durchnässt werde. Der Marsch am Strande entlang war infolge des losen Sandes recht beschwerlich, wurde aber unerträglich, als erst die Flut stieg und wir immer vor den höher steigenden Wellen auszuweichen hatten. Am allerschlimmsten aber wurde unsere Situation, als die Nacht hereinbrach und wir nun zwischen Gebüschen und dem Wasserniveau unseren Weg suchen mußten. Am späten Abend war schließlich das Wasser derartig gestiegen, daß wir gezwungen waren, Schuhe und Socken auszuziehen und mit aufgerollten Hosen im Wasser am Strande entlang unseren Weg suchen mußten. So angenehm auch die Kühle des Seewassers war, so unangenehm wurde unser Zustand, wenn wir mit den nackten Füßen auf eine Muschel oder eine hervorstehende Holzspitze traten, denn die Nacht war so dunkel, daß man fast seine eigene Hand nicht sehen konnte. Herr Mager, welcher kurzsichtig war, lief wiederholt direkt derartig in Büsche und umgefallene Bäume hinein, daß wir uns wundern mußten, endlich gegen 1 Uhr beide unversehrt in Campo einzutreffen. In der stattlichen, dort von Herrn Küderling errichteten Faktorei fanden wir alles verschlossen; wie wir hörten, war der Europäer gerade abwesend, um im Innern auf einigen Zweigfaktoreien Inventar aufzunehmen und Kautschuk und Elfenbein aufzukaufen. Zum Glücke hatte der farbige Verwalter des Ladens Schlüssel für einige der Zimmer, so daß wir noch unter Dach und Fach ein Lager fanden.

Am frühen Morgen war das Boot mit unseren Sachen auch in Campo angelangt und alles bereits auf der Veranda der Faktorei zum Trocknen ausgelegt, als ich um 6 Uhr aus meinem Zimmer heraustrat. Die sämtlichen Lasten waren furchtbar durchnässt. Am Nachmittag fuhr ich zusammen mit Herrn Mager nach der dicht oberhalb am Campo-Flusse gelegenen Plantage des Herrn Küderling, um dort die Kickxia-Anpflanzungen in Augenschein zu nehmen. Die Plantage war recht schön sauber gehalten, nur fiel mir auf, daß die Schattenbäume fehlten und daß infolgedessen viele der jungen Triebe an der Spitze verbrannt erschienen. Die Bäumchen trugen sehr reichlich Früchte und wuchsen recht gut, solange sie im Schatten der Bananen standen, welche zur Ernährung der Arbeiter angepflanzt waren. Es wäre sehr wünschenswert, daß hier in Zukunft viele Schattenbäume beim Schlagen des Waldes stehen bleiben, denn das schon an und für sich viel trockenere Klima bedingt nach meiner Ansicht entschieden noch mehr Schatten für Kakaokulturen als das am Fuße des Kamerun-Gebirges bei Victoria. Herr Küderling hatte, wie bekannt, für seinen Kakao aus dieser Campo-Plantage einst den höchsten Preis bekommen, der je für Kamerun-Kakao erzielt worden ist.

Auch hier in der Campo-Plantage hatte man eine Anzahl von Manihotstämmen angepflanzt, welche übrigens beim Anzapfen gleichgünstige Resultate lieferten wie die in Groß-Batanga wachsenden. Außer einigen mehrere Jahre alten Bäumchen von Kickxia africana hatte Herr Küderling eine größere Zahl von Pflänzchen der Kickxia elastica auspflanzen lassen. Von den Samen, welche er im Januar 1899 von Dr. Preuß erhalten hatte, waren nur drei Pflanzen aufgegangen, welche man nun an Ort und Stelle in dem Samenbeete hatte stehen lassen; dieselben hatten sich derartig entwickelt, daß ich ihr Wachstum als ausnahmsweise günstiges bezeichnen muß. Die jetzt einjährigen Pflanzen waren bereits höher als ein großer Neger. Auf der Campo-Plantage befanden sich viele sumpfige Flächen, die vielleicht mit Hevea brasiliensis bepflanzt werden könnten, denn in solchen sumpfigen Lokalitäten dürfte die Hevea vielleicht einen reicheren Erfolg liefern als in dem trockenen Boden, in dem sie im botanischen Garten zu Victoria steht. Die vor einigen Monaten ausgepflanzten Kickxien, welche aus Samen vom Mungo gezogen waren, hatte man in größeren Abständen in der Kakaoplantage ausgepflanzt. Meiner Ansicht nach dürfte dieser Standort für die Kickxia, welche doch eine Waldpflanze ist, nicht sehr günstig sein, da die Stämme sich dann wahrscheinlich schlecht entwickeln werden und nur kurz bleiben, wie man das übrigens auch schon an den vorhandenen Exemplaren von Kickxia africana beobachten konnte.

Am Abend kehrten wir zur Faktorei nach Campo zurück, um am nächsten Morgen eine Canoefahrt bis zu den Schnellen des Campo-Flusses zu unternehmen, wo Herr Küderling noch eine zweite Plantage hatte anlegen lassen. Wir brachen sehr zeitig auf, um noch vor Beginn der heißen Tageszeit an unseren Bestimmungsort anzulangen. Anfangs waren die Ufer des Flusses nur mit Mangroven und Avicennien bedeckt, allmählich traten dann noch andere Pflanzen hinzu, bis schließlich die Mangroven ganz verschwanden, um hauptsächlich Calamusgestrüppen Platz zu machen. Gegen 9 Uhr kamen wir bei der Plantage an. Dieselbe war in derselben Weise angelegt worden wie diejenige bei Campo. Der Boden schien noch typischerer Laterit zu sein als dort, große Glimmerschiefer-Blöcke erhoben sich bis über die Oberfläche an verschiedenen Stellen. Auch hier hatte man leider fast gar nicht für Schattenbäume gesorgt, und daher konnte ich auch wieder dieselbe Erscheinung wahrnehmen wie auf der Plantage bei Campo: die Spitzen der jungen Triebe schienen von der Sonne verbrannt zu werden. Kickxien hatte man auch hier angepflanzt, dieselben standen recht gut und versprachen, vorzüglich anzugehen. Im übrigen bot diese Plantage nichts, das ich nicht schon auf der weiter unten bei Campo gelegenen gesehen hatte. Am Nachmittage fuhren wir nach der auf der französischen Seite des Flusses gelegenen Plantage eines Franzosen, der sich dort mit seiner Familie angesiedelt hatte. Es war daselbst außer Kakao noch Kaffee und Vanille angepflanzt worden, doch machte die ganze Anlage gerade einen recht verwahrlosten Eindruck, den ihr Besitzer der bereits seit längerer Zeit herrschenden Dürre zuschrieb. Die Vanille stand sogar sehr schlecht. Noch gegen Abend kehrten wir dann nach Campo zurück.